Aachen/Wassenberg: Wassenberg: Auch Eltern sollten ermordet werden

Aachen/Wassenberg: Wassenberg: Auch Eltern sollten ermordet werden

Staatsanwalt Sebastian Muhl leistete ganze Arbeit im Prozess gegen drei wegen Mordes, versuchten Mordes und schweren Betruges vor dem Aachener Schwurgericht angeklagten Männer im Alter von 37, 47 und 66 Jahren. Nach seinem zweistündigen Plädoyer forderte Muhl zwei Mal Lebenslänglich für die beiden Haupttäter.

Im Plädoyer listete der Anklagevertreter erneut genauesten jene Umstände auf, die zu den brutalen Taten am Abend und in der Nacht des 21. Oktober 2012 gerichtet gegen die zwei Brüder, dem in Wassenberg praktizierenden Arzt Michael D. und seinem aus Bonn stammenden Bruder Markus D., führten. Dann forderte er zwei Mal Lebenslänglich für die beiden Haupttäter Janosch S. und Franky G., der dritte soll wegen Beihilfe zwölf Jahre einsitzen.

Damals auf einem Waldparkplatz bei Wassenberg und an einer Landstraße im niederländischen Maria Hoop sollte an diesem Abend die Geld-Rückzahlungen vonstattengehen, die die Familie der Brüder dem Hauptangeklagten und „Tatherrn“, so Muhl, dem 66-jährigen Angeklagten S. aus Wassenberg zur Verwaltung und Aufbewahrung übergeben hatte. Der Arzt und auch seine in Bonn lebenden Eltern waren systematisch von großen Zinsversprechen und dem gekonnten Schüren von Verlustängsten gelockt worden.

An jenem Abend planten die drei Angeklagten gezielt die Ermordung der Brüder, um der Rückforderung des Geldes nicht nachkommen zu müssen, plädierte der Staatsanwalt. Dabei gelang es dem Trio, den jüngeren Bruder mit Steinschlägen von Janosch S. und einem weiteren „stumpfen Gegenstand“ in der Hand des Mitangeklagten Franky G. (37) zu töten, auf grausame Art und Weise, wie die Rechtsmedizinerin in ihrem Gutachten festgestellt habe. Der Dritte im Bunde habe dabei „nur“ Beihilfe geleistet, sei aber insgesamt in das Tatgeschehen eingebunden worden.

Denn die unglaubliche Mordgeschichte geht weiter, da der Gehilfe Norbert D. den Bruder unter falschen Versprechungen zur Geldübergabe in die nahen Niederlande bestellt hatte. Dort hätten, fuhr Muhl vor dem Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Arno Bormann fort, wieder Florian S. und Franky G. mit Steinen auf ihr Opfer eingeschlagen, Steine, die sie in die Geldkoffer gepackt hatten, in denen sich das Vermögen der Familie hätte befinden sollen.

Der Arzt hatte sogar Kredite aufgenommen, um den Tätern noch mehr Bargeld zuzuschustern.

Das hätte Michael D. beinahe mit dem Leben bezahlt. Denn wieder hätten sich G. und der 66-Jährige gemeinsam und hinterhältig von hinten mit Steinen an den Arzt, der die vermeintlichen Geldkoffer in seinem Auto aufmachte, herangeschlichen und ihm beinahe tödliche Schläge verpasst: Doch Michael D. konnte in der Dunkelheit in ein Maisfeld fliehen - und rettete mit seiner gelungenen Flucht wahrscheinlich auch den in Bonn lebenden Eltern das Leben.

Denn Janosch S. hatte sich auch bei den Eltern angesagt, um ihnen, wie man heute weiß, nicht vorhandenes Geld zurückzubringen. „Er hatte sich für ein Uhr nachts dort angesagt. Ich bin überzeugt, dass er zwei weitere Morde begehen wollte.“ Denn dann hätte man ihm, so das Denken des als völlig manipulativ und skrupellos beschriebenen Oberhauptes einer großen Roma-Familie, seinen Millionenbetrug, so der Staatsanwalt, höchstwahrscheinlich nicht nachweisen können.

Für den Hauptangeklagten beantragte der Staatsanwalt die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Damit würde er nicht möglicherweise bereits nach 15 Jahren Haft entlassen werden können. Die Anwälte der Nebenklage schlossen sich weitgehend dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an und rügten die Prozessführung der Gegenseite, die versucht habe, in diesem Verfahren die Opferfamilie weitgehend zu verunglimpfen. Die Verteidiger plädieren am Donnerstag dieser Woche ab 13 Uhr.