Heinsberg: Warm, wärmer, Rekordjahr fürs Freibad?

Heinsberg : Warm, wärmer, Rekordjahr fürs Freibad?

Wenn Holger Luppa im Freibad ist, dann meistens nicht, um sich abzukühlen. Dort, wo andere entspannen, ist für den Bademeister ein Ort der Konzentration. „Nach einer normalen Schicht bin ich richtig geschafft“, sagt er. Und selbst während er das erzählt, klebt sein Blick an den Freibadbecken in Kirchhoven. Dienst ist Dienst.

Seit rund 25 Jahren ist Luppa in diesem Job: Schule, Ausbildung mit 16, dann Fachangestellter für Bädersicherheit, wie die korrekte Berufsbezeichnung lautet. Er beobachtet, dass immer mehr Aufgaben zum Job hinzukämen, gleichzeitig aber weniger Nachwuchs-Bademeister. Schwimmen, Animation, Aqua-Fitness, Technik, Dienstpläne schreiben — mehr Vielfalt, mehr Arbeit.

Der Bademeister kann eine Menge über schöne Erlebnisse berichten: Schwimmkurse mit Kindern, Animationsprogramme, die Beckenaufsicht an sich, wenn alles gut geht. Einmal ist aber nicht alles gut gegangen und Luppa musste ins Wasser springen, um einen Menschen zu retten. „Zum Glück musste ich ihn aber nicht reanimieren“, sagt er. Für den Ernstfall helfe es ihm, sich immer wieder die Rettungskette ins Gedächtnis zu holen: „Wie hole ich wen raus.“ Meistens bleibe es im Freibad aber bei Kratzern und Schürfwunden.

Angenehme 27 Grad

Aktuell profitiert das Bürgerbad in Kirchhoven natürlich vom Sommerwetter. „Wassertemperatur: 27 Grad“, steht in großen Kreidebuchstaben auf der Tafel am Kiosk. Und selbst unter der Woche sind am Mittag zahlreiche Besucher im Schwimmbad. Es gibt eine große Empore zum Sitzen, Blumenbeete, zwei Becken mit Sprungtürmen und eine Rutsche. „Manche kommen auch einfach hierher, um ihren Kaffee zu genießen“, sagt Norbert Doutrelepont. Er ist einer der Geschäftsführer der Bürgerbad Kirchhoven gGmbH — entsprungen der Bürgerinitiative, die vor drei Jahren mit ihrem Konzept überzeugt und das Freibad, das vorher in städtischer Hand war, vor der Schließung bewahrt hat.

2016 hatte das Bürgerbad zum ersten Mal unter der Regie der Initiative geöffnet, drei Jahre dauerte ein erster Probevertrag zwischen Stadtwerken und Bürgerinitiative. Seit einigen Wochen ist klar: Es wird weitergehen mit dem Freibad in Heinsberg. Der neue Vertrag ist unterschrieben, er gilt für zehn Jahre. Man habe in den vergangenen drei Jahren überzeugen können, sagt Doutrelepont. Und das, obwohl die Besuchersituation im Jahr 2017 witterungsbedingt schwierig gewesen sei. Rund 31.000 Besucher kamen übers Jahr. „Aber es passte bisher trotzdem immer alles“, sagt Doutrelepont. Und: „Wenn das Wetter so bleibt, fahren wir in diesem Jahr wohl einen Rekord ein — bei den Einnahmen und bei den Besuchern.“

Am Wochenende, bei solchem Wetter wie gerade, kommen gut und gern um die 2000 Besucher, schätzt Doutrelepont, 1000 bis 1200 unter der Woche zur Ferienzeit.

Für Doutrelepont und die Bürgerinitiative mit ihren rund 70 aktiven Mitgliedern ein Grund zur Freude. Das Team arbeitet komplett ehrenamtlich, von der Leitung über die Technik bis hin zur Garten- und Reinigungsarbeit. Selbst die Software, die die Filteranlage steuert, ist selbst programmiert. „Wir sind da gut aufgestellt“, sagt Doutrelepont.

Eine große Neuerung, die sowohl die Initiative um Norbert Doutrelepont als auch Bademeister Holger Luppa betrifft, steht mit dem neuen Vertrag erst noch an. Die Bademeister wurden bislang von den Stadtwerken gestellt, also von städtischen Hallenbädern für den Sommer „ausgeliehen“.

Das wird sich zum neuen Jahr ändern: Ab dann nämlich gibt es keine Bademeister mehr im Bürgerbad Kirchhoven, sondern einen Pool an Rettungsschwimmern, die das silberne DLRG-Abzeichen gemacht haben — aus den eigenen Reihen der Initiative. „Das funktioniert“, sagt Doutrelepont. Am Wochenende seien es oft Schüler und Studenten, die dann aushelfen würden, unter der Woche beispielsweise Schichtarbeiter. Sie werden als Einzige in der Initiative nicht ehrenamtlich arbeiten, sagt Doutrelepont.

Immer zwei Retter im Einsatz

Ungefähr 30 Rettungsschwimmer seien derzeit in diesem Pool, mindestens eine Aufsicht muss immer im Freibad sein. Die Initiative hat im normalen Alltagsbetrieb zwei Retter im Einsatz, bei Großveranstaltungen eher dreimal so viele. 30 Retter seien genug, um auch aufstocken zu können, wenn auf einmal noch mehr Besucher kommen würden, sagt Doutrelepont. Der Rest zeige sich dann in der Praxis. „Ich bin positiv gestimmt.“

Für Holger Luppa ist es wohl die letzte Freibadsaison in Kirchhoven. Für das Freibad geht es mindestens noch zehn Jahre weiter.

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