Wahl von Kramp-Karrenbauer löst Begeisterung aus

Nachgefragt : Wahl von Kramp-Karrenbauer löst Begeisterung aus

Mit einer eher konservativen Sichtweise in die Zukunft zu blicken, ist für die CDU-Vorsitzenden im Heinsberger Land kein Widerspruch. Im Gegenteil.

Die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Bundesvorsitzenden stößt denn auch an der Basis offenbar auf einhellige Zustimmung, wie eine kleine Umfrage unserer Zeitung belegt.Die CDU-Vorsitzenden setzen auf ihre Erfahrung und Volksnähe.

Der Vorsitzende der Heinsberger CDU, Kai Louis, glaubt, dass Annegret Kramp-Karrenbauer, die schon als „AKK“ in aller Munde ist, „das konservative Bild der Partei ein Stück weit schärfen wird“. An eine bloße Fortführung der Merkel’schen Politik glaubt er unter ihrer Führung nicht. „Bislang war aufgrund ihrer Position innerhalb der Partei als Generalsekretärin schwer die Möglichkeit gegeben, eine Stellung konträr zur Parteivorsitzenden zu beziehen.“ Louis ist zuversichtlich, dass AKK die unterschiedlichen Parteiflügel hinter sich vereinen kann. „Ich denke, sie ist eine sehr integrative Kraft.“

Grundsätzlich wäre die Wahl von Friedrich Merz oder Jens Spahn für Louis auch keinem Desaster gleichgekommen. „Wir hätten mit allen Dreien gut leben können, aber mit Kramp-Karrenbauer im Besonderen. Wir können mit dem Verfahren an sich sehr zufrieden sein. Wir hatten drei gute Kandidaten und damit letztlich eine entsprechende Auswahl.“

Peter London, CDU-Vorsitzender in Erkelenz, hatte AKK vor zwei Jahren beim Neujahrsempfang der CDU-Landespartei als eine der Festrednerinnen kennengelernt und war gleich von ihr begeistert. „Damals hat sie mich schon überzeugt. Sie ist eine tolle Frau.“ Vielleicht hat er auch deshalb nicht damit gerechnet, „dass es so knapp werden würde“, sagt er im Hinblick auf das Ergebnis von rund 52 Prozent der Stimmen in der Stichwahl gegen Merz. „Annegret Kramp-Karrenbauer steht für Zuhören und nicht dafür, nur aus der eigenen Weltsicht heraus zu entscheiden“, meint London. Im Gespräch und bei Reden schätzt er sie sogar besser ein als Angela Merkel. Aufgrund ihrer politischen Erfahrung und der sozialen Kompetenz geht der Erkelenzer sogar noch einen Schritt weiter: „Ich sehe sie auch als Kanzlerkandidatin.“

Hückelhovens CDU-Vorsitzender Thomas Schnelle ist ebenso begeistert von der neuen Chefin. Schließlich hatte er ihr als Delegierter seine Stimme gegeben. „Ich hatte das ja schon verlauten lassen.“ Schnelle habe die Partei „noch nie so lebhaft wie in den letzten Wochen erlebt“. Wie Louis lobt auch Schnelle „das tolle Verfahren innerhalb der Partei“. Kramp-Karrenbauer werde auf keinen Fall eine zweite Merkel. „Wenn ich sage, dass sich was ändert, heißt das aber nicht, dass bislang alles schlecht war. AKK ist sicher ein Stück konservativer und kommt andererseits aus dem sozial-liberalen Flügel.“ Die Themen Wohnungsnot, gut bezahlte Arbeitsplätze und Migration würden unter Kramp-Karrenbauers Führung verstärkt in den Fokus genommen, vermutet Schnelle.

Aber zum Teil anders als bei Merkel, glaubt Franz-Josef Beckers, der CDU-Vorsitzende von Wassenberg. „Wenn sie damals Kanzlerin gewesen wäre, hätte sie sicher nicht so forsch reagiert und gesagt, wir nehmen alle. Sie war aufgrund ihrer Tätigkeit näher am Volk. Sie hat die politische Erfahrung als ehemalige Ministerpräsidentin und steht mitten im Leben. Wenn ich Delegierter gewesen wäre, hätte ich sie gewählt.“

Hatten im Hinblick auf eine mögliche Wahl von Friedrich Merz Vermutungen die Runde gemacht, er könne schon vor dem Ende der Legislaturperiode das Kanzleramt anstreben, so vermutet das bei Kramp-Karrenbauer eher niemand. „Es kann nur in einem gedeihlichen Miteinander funktionieren, wenn die Partei keinen Schaden nehmen soll“, sagt London. „Von ihr aus wird das sicher nicht geschehen“, glaubt auch Beckers. Schnelle räumt allerdings ein, dass der Ausgang der Europawahl in dem Zusammenhang natürlich eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen könnte.

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