Waldfeucht: Große Bandbreite beim "Vöchter Vertäll"

Mundartabend : Eine beeindruckende Bandbreite bei „Vöchter Vertäll“

Wenn der Historische Verein Waldfeucht zum jährlichen „Vöchter Vertäll“ einlädt, dann kommen die Fans des Plattdeutschen und der Mundart in Scharen. Die Gewissheit für zwei Stunden beste Unterhaltung zu erleben, füllte auch beim 14. Treffen zur Pflege des heimatlichen Dialektes die Räumlichkeiten im Cäcilia-Treff in Waldfeucht.

Mit Gerti Tholen moderierte die „Grand Dame des Vöchter Vertäll“ in gewohnter Weise den Ablauf des Abends. Mit ihrem feinsinnigen Humor stellte sie die Besonderheit des Abends dar: „We hant kee vaost Programm. Däe Oavend es wij een Wundertüt vüer mech“, verriet sie dem Publikum. Das hieß so viel wie: „Wir haben kein festes Programm. Dieser Abend ist wie eine Wundertüte – man weiß nicht, was vorgetragen wird.“

Neben Gerti Tholen trugen Magda Hausmann, Karl Cleef, Willi Küsters, Walter Bienen und Josef Klaßen lustige wie ernste Geschichten, Erzählungen und Gedichte vor. Die Bandbreite der Vorträge war von bemerkenswerter Qualität in Inhalt und Form und reichte von wahren Begebenheiten (Karl Cleef), über freie Vorträge zum Thema stehende Nutzung der Toilette durch Männer und Hilfsmittel zur Abhilfe (Walter Bienen) bis zur herausragenden Lyrik (Willi Küsters).

Dass viel Herzblut vorhanden war und großes Engagement beim Mundartgebrauch bestand, war bei allen Beiträgen zu spüren. Daneben aber ragte auch die Beherrschung der Mundart im besonderen Maße heraus, wie bei Josef Klaßen. Nach seinen Vorträgen „Pastu´er on eene Hoop Kowflater“ und „Martin, böss du et?“ erfuhren die Zuhörer von seinem Projekt, den Duden in den letzten sieben Jahren ins Plattdeutsche übersetzt zu haben. „Dem Plattdeutsch aus der Region Selfkant und Rurland“, wie er betonte. Insgesamt seien vier Bände mit jeweils 900 Seiten entstanden, die im Frühjahr mit Hilfe des Historischen Vereins Waldfeucht herausgebracht würden.

Josef Klaßen, Gerti Tholen und Walter Bienen (v.l.) als Vortragende humorvoller Geschichten beim Vöchter Vertäll in Waldfeucht. Foto: Johannes Bindels

Im Mittelpunkt der Beiträge standen nicht nur die erheiternden Geschichten zur Beschreibung des Lebens vor einigen Jahrzehnten, sondern auch der aktuelle Bezug zum Thema Plattdeutsch in der Presse. So hatte Gerti Tholen aufmerksam den Artikel in dieser Zeitung zum Gebrauch und zur Bedeutung von plattdeutschen Schimpfwörtern verfolgt und zum Anlass genommen, eine Geschichte zum Schimpfwort „Vottmimken“ vorzutragen. Eine wundervolle Geschichte zur Beschreibung des Verhaltens eines Menschen, der sich zu wichtig nimmt, aber wenig wirklich Wichtiges beizutragen hat. Feinsinnig auch ihre Anmerkung zum Schluss: „Ejentlich jievt et di Zoart Mimkes joar ja neet. Se sterve ävver och neet ut. On av un tu denkt man – du bös ee rechtech!“

Ein weiterer Höhepunkt an diesem Abend waren die beiden musikalischen Beiträge von Rosel Cleef-Stassen auf ihrem Akkordeon. Ihr Vater Karl Cleef hatte die dazugehörenden Texte auf Plattdeutsch übersetzt. Nach der Melodie von „Alle Vögel sind schon da“ sangen die Anwesenden gemeinsam das plattdeutsche Lied „Wue ech heem bönn, wue et mech et bäest gefellt“. Ein gelungenes Beispiel dafür, wie die Pflege der Mundart gelingen kann.

Rosel Cleef-Stassen mit musikalischem Beitrag beim Vöchter Vertäll in Waldfeucht. Foto: Johannes Bindels
Mehr von Aachener Nachrichten