VHS-Meisterkonzert: Auch Adorno hätte Freude gehabt

Meisterkonzert : Auch Adorno hätte Freude gehabt

Das Hamburger Trio Adorno, das nach dem bekannten Philosophen benannt ist, gibt ein gelungenes Kammermusikkonzert in Erkelenz. Christoph Callies, Samuel Selle und Lionel Hinnrichs überzeugen ihr Publikum.

Zum 5. Meisterkonzert in der laufenden Saison hatte die VHS des Kreises Heinsberg in die Stadthalle Erkelenz eingeladen. Vor voll besetztem Haus gastierte das Trio Adorno mit Christoph Callies (Violine), Samuel Selle (Violoncello) und Lionel Hinnrichs (Klavier)  mit Werken von Ludwig van Beethoven, Elmar Lampson und Robert Schumann. Und um es gleich vorwegzunehmen: Mit dem Wort Begeisterung ist dieses Konzert nur unzureichend beschrieben.

Das in Hamburg beheimatete Trio entstand 2003 im Rahmen des Wettbewerbes „Jugend musiziert“. Seitdem hat es sich national und international einen Namen gemacht, wurde mit zahlreichen Preisen bei vielen Wettbewerben ausgezeichnet und eroberte mit seinem äußerst intelligenten Spiel immer wieder die Herzen seines Publikums. Das Repertoire der Musiker umfasst die gesamte Bandbrite der Klaviertrioliteratur, angefangen bei Joseph Haydn bis zu zeitgenössischen Komponisten.

Lionel Hinnrichs führte in die einzelnen Werke ein,  beschrieb die Musik des jeweiligen Komponisten und untermalte seine Erklärungen mit charakteristischen Beispielen auf dem Klavier.

Dass sich das Trio nach Theodor W. Adorno benannt hat, ist wohl kein Zufall: Einmal war Adorno  einer der führenden Philosophen des 20. Jahrhunderts, der als der Hauptvertreter der Frankfurter Schule die Ideen von Marx, Hegel und Freud weiterentwickelte und kritisch die Nachkriegsgesellschaft begleitete. Zum anderen ist wohl die Namengebung durch einen Philosophen auch ein Hinweis darauf,  dass  Musik  mehr ist als die Abfolge von Tönen. Und immer noch bedenkenswert ist Adornos Satz: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Das Konzert  begann mit  dem Trio Nr. 7 op. 97 B-Dur „Erzherzogtrio“ von van Beethoven. Bei seiner Uraufführung 1814 war der  Komponist schon taub. In den vier Sätzen seines Werkes zeigt sich ein Empfindungsreichtum, der vom Majestätischen über Humorvolles bis zum Volkstümlichen reicht. Wer das Werk mit seiner 40-minütigen Dauer hört, versteht, warum es zu einem der schönsten Kammermusikwerke gehört.

Nach der Pause folgten dann von Lampson Facetten für Klaviertrio. Der Präsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg lehrt dort als Professor für Komposition und Theorie. Sein durch manche Atonalität durchzogenes Werk durchbricht zwar normale Hörgewohnheiten, hat aber doch etwas Anziehendes und Berührendes an sich.

Das Konzert ging zu Ende mit dem Klaviertrio op. 110 g-Moll von Schumann. Dieses viersätzige Werk von großer  Kraft und tiefer Empfindung lässt kaum etwas ahnen von den psychischen Problemen die den Komponisten zeitlebens begleiteten.

Am Schluss gab es natürlich Blumen, lang andauernden und dankbaren Beifall  und als Zugabe von dem Boluslav Martinu  einen Satz aus dem dritten Klaviertrio.

Adorno, der ja auch ausführlich über Musik philosophiert hat, hätte sehr viel Freunde an „seinem“ Trio gehabt.

(ulla)