Wassenberg: Auch Gourmets mögen manchmal Einfaches

Schlemmer-Markt : Auch Gourmets mögen es manchmal ganz einfach

Ob Pellkartoffeln oder Austern – der Schlemmer-Markt bedient alle Geschmäcker. Auch die von Christoph Metzelder und Reiner Calmund. Ein Besuch beim Genießer-Treffpunkt in Wassenberg.

Auch Profis erleben auf dem Wassenberger Schlemmermarkt schon mal eine Überraschung. Markus Reichardt, Inhaber des Geilenkirchener Partyservice Schneebesen, ist sicherlich mit den kulinarischen Vorlieben seiner Kunden bestens vertraut. Doch dass ausgerechnet seine gebratenen Pellkartoffeln mit Pfifferlingen der Renner auf dem Schlemmer-Markt werden würden, hatte auch er nicht erwartet.

Regionale Produkte wie sein Ziegenkäse vom Gut Zumdahl im schönen Wurmtal bei Geilenkirchen sind schon lange begehrt bei den Genießern. „Es werden auch immer mehr vegetarische Gerichte nachgefragt“, hatte Markus Reichardt festgestellt. Bewusst essen ist für viele seiner Kunden immer wichtiger geworden. Und so greifen sie denn auch lieber zur bayrischen Salzwassergarnele, auch wenn Bayern noch nicht zum Heinsberger Land gehört, dafür aber die Garnelen frei von „Bayer Leverkusen“ sind, wie es Reichardt scherzhaft ausdrückt.

Auf dem nunmehr 27. Wassenberger Schlemmer-Markt treffen sich noch bis Sonntag (Öffnungszeiten Freitag 18 bis 24 Uhr, Samstag 17 bis 24 Uhr, Sonntag 12 bis 19 Uhr) die Liebhaber guten Essens und Trinkens. 23 Anbieter aus der Region bis hinein in die Niederlande bieten an, was ihre Speisekammern hergeben.

Reiner Calmund (links) war hochzufrieden mit dem Seeteufel, den Sternekoch Alexander Wulf (2.v.l.) zubereitet hatte. Sommelier Ronny Schreiber (r.) von der Burgstuben Residenz konnten dem Urteil nur beipflichten. Foto: Dettmar Fischer

Zum ersten Mal mit von der Partie sind Nanni und Marcel Wolters aus Herkenbosch. Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens, dessen Stadtverwaltung den beliebten Markt veranstaltet, hatte auf dem kurzen Dienstweg über seine Amtskollegin, die Bürgermeisterin der Gemeinde Roerdalen, Monique de Boer-Beerta, das Restaurant La Diligence von Nanni und Marcel Wolters für den Schlemmer-Markt angeheuert. Monique de Boer-Beerta kam mit der Spitze ihrer Verwaltung mal schauen, ob ihr Landsmann auch eine ordentliche Arbeit abliefert. Tat er. Mit Austern, geräucherter Enten-Frühlingsrolle und viel guter Laune war das Team von La Diligance eine Bereicherung für den Schlemmermarkt Rhein-Maas.

Ex-Fußballprofi Christoph Metzelder, der mit der Schlemmer-Ente 2019 ausgezeichnet wurde und von Reiner „Calli“ Calmund in dessen Laudatio gleich auch noch zum idealen Kandidaten für den Posten des DFB-Präsidenten ernannt wurde, bereicherte das Event nicht nur mit dem Promibonus. Er verstand es auch, die Brücke zwischen dem Genießen auf der einen Seite und einem sozialen Engagement, das auch weniger gut situierten Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben öffnet, zu schlagen. Ob es überhaupt noch zeitgemäß sei zu genießen, hatte Christoph Metzelder in seiner Dankesrede nach der Preisverleihung gefragt. Und er bejahte diese rhetorische Frage klar. Er genieße und lebe gerne und möchte diese Freude auch mit anderen Menschen teilen und diesen etwas davon abgeben. Das Instrument, diese Teilhabe zu ermöglichen, ist die Christoph Metzelder-Stiftung „Training fürs Leben“, die sich vor allem Jugendprojekten widmet.

Im Food Truck von Otto Gourmet wird das Argentinische Dieter Meier Beef zubereitet, das auch Schlemmerenten-Preisträger Christoph Metzelder (r.) zu schätzen wusste. Foto: Dettmar Fischer

Reiner Calmund, selber im Jahr 2007 mit der Schlemmer-Ente ausgezeichnet, hatte in seiner Laudatio den Bogen geschlagen von Preisträgern der Schlemmerente wie Tim Mälzer, Johann Lafer oder seiner Freundin Lea Linster, die den „Weltmeistertitel“ Bocuse d`Or gewonnen habe, bis hin zum Sternekoch Holger Stromberg, der die Essgewohnheiten der Nationalmannschaft auf ein bislang ungewohntes Niveau gehoben habe, wovon auch Christoph Metzelder als Nationalmannschaftsspieler profitiert habe. Sein Wechsel zu Real Madrid habe „Metze“, wie Calmund sagte, mit den Besuchen im Lieblingsrestaurant des Real-Teams, dem Mesón Txistu, neue kulinarische Horizonte eröffnet, die er bis heute bei Reisen nach Spanien erweitere.

Den Besuchern des Schlemmer-Marktes gab Christoph Metzelder ein Geheimnis preis, nämlich die Speise, ohne die eine deutsche Nationalmannschaft zu keinem Spiel antritt: Milchreis. Selbst Sternekoch Holger Stromberg habe sich dem beugen müssen und nach einem deutlichen „Strombo, so geht das nicht“ des Teams die Orangenzitzen aus dem Milchreis wieder weggelassen.

Marcel Wolters (Mitte, rechts) ist mit seinem Restaurant La Diligence zum ersten Mal auf dem Schlemmermarkt präsent. Foto: Dettmar Fischer

Dabei sei es als Nationalspieler fast schon folgerichtig, zum Feinschmecker zu werden: „50 Länderspiele inklusive Welt- und Europameisterschaften bedeuten mindestens 300 Mittag- und 300 Abendessen aus der Küche eines absoluten Könners“, sagte Calmund.

Die Beliebtheit des Milchreis´ bei den deutschen Nationalkickern wäre vielleicht auch eine Erklärung für die Vorliebe der Schlemmermarktbesucher für Pellkartoffeln, manchmal darf es auch mal was Einfaches sein.

Jörg Savio machte „Urlaub“ in diesem Jahr auf dem Schlemmermarkt. Savio hat das Restaurant Burg Wassenberg übernommen und bietet mit seinem Team passenden zum Enten-Thema geräucherte Entenbrust auf Romakohl an. Auch wenn alle Tische an seinem Stand gleich am Roßtor voll besetzt waren, seien die entspannte Atmosphäre und die netten Gäste auch für ihn und seine Mitarbeiter ein schönes „Urlaubs“-Erlebnis.