Wassenberg: Containerwerk will hoch hinaus

Neue Produktionshallen : Wassenberger Containerwerk will hoch hinaus

Ein Wassenberger Start-up baut neue Produktionshallen und will damit 25 Arbeitsplätze schaffen. Dazu sollen zwei rund 14 Meter hohe Container auf ihrem Gelände am Forster Weg aufgestellt werden. Die Politik macht dem Vorhaben den Weg frei.

Kleine, kompakte Wohneinheiten, die flexibel aufeinander gestapelt gen Himmel wachsen können, sind für die Wassenberger Tüftler um Ivan Mallinowski im Unternehmen Containerwerk die Zukunft des Bauens in Ballungsräumen. Aber auch sie selbst wollen jetzt hoch hinaus. Zwei neue, rund 14 Meter hohe Hallen planen sie auf ihrem Gelände am Forster Weg, um mit ihren Wohn- und Bürolandschaften, eingebaut in ausgediente Seefracht-Container, ab kommendem Frühjahr in die Serienproduktion zu gehen.

Die Stadtverwaltung unterstützte im Planungs- und Umweltausschuss den Antrag des Unternehmens, dafür die bisher bestehende Höhenbeschränkung von elf Metern aufzuheben, und schlug weiterhin vor, eine Höhenbeschränkung gänzlich aus dem Bebauungsplan herauszunehmen, wie es bereits auf der anderen Seite der Rurtalstraße der Fall ist. Dort hat eine Großdruckerei schon 33 Meter in die Höhe gebaut. Auf den Einwand des sachkundigen Bürgers Kurt Stieding, dass damit der Blick vom Rurtal auf die Altstadt von Wassenberg verbaut werde, reagierte Kämmerer Willibert Darius: In diesem Gewerbegebiet gebe es nur noch zwei freie Grundstücke, und somit werde es nicht zu einer Verbauung kommen. Der Blick auf Wassenberg bleibe auch weiterhin erhalten, sagte er.

Ivan Mallinowski und seine Partner im Containerwerk, Michael Haiser und Markus Goldmann, freuen sich, dass der Weg politisch frei gemacht wurde für die rasante Entwicklung ihres vor nicht einmal drei Jahren gegründeten Start-ups. Es produziert derzeit manuell in der sogenannten Nullserie, kann sich aber vor Anfragen gar nicht mehr retten. Inzwischen liegen in Wassenberg Anfragen für den Bau von insgesamt 9000 Containern in Form kleiner Wohnungen, Büroräume, Hotel- oder gar Krankenzimmer vor.

Wie die „Zukunft im Kubus“ aussehen kann, zeigt das Containerwerk in einer Musterwohnung. Foto: Anna Petra Thomas

Geheimnis des Erfolges im Wassenberger Containerwerk ist die neu entwickelte und inzwischen weltweit patentierte Wärmedämmung aus Polyurethan, die in den Hohlraum zwischen die Außenhaut und die ebenfalls selbst entwickelten Sandwichplatten aus Steinwolle und Gipskarton eingespritzt wird. Das bringt für die Nutzfläche 30 Zentimeter mehr in der Breite als bisherige Verfahren. Sogar als Rohbauten könnte Mallinowski seine Container inzwischen an Ausbaufirmen verkaufen. Jüngste eigene Projekte der Fertigung in Handarbeit sind Wohncontainer, die von einer Polizeischule in Baden-Württemberg genutzt werden oder für junge Erwachsene in Hamburg, die nicht länger in Jugendheimen bleiben können. Ganz in der Nähe, im Würselener Stadtteil Bardenberg, ist ein Erweiterungsbau von Reha-Zimmern am Krankenhaus geplant.

Wie bei der engen Zusammenarbeit in der Kernkompetenz der Wärmedämmung mit der RWTH Aachen kooperieren Mallinowski und sein Team derzeit mit der FH Aachen bei der Planung der Serienfertigung in den beiden neuen Hallen, die auf dem inzwischen 30.000 Quadratmeter großen Gelände zusätzlich zu den vier vorhandenen, kleineren Hallen entstehen sollen. „Wir werden uns da ganz stark an die Fertigung der Automobilindustrie anlehnen“, sagt Mallinowski. „Die Karossiere machen wir selbst“, blickt er vergleichend auf den Rohbau-Container mit Wärmedämmung. Der Rest werde künftig von Systempartnern komplett zugekauft und nur noch eingebaut. „Wir werden eine komplette Fertigungslinie bauen mit Inseln für die Endmontage einzelner Komponenten. Nur so schaffen wir in der Zukunft hohe Stückzahlen.“

Ivan Mallinowski und sein Team wollen mit ihren Wohncontainern in Serie gehen. Dafür entstehen zwei neue Produktionshallen und rund 25 neue Arbeitsplätze. Foto: Anna Petra Thomas

Vier Container pro Tag sollen schon bald in Wassenberg als schlüsselfertige neue Wohn- oder Büroräume sozusagen vom Band rollen, individuell gestaltet nach den Wünschen des jeweiligen Auftraggebers. Zu den derzeit 22 Mitarbeitern sollen noch 25 weitere hinzukommen, neben Ingenieuren vor allem Handwerker verschiedener Gewerke und Maschinenführer. „Die Zukunft wohnt im Kubus und strebt nach oben“, ist Goldmann sicher und präsentiert gleich mehrere Auszeichnungen, die das junge Containerwerk für seinen innovativen Weg bereits eingeheimst hat.

„Wir bauen künftig Städte im Regalsystem“, sagt er. „Wir werden jedoch nicht nur mit modernen Prozessen fertigen, sondern auch in der Entwicklung dieses neuen und schnelllebigen Marktes unsere Nase ganz vorne mit dabei haben“, prognostiziert Mallinowski.

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