Wald- und Dorfspaziergang in Keyenberg mit Michael Zobel

Anti-Braunkohle-Protest : Ein Spaziergang gegen den Tagebau

Beim Wald- und Dorfspaziergang in Keyenberg spricht Naturführer Michael Zobel von 900 Teilnehmern. Die Kohlegegner kommen mit Rückenwind zum Tagebau Garzweiler. Aber durch das Dorf verläuft ein Graben.

Dass so viele Menschen nach Keyenberg kommen würden, hatte wohl kaum jemand erwartet. Nach Angaben des Veranstalters Michael Zobel nahmen knapp 900 Menschen an seinem Wald- und Dorfspaziergang teil. Mit Naturführer Zobel, Co-Veranstalterin Eva Töller und Umsiedler Ingo Bajerke wanderten sie durch den Ort und über die Wege, die um ihn herumführen. Sie gingen etwa zur Kirche und zur Niersquelle.

Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich sowie Berverath sind die Erkelenzer Dörfer, die - so die aktuelle Planung - noch wegen des Tagebaus Garzweiler verschwinden müssen. Obwohl die Umsiedlung bereits läuft, wollen viele Menschen nicht hinnehmen, dass sich die Bagger in ihre Heimat hineinfressen. Deshalb waren unter den Teilnehmern des Spazierganges auch viele Bewohner der fünf Umsiedlerorte.

Zobel ist Braunkohlegegner

Unterwegs in und um Keyenberg: Die Teilnehmer des Dorf- und Waldspazierganges von Michael Zobel setzen ein Zeichen gegen den Tagebau Garzweiler. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Dabei ist wichtig zu wissen, dass Zobel und seine Spaziergänge nicht neutral sind. Zobel ist Braunkohlegegner und seine Spaziergänge sind ein Symbol des Protests gegen RWE und seine Tagebaue. Zobel führt seit viereinhalb Jahren Gruppen durch den Hambacher Forst. Am Anfang spazierte er mit rund 50 Teilnehmern durch den Wald. Sein Rekord steht bei 15.000 - bei einem einzigen Spaziergang. Je größer der Protest gegen die Rodung des Hambacher Forstes wurde, desto mehr Teilnehmer gab es auch bei den Waldspaziergängen. Zobels Wanderungen sind eben auch so etwas wie Demonstrationen gegen die Braunkohle. Auch wenn sie nicht als solche angemeldet sind und Zobel selbst sagt: „Wir wollen nur Bilder zeigen. Daraus soll jeder machen, was er will.“

Vor dem Wald- und Dorfspaziergang war keinesfalls klar, dass er am Ende ruhig und gesittet verlaufen würde. Im Vorfeld habe es mehrere Aufrufe gegeben, die Veranstaltung zu stören, teilte Zobel bereits am Samstag mit. Und tatsächlich war auch eine ganze Reihe von Kohle-Befürwortern gekommen. Auch die Polizei erkannte eine größere Anzahl von RWE-Mitarbeitern. Die Ansage der Einsatzkräfte: Keine Fahnen, keine Plakate mit politischen Meinungsäußerungen. Damit niemand provoziert wird. Das Ganze war ja schließlich - zumindest offiziell - keine Demonstration. Am Ende blieb nach Angaben der Heinsberger Polizei alles friedlich.

„Geisterdorf, nein danke!“

Trotzdem zeigte sich an diesem Tag, dass ein Graben durch Keyenberg verläuft. Auf der einen Seite stehen die, die unbedingt in ihrer Heimat bleiben wollen. Sie standen bei Zobel und setzten ein Zeichen gegen den heranrückenden Tagebau. Auf der anderen Seite standen die, die längst mit der alten Heimat abgeschlossen haben. „Geisterdorf, nein danke!“, „Wir wollen weg“ und „Wir freuen uns auf RWE“ stand auf Plakaten, die sie an ihre Häuser gehängt hatten.

Nach diesem Sonntag scheint trotzdem eines klar zu sein: Die Kohlegegner wollen ihren Protest am Tagebau Garzweiler intensivieren. Und dabei bläst ihnen nach dem Rodungsstopp am Hambacher Forst und der bundesweit großen medialen Aufmerksamkeit ein kräftiger Rückenwind in die Segel.

Vom breiten Zuspruch an diesem Sonntag waren selbst Töller, Zobel und Bajerke überrascht worden: „Wir wollten einen kleinen ruhigen Dorfspaziergang machen“, sagte Töller. „Wie soll das erst am 10. November werden?“ Dann wollen Zobel, Töller, Bajerke und ihre Unterstützer durch Kuckum und Keyenberg spazieren.

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