Verschwendung von Steuergeldern? Fischtreppe für Raky Weiher in der Kritik

Verschwendung von Steuergeldern? : Eine Fischtreppe für Fische, die es gar nicht gibt

Nahezu drei Jahre dauerte die Revitalisierung des Raky Weihers, in dem Waldgebiet zwischen Arsbeck und Dalheim gelegen. Im Jahre 1903 hatte der Erkelenzer Bohrpionier Anton Raky einen großen Bereich des dortigen Waldes erworben. Neben einer Villa, die Raky errichten ließ, wurden zudem drei Teiche angelegt.

Insbesondere die örtliche Bevölkerung, aber auch zahllose Spaziergänger und Naturliebhaber erfreuten sich im Laufe der Jahrzehnte an dieser Idylle, die zur Muße und Erholung einlud. Doch mit dem Ergebnis der Revitalisierung sind nun offenbar nicht alle zufrieden.

Zu Beginn der 1990er Jahre drohte der nördliche der drei Weiher zu verlanden. Immer mehr Sediment, welches durch den im Weiher mündenden Helpensteiner Bach in den Teich gelangte, wurde abgelagert. Gleichzeitig war ein starker Rückgang des Schilfes, ein ständig kleiner werdender Lebensraum für seltene Wasservögel, zu verzeichnen.

Insbesondere Hugo Busch, Bewohner des angrenzenden Arsbecker Ortsteiles Büch, sorgte sich um den Erhalt des Raky Weihers. Er war es, der die Behörden auf den Zustand des Weihers aufmerksam machte.

Nachdem die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Heinsberg zu Beginn der 1990er Jahre eine Revitalisierung des Weihers ablehnte, besannen sich in den Folgejahren die Verantwortlichen der Stadt Wegberg und kamen zu dem Entschluss, Maßnahmen zum Erhalt des Weihers zu ergreifen.

Hugo Busch ist vom Ergebnis der Revitalisierung des Raky Weihers nicht begeistert. Foto: Günter Passage

Unter der Federführung der Stadt Wegberg wurde das IKS Ingenieurbüro für Kanal- und Straßenbau Niederhein GmbH sowie das Nettetaler Landschaftsplanungsbüro Lanaplan mit der Durchführung des Projektes beauftragt. Weiterhin beteiligt waren die Bezirksregierung in Köln, der Landesbetrieb Wald- und Holz, der Kreis Heinsberg sowie der Angelsportverein Arsbeck-Dalheim.

Mit dem Ablassen des Wassers und dem damit verbundenen Abfischen des Weihers wurden 1996 die ersten Maßnahmen ergriffen. Durch die Trockenlegung und die sogenannte Sömmerung starben Algen und Plankton. Der Schlamm wurde zum Teil mineralisiert. Geplant waren die Umlegung und Gestaltung eines neuen Bachbettes für den Helpensteiner Bach. Zudem wurde auf der gegenüberliegenden Seite des Weihers die Gestaltung einer mit 20 Stufen versehenen Fischaufstiegstreppe in die Planungen mit einbezogen.

Bevor die eigentlichen Arbeiten in Angriff genommen wurden, war zunächst die Erstellung unterschiedlicher Gutachten erforderlich. Die Finanzierung des gesamten Projektes lag unter der Gesamtleitung der Stadt Wegberg zu 80 Prozent bei Land und Bund.

Nach dem Abtragen einer etwa 50 Zentimeter hohen Schlammschicht wurde der neue Bachverlauf in Angriff genommen. Dieser befindet sich nun am nördlichen Ufer des Weihers. Mit der abgetragenen, zwischenzeitlich getrockneten Schlammschicht wurden die Uferböschung neu gestaltet und jenseits der Raky-Straße die Fischtreppe angelegt. Nach insgesamt drei Jahren der Bauphase kann der neu gestaltete Weiher in Kürze wieder geflutet werden.

