1. Lokales
  2. Heinsberg

Kunstverein in Heinsberg: Viel Raum zum Interpretieren

Kunstverein in Heinsberg : Viel Raum zum Interpretieren

Der Kunstverein Heinsberg eröffnet am kommenden Sonntag seine letzte Ausstellung für dieses Jahr, und zwar mit dem Künstler Emil Sorge.

Sein Werk ist geprägt von verschieden visuellen Ausdrucksmitteln und Techniken: Hybride aus Holzschnitten, Frottagen und Malerei.

Das Gestaltungsrepertoire entnimmt er der Gegenstandswelt, die er in seinen Arbeiten in einem unterschiedlichen Abstraktionsniveau zum Ausdruck bringt. Thematisch wechseln die Arbeiten zwischen Natur- und Kulturlandschaften, in denen der Eingriff des Menschen immer spürbar ist.

Die Umsetzung des Motivs in einen Holzschnitt, dessen Schnitte tief in das Material eindringen, wird zum Ausgang der Arbeitsserien. Nur die höher gelegenen Flächen der unterschiedlich tief eingekerbten Formen werden auf das Papier übertragen. Dadurch unterscheiden sich Druckstock und Abzug voneinander, sie sind jeweils von einer eigenen Ausdruckskraft geprägt. Die Druckplatte selbst wird zum eigenständigen Relief und stellt sich spiegelbildlich dem flächigen Druck zur Seite.

Farbige Ausarbeitungen der Druckplatten ergänzen die Möglichkeiten zu neuen Erscheinungsformen innerhalb des Werkes und erweitern somit das Repertoire.

Die Kompositionen leben von einem Spiel zwischen Figur und Grund, Positiv- und Negativfläche, in denen der Gegenstand stellenweise zu Gunsten abstrakter Formen aufgelöst wird. Raster und Reihungen bestimmen die allover gegliederten Flächen.

In der Ausstellung „Share“ im Kunstverein Heinsberg wird zum ersten Mal das wandfüllende Relief „Taiga“ gezeigt, bestehend aus vier großen Einzelplatten, die zu einem Fries zusammengefügt sind. Baumstämme reihen sich aneinander und die Kronen sind am oberen Bildrand angeschnitten. Kleine verzweigte Linien verdichten die Fläche, und die Stämme sind in unterschiedlicher Breite, einem Strichcode gleich, senkrecht addiert. Die Farbskala beschränkt sich auf einen klaren Schwarz-Weiß-Kontrast und die perspektivischen Verkürzungen dienen eher dazu, die gesamte Fläche zu rhythmisieren.

 Eine Erweiterung des Repertoires stellt sich ein, wenn die Abzüge der Holzschnitte auf einer Leinwand malerisch ergänzt werden. Grautöne stellenweise farbig variiert beleben die Farbskala da, wo es formal und thematisch sinnvoll erscheint und die Ausdruckskraft steigert.

In den abstrahierten Stadtlandschaften verdichten sich waagerecht und senkrecht gegliederte Formen, die nebeneinander und übereinander geordnet sind. In Größe und Farbhelligkeit variieren diese angedeuteten Häuser und drängen sich scheinbar unendlich über die Ränder des Bildes hinaus. Sie flimmern wie verpixelt über die Fläche und signalisieren die Aufgeregtheit dicht besiedelter Großstädte.

Der Blick schweift

Ausschnitte aus Werkshallen, in denen die Diagonalen der Architekturkonstruktion sich wechselweise durch Richtungsveränderungen überschneiden, lassen den Blick hin und her schweifen und imaginieren den Arbeitsrhythmus. Der verwendete Schwarz-Weiß-Kontrast und die im Verhältnis zur Architektur klein dargestellten menschlichen Figuren reflektieren die überwältigende Dominanz der Technik vor dem Menschen.

Die thematische Vielfalt der Arbeiten, ausgeführt in unterschiedlichen Techniken und Bildgattungen, spiegeln den Blick des Künstlers Emil Sorge auf die ihn umgebede Welt und zeichnet ihn als kritischen Beobachter aus. Eine Interpretation seines ästhetischen und komplexen Werks überlässt er gerne der Imagination des Betrachters. Bei der Ausstellungeröffnung am Sonntag, 3. November, 11.30 Uhr, ist der Künstler auch vor Ort dabei. Bis zum 24. November ist sie noch zu sehen.