Herkenbosch: Weihnachtskarten-Aktion: Schneiden und kleben, bis tief in die Nacht

Herkenbosch: Weihnachtskarten-Aktion: Schneiden und kleben, bis tief in die Nacht

Bei Anja und Wim Brils hat der Tag 26 Stunden. Allerspätestens jetzt ist die Zeit, in der Wim Brils zu seiner Frau sagt: „Anja. Wir müssen jetzt aber mal richtig Gas geben. Wir haben nur noch anderthalb Wochen.“ Dann hocken die beiden wieder bis zwei Uhr nachts in ihrer Bastelecke in der hellen, sehr aufgeräumten Küche, schneiden, kleben und falten. Selbst während Autofahrten bestickt Wim Brils bunten Karton mit hauchdünnem Garn — während seine Frau am Steuer sitzt, natürlich.

An die 600 Weihnachtskarten sind schon fertig, an die tausend sind das erklärte Ziel. 100.000 Euro wollen die Brils aus Herkenbosch, gleich hinter dem Grenzübergang Wassenberg-Rothenbach, der Interessengemeinschaft Kinderkrebshilfe Ophoven in diesem Jahr spenden. Nicht nur durch den Verkauf der selbstgebastelten Karten, sondern auch mit gegossenem Wachsschmuck für den Weihnachtsbaum und einer Verlosung. In diesem Jahr findet der Markt zum 25. und letzten Mal statt, die 100000 Euro sollen eine Art Abschiedsgeschenk sein.

Eine Auswahl der selbstgebastelten Karten: Schneemannscherenschnitte, Stickereien in Sternform und mit gerolltem Japanpapier geformte Kerzen.

Wim Brils, 56, ist der Mann fürs Feine: Filigrane Scherenschnitte fertigt er an, die Scherenaugen des kleinen Werkzeugs hat er sich extra bei einem Goldschmied größer machen lassen, „weil ich so dicke Finger habe“, sagt er. Trotzdem schmerzen sie nach langen Abenden ein bisschen. „Das ist aber nicht so schlimm“, sagt Brils, Blasen oder Schwielen habe er noch keine gehabt.

Eine Auswahl der selbstgebastelten Karten: Schneemannscherenschnitte, Stickereien in Sternform und mit gerolltem Japanpapier geformte Kerzen.

Anja Brils, 54, klebt kleine Sternchen auf die Karten und schneidet den dunkelroten Karton für sogenannten Schüttelkarten zurecht. Zwischen zwei Folien lässt sie glitzernder, feiner Sand rieseln, der wie bei einer zweidimensionalen Schneekugel bei Bewegung durch das Bild wandert. „Das mag ich besonders gerne“, sagt Anja Brils.

Zum Teil arbeitet das Ehepaar mit Vorlagen, zum Teil entwirft es eigene Motive. „Jedes Jahr versuchen wir, etwas Neues anzubieten“, sagt Anja Brils. Karten mit hauchdünnem, gerolltem Japanpapier etwa. Wieder so ein Fall für Wim Brils. Anderthalb bis zwei Stunden durchschnittlich dauert es, bis eine Karte in Folie verpackt in den Karton wandern kann. An den aufwendigen sitzen die beiden vier Stunden. Stundenlohn: 75 Cent.

Im „normalen Leben“ geben die Brils weder Bastelkurse an der VHS noch sind sie Betreiber eines Kreativladens. Anja Brils arbeitet als Diplom-Chemikerin in einem Krankenhaus, Wim Brils ist Berufsmusiker und Lehrer an der Musikschule in Erkelenz. Den Anstoß, Abendstunden und Urlaube für den guten Zwecke zu opfern, gab die Krebserkrankung von Anja Brils Schwester. „Inzwischen geht es ihr gut, aber damals dachten wir uns: Wir haben keine Kinder und beide einen Fulltimejob — wir müssen etwas für Menschen tun, denen es nicht so gut geht“, erzählt Anja Brils. Zufällig hörten sie von der Kinderkrebshilfe Ophoven und weil Anja Brils schon immer gerne gebastelt hat, auch Karten für die privaten Weihnachtsgrüße, wurde daraus eine inzwischen 16 Jahre währende Aufgabe.

80.000 Euro haben die Brils laut Wiljo Caron von der Interessengemeinschaft so schon zusammengeschnippelt und geklebt. „Sie leisten beispielhafte grenzüberschreitende Hilfe für die krebskranken Kinder unserer Region“, sagt er. Auf 12.500 Euro brachte es der Einsatz der Herkenboscher alleine im vergangenen Jahr.

Über das ganze Jahr wird Material im Wert von 2000 Euro gebastelt — die Kosten tragen die Brils auch—, nur im Januar gönnen sich die Brils eine Pause. Bei so viel Einsatz bleibt keine Zeit für andere Hobbys, könnte man meinen. Weit gefehlt. Anja und Wim Caron, die seit 30 Jahren verheiratet sind, spielen zweimal die Woche Tennis, gehen Joggen und Bergsteigen, machen zusammen Musik, wandern ... und dann gibt es noch den Garten. „Wir machen viel gemeinsam. Wir sind ein echtes Team“, sagt Anja Brils. Das habe sich einfach so ergeben.

Sie selbst schreibt 60 bis 80 Weihnachtskarten an Freunde und Verwandte, Wim Brils ist in der Zeit mit dem Backen von 700 Waffeln beschäftigt. Für seine Musikschüler.

Im Moment zählen die Brils die Tage bis zum ersten Advent. Die ersten Kartons mit Karten stehen schon in Ophoven, am Freitag vor dem Wochenende wird dann der Stand aufgebaut. Mit dabei sein wird auch wieder Anja Brils Schwester, die das ganze indirekt ins Rollen gebracht hat und nun mithilft.

Im nächsten Jahr wird sich das Ehepaar nach anderen Märkten umschauen müssen. „Dann wird das auch insgesamt weniger mit den Karten“, sagt Wim Brils. Aber ganz aufhören, nein, das würden sie bestimmt nicht.

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