Heinsberg-Oberbruch: Verein möchte Zentrum in Ruanda an Caritas übergeben

Heinsberg-Oberbruch : Verein möchte Zentrum in Ruanda an Caritas übergeben

Der Oberbrucher Hilfsverein „Wir für Ruanda“ wird sein Zentrum für geistig behinderte Kinder und für die Fortbildung von Lehrern in Heilpädagogik im Süden Ruandas an die dortige katholische Kirche oder an einen anderen kirchlichen Träger vor Ort übergeben.

Das hat die Mitgliederversammlung am Donnerstagabend im ehemaligen Wasserwerk in Oberbruch mit einer Enthaltung beschlossen. 41 der 210 Mitglieder nahmen an der Versammlung teil.

Grund für diese einschneidende Entscheidung ist, dass der Vorstand des Vereins sich nicht mehr in der Lage sieht, das Zentrum vor Ort im Sinne des Vereinszwecks selbst weiterzuführen. „Wir haben keine Kontrolle mehr, uns nimmt dort keiner mehr ernst“, brachte es Vorstandsmitglied Willi von Wirth auf den Punkt, der das Zentrum im Mai zusammen mit Dr. Bernd Bierbaum und Vorstandsmitglied Edith Mertens besucht hatte. „Alles, was man dort noch will, ist unser Geld. Die Kinder interessieren nicht“, erklärte er resigniert.

Anhand einer Recherche in den ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen hatte Bierbaum den Mitgliedern zuvor verdeutlichen können, was sich im Zentrum in den vergangenen Jahren anscheinend zugetragen hat. So war im Jahr 2013 in Ruanda ein lokaler Partnerverein gegründet worden, dessen Vorsitzende eine ehemalige Nonne war. Sie war zugleich Managerin des Zentrums. In diesem Verein hatte Bierbaum zunächst die Zukunft des 2011 gegründeten Zentrums gesehen, das den Plänen des deutschen Vereins zufolge auf mittelfristige Sicht sowieso in die Hände einer lokalen Organisation hätte übergeben werden sollen. „Es muss leben — aus der Bevölkerung“, so Bierbaum.

Allerdings scheint vor Ort im Zentrum in den vergangenen Jahren nicht alles so gelaufen zu sein, wie er und seine Mitstreiter in Oberbruch sich das vorgestellt haben. So habe er erfahren, dass die Vorsitzende vor Ort die 2013 erstellte Satzung für den Verein eigenmächtig zu ihrem Vorteil geändert habe und diese von der zuständigen Verwaltung habe genehmigen lassen, erläuterte er anhand eines Vergleichs von Textpassagen. Zudem habe sie auch die vertraglichen Vereinbarungen zwischen beiden Vereinen zu ihren Gunsten verändert. Weiterhin habe die Vorsitzende Schecks auf den Namen ihres Mannes ausgestellt, die aufgrund der verschwundenen Akten nicht überprüfbar seien, aber größtenteils doch in Baumaßnahmen des Zentrums geflossen sein dürften, erklärte Bierbaum.

Dass die Situation in Ruanda sich mittels der Aktivitäten der Managerin des Zentrums anscheinend in einem festgezurrten Netz aus Korruption aussichtslos verfangen hat, machte Edith Mertens deutlich, als sie davon berichtete, dass sie zusammen mit Bierbaum zu einem Gespräch in der höchsten regionalen Regierungsstelle einbestellt worden sei und sie beide dort regelrecht abgekanzelt worden seien. Sie berichtete sogar von einem tätlichen Angriff auf Bierbaum von einer der Managerin nahestehenden Mitarbeiterin im Zentrum selbst.

85 Prozent sind fertig

Dem Auftrag des Vorstands, das Zentrum zu schließen, sollte sich die skandalöse Situation vor Ort bestätigen, sei man im Mai jedoch nicht gefolgt, erklärten Bierbaum und Mertens. Zu groß sei die Sorge gewesen, dass staatliche Stellen das Zentrum dann einfach okkupiert hätten, um es für Militär, Polizei oder Ähnliches zu nutzen. So werde es derzeit nur mit den Jugendlichen in der Berufsförderung weitergeführt, bis es nun an die katholische Kirche und hier voraussichtlich an die Caritas übergeben werden könne, mit deren Leiter es bereits gute Gespräche gegeben habe, so Mertens.

Erschüttert über die Informationen waren die Mitglieder auf der einen Seite, auf der anderen aber auch zuversichtlich aufgrund der bisher geleisteten Arbeit. „Ich hätte gerne noch vier, fünf Jahre gemacht“, sagt Bierbaum. „85 Prozent des Zentrums sind jedoch geschafft.“ Eine Kindertagesstätte und eine Halle für Sport und Physiotherapie standen noch in seinem Plan.

Zuversichtlich ist Bierbaum jetzt bezüglich der Aussage der ruandischen Caritas, im Falle der Übernahme des Zentrums auch in Zukunft eng mit dem Verein in Oberbruch kooperieren zu wollen.

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