Verkehrssituation in Myhl als schwach bewertet

Bürgerversammlung : Verkehrssituation als schwach bewertet

Wie bereits für die Wassenberger Innenstadt und für Ophoven will die Stadt Wassenberg jetzt auch für den Stadtteil Myhl gemeinsam mit den Stadtplanern der Aachener Planungsgruppe MWM und mit den Bürgern ein sogenanntes integriertes Handlungskonzept entwickeln. Es soll „als roter Faden für die zukünftige Entwicklung von Myhl Orientierung bieten und darüber hinaus auch Grundlage für die Einwerbung von Fördermitteln sein“, hatten Bürgermeister Manfred Winkens und Ortsvorsteher Rainer Peters in einem Brief an die Myhler Bürger geschrieben und sie zu einer ersten Präsentation der Planungsgruppe in das Pfarrheim eingeladen.

Die Fertigstellung der Bundesstraße 221n als Ortsumgehung von Wassenberg rücke immer näher und sei jetzt für den Sommer 2019 geplant. „Durch die neue Ortsumgehung ist auch für Myhl eine deutliche Verkehrsentlastung zu erwarten“, erklärte Peters und sah genau darin jetzt den geeigneten Zeitpunkt, den Ort mit seinen rund 2700 Einwohnern für die Zukunft positiv zu verändern. Wie die Gäste aus Aachen und Kämmerer Willibert Darius, der den erkrankten Bürgermeister vertrat, war er erstaunt, dass das Pfarrheim bei diesem ersten Treffen mit mehr als 120 Besuchern förmlich aus den Nähten platzte.

Auch Bernd Niedermeier, geschäftsführender Gesellschafter von MWM, definierte ein integriertes Handlungskonzept als einen „roten Faden“ für die weitere Entwicklung des Ortes, das nicht nur Maßnahmen plane, sondern auch ihre Wirkungen und ihre Wechselwirkungen mit anderen Projekten quasi vorausdenke. Neben der neuen Ortsumgehung werde die Abbindung der Sankt-Johannes-Straße in Höhe des Friedhofs für Automobile die stärkste Auswirkung auf die künftige Entwicklung des Ortes haben, erklärte er.

Nach einer ersten Recherche und einem Rundgang durch Myhl präsentierte er seine ersten Eindrücke. Myhl sei wesentlich städtischer geprägt als zum Beispiel Ophoven. Die 750-jährige Geschichte des Ortes sei ein wichtiger Punkt, ebenso wie ein reges Vereinsleben. Myhl erlebe derzeit einen Zuzug von Bürgern, sei also ein attraktiver Wohnort, worauf man aufbauen könne. Weiteres Charakteristikum sei eine starke Zunahme der Bewohner im Alter über 65 Jahren, erklärte er, während er eine alte Ansicht von Myhl aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte.

Das Sankhaas-Denkmal sah der Stadtplaner inmitten der parkenden Autos nicht in einem ihm würdigen Umfeld. Foto: Anna Petra Thomas

Mithilfe von Fotos schilderte er weitere Eindrücke, etwa die hohe Wohnqualität durch kurze Wege ins Grüne. Es gebe ein Netz von Fußwegen, allerdings mit Gestaltungsdefiziten. Diese sah er auch für den Ortsmittelpunkt mit Kirche und Pfarrheim, dem er gar eine „Übererschließung“ bescheinigte. Auch für die Grünfläche hinter dem Pfarrheim sah er Entwicklungspotenzial, etwa hin zu einem Spielplatz. Positiv bewertete er das Vorhandensein von Einrichtungen wie Kindergärten, Grundschule und Feuerwehr. Niedermeier präsentierte in einem weiteren Foto ein homogenes, „durchaus attraktives“ Fassadenbild, das ihm allerdings einen eher „kahlen“ Gesamteindruck geboten habe, wie er sagte. Vor allem sah er hier und da auch die Notwendigkeit zu Lückenschlüssen und zu Sanierungen. Ortsuntypische Fassadengestaltungen würden das Bild eher negativ beeinflussen, „aber es gibt auch ansprechende Beispiele“, sagte er. Das Parkraumangebot bezeichnete er als attraktiv, wenn darin auch das Sankhaas-Denkmal keine ihm würdig erscheinende Präsentation erfahre. Die gesamte Beschilderung im Ort fand er ob ihrer Vielfalt unübersichtlich. Der Einzelhandel sei kleinteilig noch vorhanden, mit wenig gastronomischen Angeboten.

Nach dieser ersten Übersicht bat er die Bürger, die von ihnen empfundenen Stärken und Schwächen auf grünen und roten Karten zu notieren und diese in vier Bereichen an Stellwände zu heften. Schwerpunkte waren Soziales, Standort, Ortsbild und Verkehr. Schnell wurde anschließend schon allein anhand der Menge der Karten deutlich, dass Myhl für die Bürger im sozialen Bereich sehr viele Stärken hat. Die Stellwand Verkehr war hingegen quasi „gepflastert“ mit roten Karten.

Im Laufe der anschließenden Diskussion mussten sich Darius und Peters teilweise sehr herbe Kritik anhören, von der Aussage, dass doch endlich auch für Myhl einmal etwas getan werden müsse bis hin zu der Aussage, das Ganze sei doch eine „Alibi-Veranstaltung“ mit vorgefertigten Planungen in der Schublade. Dem widersprachen die beiden jedoch ebenso wie Niedermeier vehement. „Der gesamte Prozess ist ergebnisoffen“, betonte Darius. Mehrfach nach der Höhe der Anliegerbeiträge gefragt, die bei einer Umgestaltung von Straßen auf die Bürger zukommen könnten, betonte Darius, dass es auch im Interesse der Stadt liege, möglichst jede Beitragspflicht zu vermeiden. „Und wir werden das im Vorfeld mit den Betroffenen erörtern, bevor es zur Festlegung von Bauprogrammen kommt. Darauf können Sie sich verlassen“, versprach er.

Bis 15. Januar haben die Myhler  noch Zeit, weitere Anregungen über die Stadt an die Planer zu übermitteln. Zu Jahresbeginn soll es dann ein zweites Treffen geben. Die Fertigstellung des Konzepts, in dem den Maßnahmen Prioritäten zugewiesen würden und das dann stufenweise in die Umsetzung gehen könne, sei für Mitte 2019 geplant. Erst dann könne man auch über Kosten sprechen, so Niedermeier.

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