Hückelhoven-Brachelen: Viel Lob und kein absoluter Konsens beim Ministerbesuch

Hückelhoven-Brachelen : Viel Lob und kein absoluter Konsens beim Ministerbesuch

Zu den Annehmlichkeiten im Leben eines Ministers gehört es, dass man sich die Einrichtungen, die man besuchen will, selbst aussuchen kann. Und dann wählt man natürlich solche aus, die ein positives Signal aussenden.

„Sie sind schon ein ganz besonderer Träger, sie leisten sehr gute Arbeit hier“, sagte Karl-Josef Laumann, als er bei herrlichstem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen in der Altenpflegeeinrichtung Haus Berg der St. Gereon Seniorendienste in Brachelen für zwei Stunden Halt machte.

Gehört hatte Laumann sicher, dass St. Gereon in der Vergangenheit eine Fülle von Auszeichnungen eingeheimst hat, unter anderem im vergangenen Jahr die als „Bester Arbeitgeber im Gesundheitswesen“. Der nordrhein-westfälische Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales wollte sich vor allem aber in der Brachelener Einrichtung über das dort praktizierte Modell der Altenpflegeausbildung schlau machen.

Nicht ohne Grund hatte Laumann sich für Haus Berg entschieden: Die Einrichtung der St. Gereon Seniorendienste ist mit derzeit 200 Auszubildenden der größte praktische Ausbildungsbetrieb für die Altenpflege in Nordrhein-Westfalen. „Wir versuchen schon seit langem, Theorie und Praxis in der Altenpflege-Ausbildung so eng wie möglich miteinander zu verzahnen“, erklärte dem Minister aus Düsseldorf Bernd Bogert, Geschäftsführer der St. Gereon Seniorendienste in Brachelen.

Die Arbeit in der Altenpflege gilt bei jungen Schulabsolventen nicht gerade als cool — dennoch gibt es in Brachelen keinen Nachwuchsmangel. „Jeder, der die Hauptschule abgeschlossen und keine Vorstrafen hat, kann bei uns eine Lehre zum Altenpfleger beginnen“, erklärte Gerd Palm, stellvertretender Geschäftsführer für den Gesamtbereich Pflege in der Brachelener Einrichtung, dem Minister.

Der Anteil der Pflegeschüler mit Hauptschulabschluss liegt zwischen 50 und 60 Prozent. „Und die allermeisten von ihnen schließen ihre Ausbildung hier erfolgreich ab“, ergänzte Bernd Bogert.

Die Altenpflegeschule, die in direkter Nachbarschaft zum Pflegeheim Haus Berg angesiedelt ist und die von der Arbeiterwohlfahrt betrieben wird, bildet die Altenpflegeschüler von St. Gereon aus, in Brachelen werden die jungen Leute auf ihren künftigen Beruf vorbereitet. Der Minister zeigte sich beeindruckt: „So etwas wie hier sieht man selten.“

Weil das aber nicht die Regel ist in dem Bundesland, in dem er der Minister für das Soziale ist, sprach Karl-Josef Laumann die Veränderungen an, die im Bereich der Ausbildung in den Pflegeberufen unmittelbar bevorstehen: „Die Generalistik kommt, das ist Kabinettsbeschluss.“

Die Generalistik — das bedeutet, dass es in der Ausbildung im Pflegebereich künftig keine Unterscheidung mehr zwischen einem Krankenpfleger und einem Altenpfleger geben wird. Eine Trennung zwischen Alten- und Krankenpflege, so Laumann, gebe es außer in Deutschland in ganz Europa nirgendwo. „Die jungen Leute werden künftig auch bei uns in ihrer Ausbildung Einblicke in alle Pflegebereiche bekommen, im Krankenhaus wie im Altenheim; sie sollen eine möglichst breite Ausbildung allen Bereichen der Pflege bekommen“, sagte Laumann.

Denn die Pflegebereiche würden sich immer mehr überschneiden: Im Krankenhaus müssten beispielsweise auch alten Menschen mit einer Demenzerkrankung medizinisch behandelt werden, im Altenpflegeheim würden zunehmend auch medizinische Leistungen erbracht werden müssen. „Es darf nicht heißen alt oder krank. Denn in der Realität heißt es doch alt und krank“, so Karl-Josef Laumann.

Bogert warnt

Bernd Bogert konnte dem Minister mit Blick auf die Neuregelung der Ausbildung nicht so ganz zustimmen: „Wir machen hier eine optimale Ausbildung zum Altenpfleger. Die sollten wir nicht ohne Not schlechter machen“, sagte er. „200 Auszubildende wie jetzt werden wir dann nicht mehr haben.“

Sozialminister Karl-Josef Laumann überzeugte das nicht: „Als ich von der schlechten Behandlung der Altenpfleger erfahren habe, die verdienen 500 Euro weniger als in der Krankenpflege, da war meine Entscheidung gefallen“, antwortete er. Und fügte ergänzend hinzu: „Im Pflegebereich wird nach wie vor zu wenig ausgebildet. Im Handwerksbereich braucht man zehn Prozent Lehrlinge, sonst funktioniert das System nicht. Die Krankenpflege leistet das nicht, da ist der Stand heute so wie er vor sieben Jahren war. Da hat sich nichts getan. Das müssen wir ändern.“

Der Ausbildungsbetrieb von St. Gereon an Haus Berg sei für ihn ein leuchtendes Vorbild — aber eben auch eine Ausnahme: „Es wird nicht überall so gedacht, wie sie hier denken. Ein Teil der Pflegelandschaft arbeitet ausschließlich gewinnorientiert“, sagte Karl-Josef Laumann. Und unterstreichend sagte er: „Ich habe das gesehen. Ich weiß, wovon ich rede.“

Man war beim Besuch des Ministers nicht in allen Fragen einer Meinung — was die Bewirtung anging, gab es freilich absoluten Konsens: Die in der hauseigenen Küche von Haus Berg vorbereiteten Canapés und anderen Leckereien fanden alle köstlich.

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