Wenn Farbe am Ende zur Form wird

Ausstellung von Thomas Arnolds: Wenn Farbe am Ende zur Form wird

Malerei, das sind die Farbe und der Malgrund, dazu ein figürliches Motiv, wenn es sich nicht um abstrakte, ungegenständliche Kunst handelt. Bei Thomas Arnolds, einem aus Heinsberg stammenden und inzwischen weit über die Region hinaus bekannten Maler, geht es darüber hinaus aber vor allem um die Malerei an sich.

Anders ausgedrückt, es geht um die Auftragung der Farbe auf den Malgrund, der hier und da dann sogar das Figürliche produziert.

Was damit gemeint ist, zeigt sich in seiner ersten großen Einzelausstellung in einem Museum, mit der Arnolds ab Sonntag, 9. Dezember, im Leopold-Hoesch-Museum in Düren zu Gast ist. In drei großen Räumen zeigt er dort rund 30 seiner Werke aus ganz unterschiedlichen Werkreihen.

Fasziniert hat den heute 45-Jährigen die Malerei schon als Kind, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verrät. Die Kindheit hat er nach seiner Geburt in Geilenkirchen in Heinsberg-Oberbruch verbracht. „Ja, Glanzstoff“, erinnert er sich. „Wenn ich aus dem Fenster geschaut habe, habe ich immer die zwei großen Türme gesehen.“ Nach der Grundschule ging er aufs Cusanus-Gymnasium nach Erkelenz. Eine Romreise mit der Familie war es dann, die in ihm seinen Berufswunsch weckte: Arnolds wollte Steinmetz werden. Es folgten eine ganz klassische handwerkliche Ausbildung bei Volker Lindholm in Erkelenz-Gerderath und eine Tätigkeit bei Cornel Bücken in Herzogenrath-Kohlscheid.

Erstes Atelier

Dann gelang ihm der Schritt in die Malerei. Arnolds studierte bei A.R. Penck an der Kunstakademie in Düsseldorf und bei Walter Dahn an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. „Ich war mehrfach abgelehnt worden, aber irgendwann hat es dann funktioniert“, erzählt er. 2007 habe er zum ersten Mal in einer Kölner Galerie ausgestellt, in Köln auch sein erstes Atelier eingerichtet.

Inzwischen hat Arnolds vielfach ausgestellt und wird von zwei Galerien vertreten, eine in Köln und eine in München. Werke von ihm finden sich in den ständigen Sammlungen des Kunstmuseums in Bonn und des größten Rotterdamer Kunstmuseums Boijmans van Beuningen, darüber hinaus auch schon in privaten Sammlungen, sogar in Dubai oder Los Angeles.

Ins Leopold-Hoesch-Museum nach Düren hat Kurator Markus Mascher ihn eingeladen. „Duktusinduziert“ ist die Ausstellung überschrieben, die am Sonntag um 12 Uhr mit einer Vernissage ihren Anfang nehmen wird. Mit diesem Titel, der sich zum Beispiel mit „angeregt durch die künstlerische Formgebung“ übersetzen ließe, ist wieder der Schwerpunkt der Arbeiten von Arnolds erklärt. Werke in Reinweiß, in Titanweiß oder allein in Hautfarbe gemalt oder besser gestaltet, überlassen der Formgebungskunst von Arnolds die Hauptrolle und wurden, wie alle anderen Werke auch, in Öl auf Leinwand geschaffen. „Oberflächlich trocknen sie in einem halben Jahr“, schmunzelt er, als der Betrachter ob der Dicke der fingerdick und mehr aufgetragenen Ölfarbe auf den Bildern stutzt. „Bis sie ganz durchgetrocknet sind, dauert es Jahrzehnte.“

Mitgebracht nach Düren hat er  auch Bilder aus der Serie Luft, bei der er Farben zeigt, die sich aus einer Mischung der Grundfarben Rot, Gelb und Blau ergeben, mit denen Arnolds mit Piet Mondrian als Vorbild schon einmal Interieur-Bilder gemalt hat. Für die Ausstellung in Düren ist in dieser Werkreihe ein ganz neues Bild entstanden. Die „Bonsai-Werkstatt“ beeindruckt durch das allein aus Farbe entstandene Bonsai-Relief auf dem Malgrund. Ebenfalls neu sind die Bilder, in denen Arnolds mit Blick auf seine handwerkliche Ausbildung selbstreflektierend daran arbeitet, die Basis einer griechischen Säule in die Malerei zu überführen, dann deren Linienführung zu beugen, zu dehnen „und damit rauszugehen in neuere Systeme“, wie er sagt.

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