Hückelhoven: Veränderung im Bistum Aachen: „Wir werden diskutieren, ringen und beten“

Hückelhoven: Veränderung im Bistum Aachen: „Wir werden diskutieren, ringen und beten“

Es ist Zeit, etwas zu ändern. Offenbar sieht das auch Bischof Helmut Dieser so. Er hat einen Veränderungsprozess im Bistum Aachen angestoßen. Und dabei sollen die Gläubigen ein Wörtchen mitreden. So auch am Donnerstagabend, als Dieser unter dem Motto „Heute bei dir“ an Schacht 3 der ehemaligen Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven zu Gast war.

Dieser, Weihbischof Karl Borsch und Generalvikar Andreas Frick wollten mit Menschen aus der Heinsberger Region zu Abend essen, vor allem aber mit ihnen reden, ganz persönlich.

Und so hatte die ganze Veranstaltung über mehr als vier Stunden lang etwas von der Atmosphäre eines Speed-Datings, wie man es inzwischen nicht nur in der Partnersuche, sondern auch von Veranstaltungen für Berufsbewerber kennt. Im Rhythmus von jeweils zehn Minuten wechselten die drei Geistlichen von einem zum anderen der 14 Tische für die mehr als 100 Teilnehmer, begleitet von Mitgliedern der Lenkungsgruppe und des Koordinationsbüros dieses Veränderungsprozesses für die Kirche im Bistum Aachen.

An den Beginn dieses Prozesses hat der Bischof das persönliche Gespräch gestellt, in dem er möglichst viele Menschen im Bistum erreichen will, im ganz kleinen Kreis am heimischen Küchentisch oder im Rahmen größerer Veranstaltungen an ungewöhnlichen Orten. Das Treffen in Hückelhoven für die Region Heinsberg war das sechste. Noch folgen werden die Eifel mit einer Schifffahrt auf dem Rursee und Mönchengladbach mit einer Veranstaltung im Stadion zum WM-Finale.

Schon gleich nach seiner Ankunft traf dieser an Schacht 3 Detlef Stab, den Vorsitzenden des Fördervereins Schacht 3, und dessen Stellvertreter Ludwig Gurniak. Stab hatte dem Bischof alte Fotos mitgebracht, um ihm den Kampf der Bergleute um ihre Zeche zu verdeutlichen, in der 1997 die letzte Kohle gefördert wurde. Stab erinnerte an das Pontifikalamt, das Bischof Klaus Hemmerle im November 1991 mit den Bergleuten im Aachener Dom gefeiert hatte.

Es gelte, eine neue Gestalt von Kirche, eine neue Form der Verkündigung zu entwickeln, sagte Dieser. Dafür sei es wichtig, sich auszutauschen. „Wir werden diskutieren, ringen und beten und auf einmal wird es da sein“, sagte er. Die Frage, die zu klären sei, laute: „Wo geht das zwischen die Ritzen durch, wo unter die Haut?“

„Missionarische Kirchengestalt“

Während Eltern und Großeltern noch quasi hineingewachsen seien in ihren Glauben, habe sich dieses Selbstverständnis heute aufgelöst. Es gelte herauszufinden, wie Menschen heute Zugang zur Botschaft Jesu finden könnten. Dies sei sicherlich ein langwieriger Prozess, der viel Geduld erfordere und so etwas wie eine „missionarische Kirchengestalt“ habe, erklärte er. Viele Menschen hätten derzeit eine positive Grundposition. „Aber in der Art und Weise, wie wir pastoral unterwegs sind, tauchen sie nicht mehr auf.“

Was die ersten fünf Veranstaltungen in anderen Regionen betreffe, sei er überrascht gewesen, wie konkret die Themen seien, die von den Teilnehmern dort angesprochen worden seien, sagte der Bischof und setzte sich an den ersten Tisch, wo er zuerst mit Michaela Neumeyer und ihrem Sohn Lars aus Doveren ins Gespräch kam. Vielfach drehten sich die Unterhaltungen um die Frage, wie es gelingen könne, junge Menschen wieder für Kirche zu begeistern. „Der Hunger nach Spiritualität ist da. Die Leute suchen überall, nur nicht bei uns“, sagte Dieser. „Wir müssen dahin gehen, wo der Bär tanzt“, stellte er fest und fragte überspitzt: „Aber wo sind wir? In Einkaufszentren, im Internet?“

Der Abend habe allen einen Geschmack dafür gegeben, um was es gehen werde im Prozess der Veränderung. „Ich ahne, dass es nicht einfach wird“, lautete das Fazit Diesers, bevor er nach viereinhalb Stunden intensiver Gespräche noch ein Gebet sprach.

Die Ergebnisse der Gespräche sollen nun in den weiteren Prozess einfließen. Was Dieser, Frick und Borsch konkret mitnehmen und wie sie es gewichten, blieb für die Teilnehmer an diesem Abend jedoch offen.

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