Massive Kritik an der gesamten Neugestaltung des Raky Weihers übt nun Hugo Busch, der sich seit der frühesten Jugendzeit immer wieder zum Weiher und seiner Umgebung hingezogen fühlte. „Der neu gestaltete Weiher ist nahezu völlig isoliert, was bedeutet, dass kaum mehr Wasser in den Weiher fließen kann“, sagt er.

„Zum einen sind die Uferböschungen viel zu flach angelegt. Ein idealer Zustand für Fischreiher, die zukünftig durch die niedrigen Teichränder alle Möglichkeiten haben, den künftigen Fischbestand zu dezimieren. Durch die Isolierung des Weihers ist bei Hitzegraden wie im vergangenen Jahr aber auch eine Erwärmung des Wassers unabwendbar. Damit verbunden ist ein Sterben des Fischbesatzes,“ blickt der 73-Jährige in eine vermeintlich düstere Zukunft. „Wie sich bei Regen die Uferböschung verhält, bleibt abzuwarten. Bei dem weichen Grund besteht die Gefahr, dass der gesamte Böschungsbereich in den Teich gespült wird. Und was geschieht mit dem ehemaligen Badeweiher, der ebenfalls zu verlanden droht?“, fragt sich Busch.

Das Schlimmste aber sei laut Busch der nach seinen Informationen toxisch kontaminierte Schlamm, der sich im Weiher befand. Hier wäre es erforderlich gewesen, dieses Erdreich auf Sonderdeponien zu lagern. In nur fünfhundert Metern Entfernung befindet sich ein Trinkwasser-Schutzgebiet mit mehreren Trinkwasser-Brunnen. Und dann wird dieses giftige Erdreich für die Neugestaltung des Weihers weiterhin verwendet“, ereifert sich der Naturliebhaber.

Was Busch aber neben zwei weiteren Anwohnern des Weihers regelrecht die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist die neu angelegte Fischtreppe. „Seit den letzten fünfzig Jahren hat es im Helpensteiner Bach keine Fische mehr gegeben. Da wird für unendlich viel Geld eine Fischtreppe errichtet, die wohl nie ein Fisch nutzen wird. Zudem besteht das Ende dieser Treppe aus einem Rinnsal, das kaum Lebensraum für Fische bieten wird“, beklagt Busch die „Verschwendung von unendlich vielen Steuergeldern“. Aus „sicherer Quelle“ habe er erfahren, dass das gesamte Vorhaben zwischenzeitlich fünfzig Prozent mehr verschlinge, als ursprünglich veranschlagt.

Nach Auskunft von Frank Thies, Technischer Beigeordneter der Stadt Wegberg, stand die Verbesserung der Wasserqualität im unteren Bereich des Helpensteiner Baches im Vordergrund des gesamten Vorhabens. „Nach den Wasserrahmen-Richtlinien der EU war es erforderlich, den Verlauf des Baches, der in Folge toxischen Sediments belastet war, zu separieren. Im Vordergrund stand die Verbesserung der Wasserqualität. Entsprechend aller EU-Richtlinien wurden die anfallenden Arbeiten durchgeführt und alle EU-Vorgaben erfüllt. Durch Einhaltung aller Vorgaben war letztlich eine Förderfähigkeit durch die EU sowie von Bund und Land gegeben“, erläutert Thies, der die gesamte Maßnahme als sinnvoll bezeichnet.

„Um die EU-Fördergelder zu erhalten, war auch der Bau einer Fischtreppe eine von unterschiedlichen Vorgaben, an die wir gebunden waren“, weist Thies die Kritik der Anwohner des Raky Weihers zurück. Auch was die Mehrkosten des gesamten Projektes anbelangt, verweist der Technische Beigeordnete auf die Tatsache, dass während des gesamten Bauvorhabens unvorhersehbare Aufgaben sichtbar geworden seien, die laut Vorgaben hätten berücksichtigt werden müssen. „Letztlich dient alles der Verbesserung der Wasserqualität, die nach Abschluss sämtlicher Tätigkeiten auch voll erzielt wird“, ist Thies sicher.

Mehr von Aachener Nachrichten