Wassenberger Professor Ludwig Rongen in China ein echter Star

Architektur : Wassenberger in China ein echter Star

Professor Ludwig Rongen aus Wassenberg hat preisgekrönte Gebäude in China geplant, die durch große Energieeffizienz bestechen. Im Reich der Mitte zählt er zu den Top-Architekten.

Wenn man Professor Ludwig Rongen über seine Arbeit in China reden hört, dann wird deutlich, dass das fernöstliche Land für Architekten das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sein muss. Mehr als 50 Prozent des weltweiten Bauvolumens entfielen auf China, sagt Rongen. Und bei repräsentativen Projekten gibt es für Architekten kaum ein Limit.

Rongen hatte die Möglichkeit, in Sachen Ästhetik und Energieeffizienz neue Maßstäbe zu setzen. Auch weil die Kosten für das von ihm geplante Passive House Technology Center im chinesisch-deutschen Ecopark in Qingdao für die Bauherren kaum eine Rolle spielten. Ein Traum für jeden Architekten. Dabei herausgekommen ist ein preisgekröntes Gebäude, das zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist.

Rongen hat sich in China in den vergangenen 15 Jahren einen Namen gemacht. Er kann heute sagen, dass sein Name dort für Qualität stehe. Rongen ist Inhaber zweier Gastprofessuren. Er ist dabei, wenn sich deutsche und chinesische Spitzenpolitiker treffen. Er berät die Stadt Shanghai zu energieeffizientem Bauen. Und er taucht in der Liste der Top 10 ausländischen Architekten in China auf. Für besonders repräsentative Bauten werden nur Architekten von dieser Liste ausgewählt. Rongen und China, das passt offensichtlich.

Die Produktionsstätte des Fensterherstellers Sayyas in Harbin zählte zu den fünf ausgezeichneten Projekten bei einer deutsch-chinesischen Leistungsschau in Peking. Foto: Rongen Architekten

Zwei von Rongens Gebäuden in China sind nun in Peking ausgezeichnet worden. Bei einer deutsch-chinesischen Leistungsschau aus 20 nominierten hoch innovativen „Nearly Zero Energy Buildings“ (Beinahe-Null-Energie-Gebäude) gehörten sie zu den fünf geehrten Bauwerken. Von deutscher Seite wurde der Wettbewerb von der Deutschen Auslandshandelskammer in Peking im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums organisiert.

Das Passive House Technologie Center in Qingdao ist das bislang größte Plusenergiehaus Asiens. Die 8,5-Millionen-Einwohner-Stadt Qingdao war einmal deutsche Kolonie. Um Raum für neue Gebäude zu schaffen, sind dort zahlreiche Hügel abgetragen worden. Dadurch sind viele Findlinge zutage getreten. Rongen griff sie in seinen Plänen auf. Das Haupt- und auch die Nebengebäude sind in ihrer Form diesen Findlingen nachempfunden. Die Bedeutung dieses Projektes in Sachen Klima- und Umweltschutz wird auch dadurch deutlich, dass Rongen und der Bürgermeister von Qingdao die Verträge im Beisein der Regierungschefs von China und Deutschland, Li Keqiang und Angela Merkel, unterzeichneten.

Das Gebäude wurde im Passivhaus-Standard realisiert, der weltweit als höchster Standard im Bereich energiesparendes Bauen gilt. Insgesamt zeichnet sich das Gebäude durch einen sehr niedrigen Heizwärmebedarf und die begrenzte Kühllast aus, wodurch 90 Prozent an Energieeinsparung gegenüber vergleichbaren chinesischen Neubauten erreicht wird.

Das zweite ausgezeichnete Gebäude ist die Produktionsstätte des größten chinesischen Fensterherstellers Sayyas in Harbin. Da das Unternehmen Passivhausfenster herstellt, kam für die neue Produktionsstätte nur ein Bau im Passivhaus-Standard infrage. Ein wichtiges Ziel war es, die Fabrik nicht nur modern und ästhetisch ansprechend, sondern auch ausschließlich aus ökologisch unbedenklichen und recycelbaren Materialien zu bauen.

Dieses Projekt stellte Rongen allerdings vor eine schwierige Aufgabe. Denn das nordostchinesische Harbin ist von extremem Klima geprägt, während es im Sommer heiß und trocken ist, sinken die Temperaturen im Winter auf minus 40 Grad Celsius. Rongen spricht davon, dass in der Fabrik auch im Winter permanent die Tore offen stehen. Weil das Gebäude aber „so gut gebaut“ sei, dass es die Wärme von Maschinen und Menschen optimal halte, sinke die Temperatur im Gebäude nicht unter 18 Grad Celsius.

Dass Rongen in China die Chance bekommt, solche Projekte zu planen, habe viel mit Vertrauen zu tun: „Ich traue mich, auch in China zu sagen, was ich denke. Die wissen bei mir, wo sie dran sind“, sagt Rongen, der mittlerweile auch eine Niederlassung in Shanghai hat. So habe er sich einen hohen Vertrauensbonus erworben. In diese Position sei Rongen auch gekommen, weil er einen klaren Schwerpunkt auf das energieeffiziente Bauen setzt. Denn in China werde, so berichtet es Rongen, viel für den Klimaschutz getan. Der Eindruck, dass China ein großer Umweltsünder sei, täusche also ein Stück weit. „China tut viel, um seine Fehler wieder gut zu machen“, sagt Rongen.