Verwaltung macht im Streit um Frauenberatungsstelle Kehrtwende

Wendung : Frauen bekommen Beratungsstelle im Kreis Heinsberg

SPD und Grüne setzen sich mit ihrem Antrag durch. Dr. Hanno Kehren, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Soziales des Kreises, freute sich, dass der Ausschuss bei der Debatte zur heiß diskutierten Frauenberatungsstelle am Ende doch wieder zur Versachlichung des Themas zurückgefunden hatte.

Betrachtet man die „historische“ Dimension, die die Entwicklung der Geschichte angenommen hat (wann hätte schon einmal die SPD die „Richtlinienkompetenz“ im Kreis an sich ziehen können), hätte die Reaktion der SPD-Fraktion noch weitaus schadenfroher ausfallen können, als es ein leichtes Grinsen in den Mundwinkeln von Norbert Spinrath, dem Vorsitzenden der Kreis-Genossen, darstellte.

Spinrath dankte der Verwaltung, dass sie nun doch noch aufgezeigt habe, wo der Hase im Pfeffer liege. Diese leicht süffisante Bemerkung Spinraths zog wiederum die Mundwinkel Daniela Ritzerfelds ein wenig nach unten. Wie es sich schon auf der Podiumsdiskussion der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und der Jusos in Übach-Palenberg abgezeichnet hatte, sieht es nun doch so aus, dass die von der SPD und den Grünen beantragte und im Kreistag zunächst abgelehnte Einrichtung einer Frauenberatungsstelle im Kreis Heinsberg kommen wird.

Land fördert Stelle

Schon bei der Podiumsdiskussion hatte die Sozialdezernentin des Kreises Heinsberg, Daniela Ritzerfeld, berichtet, dass die Fallzahlen bezüglich Häuslicher Gewalt im Kreis Heinsberg eine Frauenberatungsstelle im Kreis sinnvoll erscheinen lassen und dass das Land eine solche Beratungsstelle auch fördern würde – 1,5 Stellen zu 85 Prozent plus Sachkosten. Die Fallzahlen seien hoch und würden von Jahr zu Jahr steigen, erläuterte Ritzerfeld den Ausschussmitgliedern.

Würde die Kreispolizeibehörde bei ihren Einsätzen zur Häuslichen Gewalt, wie in anderen vergleichbaren Kommunen der Region üblich, die Daten der Opfer mit deren Einwilligung weitergeben, so Ritzerfeld, wäre die derzeit bestehende Frauenberatungsstelle (0,5 Stelle), die an das Frauenhaus des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer angegliedert ist, wohl überfordert.

Dezernentin Ritzerfeld hatte auf vier Din-A4-Seiten eine Tischvorlage für die Ausschussmitglieder erarbeitet, in der sie noch einmal alles aufgeführt hatte, was seit Aufkommen des Themas relevant erschien. Sie verzichtete im Ausschuss darauf, den Text vorzulesen. Ritzerfeld: „Da wären wir alle um einiges älter.“

Neue Informationen

Kurz zusammengefasst hatten im November 2018 die Fraktionen von SPD und Grünen den Antrag im Ausschuss für Gesundheit und Soziales gestellt, eine Frauenberatungsstelle mit entsprechender Fachkraft einzurichten. Dieser war, da von der Verwaltung lediglich die Fallzahlen der bestehenden Beratungsstelle benannt worden waren, schließlich mit CDU-Mehrheit abgelehnt worden. Im Nachhinein hatte sich jedoch ein anderes Bild ergeben. Es scheint, dass die bestehende Beratungsstelle bei den geschädigten Frauen, da sie auch nicht beworben wird, unbekannt ist und daher nicht aufgesucht wird.

Warum man nicht vor der Ablehnung des Antrages, einmal genauer hingeschaut hatte, hielten Karin Bonitz (SPD) und Dr. Christiane Leonards-Schippers (CDU) entgegen. Diese hatte geltend gemacht, man habe den Antrag nicht „barsch“ abgelehnt, sondern es hätten die Fakten gefehlt. Zudem hatte Leonards-Schippers von falschen Behauptungen gesprochen, die zur Eskalation der Diskussion beigetragen hätten. Karl-Heinz Röhrich forderte für die SPD, dass spätestens zur nächsten Sitzung des Ausschusses ein klares Konzept für eine Frauenberatungsstelle im Kreis Heinsberg von der Verwaltung vorgelegt werden müsse.

Ob am Ende der Kreis selber oder ein Freier Wohlfahrtsverband der Träger der Beratungsstelle werde, sei egal, so Röhrich. Wichtig sei, dass Frauen eine Beratung bekämen. Bei Letzterem dürften sich wohl alle Anwesenden einig sein.

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