Beratung : Wer ist pflegebedürftig? VdK führt durch den Pflege-Dschungel

Sich beim Thema Pflege und Pflegearbeit zurechtzufinden, ist nicht leicht. Unter dem Titel „Pflegearbeit – Wer ist bedürftig, wer ist berechtigt?“ hatten die VdK-Ortsverbände Oberbruch, Dremmen, Waldenrath, Waldfeucht, Haaren, Braunsrath, Kirchhoven, Karken und Heinsberg deshalb zu einer Infoveranstaltung in die Festhalle Oberbruch eingeladen.

Den Ausführungen der Referenten Marion Peters (Caritas-Heinsberg), Jürgen Köllmann (Seniorenbeauftragter des Kreises Heinsberg) und Gerda Hermes (Trägerunabhängige Beratung für Pflegefälle beim Kreis Heinsberg) folgten mehr als 100 Interessierte.

Die Leiterin der Abteilung Gesundheit & Pflege der Caritas-Heinsberg informierte die Teilnehmer ausführlich zum Thema „Das Pflegegesetz“. Im Mittelpunkt ihrer Ausführungen standen die Veränderungen des Gesetzes zum 1. Januar 2017. Neu seit diesem Zeitpunkt seien das Begutachtungsverfahren (NBA) und die damit verbundene Einteilung in fünf Pflegegrade. Zudem werde kein Unterschied mehr zwischen körperlicher oder psychischer Einschränkung gemacht.

Das Begutachtungsverfahren messe den Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit. Die Einteilung in die Pflegegrade 1, 2, 3 oder 4 (geringe, erhebliche, schwere und schwerste Einschränkung der Selbstständigkeit) gelten als Basis für den Erhalt von unterschiedlichen Pflegeleistungen. Der Pflegegrad fünf werde vergeben, wenn zusätzlich besondere Anforderungen an die pflegerische Versorgung hinzukommen. Als Bewertungsmaßstab gelten die Kriterien: selbständig sein, überwiegend selbständig sein, überwiegend unselbständig und unselbständig sein. Insgesamt werden acht Fähigkeiten abgefragt und gewertet: Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeit, psychische Probleme, Selbstversorgung, Umgang mit Krankheiten, Gestaltung des Alltags und soziale Kontakte und beim Leben in den eigenen Räumen außerhäusliche Aktivitäten und Haushaltsführung.

Die jeweilige Pflegegrade umfassen Pflegesachleistungen. Das sind beim Pflegegrad (PG)1 Sachleistungen in Höhe von 125 Euro, beim PG2 in Höhe von 689 Euro,  1298 Euro bei PG3, Sachleistungen bei PG4 in Höhe von 1612 Euro und beim PG5 in Höhe von 1995 Euro. Ergänzt würden die Leistungen noch durch Pflegegeld, wenn Anspruchsberechtigung in den Pflegestufen zwei bis fünf bestünde.

Anhand der Ausführungen wurde schon klar, dass die gesamte Thematik nicht ohne Beratung zu verstehen sei. Alle Sozialverbände wie auch die Caritas, die in der Pflege tätig seien, hätten auch Beratungsstellen, die in Anspruch genommen werden könnten.

Wer eine Trägerunabhängige Beratung in Anspruch nehmen wolle, könne dies bei der Pflegeberatungsstelle des Kreises Heinsberg tun. Die Referenten Gerda Hermes und Jürgen Köllmann – auch die dortigen Ansprechpartner – stellten ihre Beratungsarbeit vor. Alle Bereiche, die mit einer notwendigen Pflege zu tun haben, gehören zum Beratungsumfang. So kann Hilfestellung gegeben werden, wenn ein Begutachtungsverfahren (NBA) bevorsteht, aber auch wenn die Heimnotwendigkeit festgestellt werden soll. Ebenso beraten Hermes und Köllmann, wenn die Frage geklärt werden soll, wie die baulichen Umstellungen in den eigenen Räumlichkeiten (Wohnbauberatung) bewältigt werden können. Vor allem aber auch, wie die jeweilige Maßnahme finanziert werden kann. Dazu gehören alle Felder des eigenen Vermögenseinsatzes (Was tun, wenn die Rente nicht ausreicht zur Pflegefinanzierung oder zur Heimunterbringung? Wie viel Erspartes bleibt mir erhalten? Muss ich mein Haus einsetzen und wird es verkauft?) bis hin zu den Sozialhilfeleistungen, die beansprucht werden können.

Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen im Kreis Heinsberg betrage aktuell 10.100 Fälle. Für 2020 seim mit 11.400, für 2025 mit 12.300 und 2030 mit 13.300 Fälle zu rechnen.

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