Wegberg: „Verbrennungen“: Der Zuschauer wird stark gefordert

Wegberg: „Verbrennungen“: Der Zuschauer wird stark gefordert

Schwere Kost zum Ende der Theatersaison im Forum Wegberg: Mit „Verbrennungen“ des Frankokanadiers Wajdi Mouawad gastierte die Konzertdirektion Landgraf in einem Stück, das sowohl höchste Anforderungen an die Konzentration der Zuschauer stellte als auch deren Gefühle bis fast zum Unerträglichen aufwühlte.

Das eigentliche Thema war der Krieg mit seinen Grausamkeiten und seiner Perversion des Menschlichen, und dies sowohl in der Geschichte als auch in unseren Tagen.

Der Autor selber hat die Schrecken des Krieges im libanesischen Bürgerkrieg in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfahren und ist mit seiner Familie vor ihnen nach Kanada geflüchtet. Er ist Schauspieler und Regisseur und hat mit seinen „Verbrennungen“ (der Seelen) ein Stück geschaffen, das bei aller dargestellten Barbarei in weiten Teilen auch sehr poetisch ist und an Grundfragen unserer Existenz rührt.

„Vielleicht werden wir die Würde retten können“, sagt eine der handelnden Personen angesichts all des Unheils, das der Krieg mit sich bringt, in dem auch Opfer zu Tätern und Täter zu Opfern werden.

Die Story, manchmal in ihren Zusammenhängen nicht sofort erkennbar, die sich erst später dem Zuschauer erschließen, erzählt von der Spurensuche eines Zwillingspaares, das nach und nach erfährt, in welch dunkle Vergangenheit es verstrickt ist. So ist der Vergewaltiger ihrer Mutter auch ihr Bruder, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen, die die ganze Barbarei des Krieges und der in ihn verwickelten Menschen illustrieren.

Überzeugend und intensiv

Und es ist kaum erträglich zu sehen, wie ein Soldat lustvoll tötet, für jedes seiner Opfer einen Strich macht und seine Strichliste überschreibt mit den zynischen Worten „Sorry Mom“ (Tut mir leid, Mutter). Auch ist mit dem Ende der Kriegshandlungen der Krieg nicht vorbei, es bleiben Traumata und biografische Narben, die wohl nie verheilen.

Die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler (Kristine Walther, Astrid Gorvin, Iris Boss, Ulf Schmitt, Cornelia Dörr, Carsten Klemm und Ulrich Westermann), die auch in mehreren Rollen zu sehen waren, verkörperten unter der Regie von Lydia Bunk in ihren Darstellungen nicht nur die jeweiligen Personen überzeugend und mit einer Intensität, die unter die Haut ging, sie zeigten auch eine hohe Sprechkultur.

Dabei wurde das Geschehen auf der Bühne durch ein Bühnenbild (Zoltan Labas) unterstützt, das mit seinen dunklen und bedrohlichen Granitmauern zusätzlich die oft bedrückende Atmosphäre verstärkte.

Der an „normales“ Theater gewohnte Zuschauer musste sehr schnell umdenken angesichts der oft verstörenden Vorkommnisse auf der Bühne und ihrer adäquaten Umsetzung.

Und der lang anhaltende Beifall am Ende des Stückes mit mehreren Vorhängen bezog sich sicher nicht auf den Inhalt des Stückes, sondern auf die hervorragenden Leistungen der Schauspieler und Schauspielerinnen.

(hl)