Kreis Heinsberg: Wasserbüffel aus Asien als Landschaftspfleger im Kreis Heinsberg

Kreis Heinsberg: Wasserbüffel aus Asien als Landschaftspfleger im Kreis Heinsberg

Reinhold Müller aus Erkelenz, der in Wegberg ein Hofgelände erworben hat, beschäftigt neun überaus engagierte Landschaftspfleger der besonderen Art — vierbeinige. Dabei handelt es sich aber nicht etwa um in Sachen Landschaftspflege bekannt umtriebige Schäfchen, sondern um bis zu über einer Tonne schwere asiatische Wasserbüffel.

Landschaftspflege ist eine tolle, ja eine ungemein bedeutsame Sache. Doch obwohl sie zum Erhalt von Pflanzen und Tieren so wichtig ist, finden sich nur allzu selten freiwillige Helfer, die mit anpacken. Müllers Wasserbüffel können als eine Art lebender Rasenmäher gemietet werden. Ein bislang einzigartiges Projekt im Kreis Heinsberg.

Fotos (4): Daniel Gerhards

Rinder jedweder Art haben es dem gebürtigen Österreicher Müller angetan. „Ich liebe die Tiere, immer wenn ich im Urlaub war, habe ich Rinder fotografiert“, sagt er begeistert. So ganz von Ungefähr kommt der Hang zu diesen Vierbeinern allerdings nicht. In der Steiermark, wo Müller ursprünglich sein Zuhause hatte, gehörte der Umgang vor allem mit Ochsen zu seinem Alltag. „Ich bin ausgebildeter Landwirt und mit einer Ochsenmast aufgewachsen.“ Etwa 300 bis 400 Tiere hätten die Eltern stets gehalten.

Fotos (4): Daniel Gerhards

Mittlerweile betreibt Reinhold Müller eine Nudelproduktion und einen Kerzenvertrieb in Köln. Die Nudelproduktion soll auf den Hof in Wegberg umgesiedelt und zu einer gläsernen Nudelmanufaktur werden, die auch Besucher anlocken soll. Dazu wird es bald 6000 Legehennen in Freilandhaltung für die dazugehörigen Eier geben und etwa 2000 Masthähnchen und -hühnchen. „Wir wollen nicht, dass die Hähnchen einfach geschreddert werden“, so Müller. Die Büffelzucht wird ein weiteres Standbein des 47-jährigen Unternehmers sein.

„Unser Ziel war es immer, einen biologischen Betrieb zu haben“, sagt Müller und blickt dabei zu seiner Frau Domenica. „Ich bin zwar ein Kind der Stadt“, meint die Krefelderin, „wäre aber immer gerne ein Kind vom Land gewesen.“ Wenn man sieht, wie verschmust und zärtlich sie die von Regenwasser und Matsch durchtränkten Büffel krault, glaubt man das sofort.

„Wir wollten dazu ein Tier haben“, fährt Reinhold Müller fort, „das robust ist und anders als andere.“ Als er dann Anfang letzten Jahres im Hessischen Fernsehen einen Bericht über die Wasserbüffel sah, war der Grundstein schon gelegt, ohne es zu ahnen. Erst ein Kuraufenthalt wenig später in der Rhön, bei dem er durch einen glücklichen Zufall auf den Büffelzüchter Peter Biel aus Hatten im Landkreis Oldenburg traf, sollte das exotisch anmutende Vorhaben besiegeln. Biel steckte Müller gleich mit seiner Begeisterung für die Büffel an, die er seit 1998 züchtete. Angefangen hatte alles mit zwei Tieren aus dem Berliner Zoo.

Die Herde soll wachsen

Neun Büffel aus Biels Zucht haben mittlerweile in Wegberg ein neues Zuhause gefunden. Am Ende soll die Herde einmal 30 bis 50 Büffel umfassen, hofft Müller. „Der Wasserbüffel rekultiviert die Böden, weil er jeder Pflanze die Möglichkeit gibt, zu wachsen. Er entfernt Disteln ebenso wie Brennnesseln oder Buschwerk. Nach etwa drei Jahren läuft auf einem verwilderten Grundstück dann alles wieder geregelt.“ Auch bei den Büffeln selbst laufe übrigens alles von Natur aus geregelt.

„Bei den Büffeln funktioniert die Vermehrung von alleine.“ Einer künstlichen Befruchtung wie bei der gewöhnlichen Rinderzucht bedürfe es nicht, sagt Müller. „Ein Büffel ist auch mit keinem anderen Tier kreuzbar.“ Extrem widerstandsfähig seien sie. Ihre Haut sei sechsmal so dick wie bei einem heimischen Rind. Das erklärt wohl auch, dass die Büffel selbst in unserem kalt-nassen und stürmischen Januar-Wetter stets im Freien unterwegs sind und ihren Unterstand kaum nutzen. Die Bullen erreichen im ausgewachsenen Alter nach etwa drei bis vier Jahren bis zu 1200 Kilogramm Körpergewicht. Die weiblichen Tiere liegen dann bei etwa 900 Kilo.

Und wie soll nun das Projekt Landschaftspflege funktionieren? „Wenn die Fläche, die die Büffel bereinigen sollen, mindestens ein- bis eineinhalb Hektar groß ist, werden wir die Fläche einzäunen und mit einem Unterstand und einem Wassertank versehen. Im Sommer müssen wir den Tieren außerdem eine Gelegenheit einrichten, sich zu suhlen, weil der Büffel das zum Abkühlen braucht. Er hat ja keine Schweißdrüsen.“

Ein erstes Angebot einer Behörde aus dem Kreis Heinsberg liege schon vor, sagt Müller. Ein Wasserschutzgebiet ganz in der Nähe des Gehöftes soll in Angriff genommen werden. Für die weiblichen Büffel wird es die reinste Idylle. Die Bullen werden allerdings stets nur für etwa drei Jahre in den Genuss des freien Landlebens kommen. Dann nämlich wandern sie in den Kochtopf. Die wehrhaften und als erwachsene Tiere recht streitlustigen Bullen seien dann nur noch schwer in der Gruppe zu beherrschen , erläutert Müller. Er könne sich aber durchaus vorstellen, dass sie als Bolognese seine Nudeln auf schmackhafte Weise bereichern werden.

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