Geilenkirchen/Heinsberg: Urteil im Fall Helmut D.: Drei Jahre Haft für den Angeklagten

Geilenkirchen/Heinsberg: Urteil im Fall Helmut D.: Drei Jahre Haft für den Angeklagten

Das Schöffengericht am Amtsgericht Geilenkirchen hat das Urteil im Prozess gegen den Oberbrucher Helmut D. gesprochen, dem versuchte Vergewaltigung und mehrere, teilweise schwere Körperverletzungen vorgeworfen wurden.

Kurz vor der Urteilsverkündung hatte Helmut D. nach den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und seines Verteidigers, während des sogenannten „Letzten Wortes“ erstmals während des gesamten Prozesses eine Gefühlsregung gezeigt. „Es tut mir leid, dass ich in manchen Situationen wohl überreagiert habe, aber ich kann nichts gestehen, was ich nicht getan habe.“ Dies brachte er noch gefasst über die Lippen, doch dann übermannten ihn fast die Tränen.

Vier Monate in Untersuchungshaft

„Ich möchte endlich wieder meinen kleinen Sohn sehen“, sagte er und bezog sich auf seine bereits über vier Monate andauernde Untersuchungshaft, die durch Haftbefehl vom 6. März verhängt wurde, nachdem ein zweiter Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung angezeigt wurde. Zu diesem Zeitpunkt lief bereits ein Ermittlungsverfahren gegen den Angeklagten wegen versuchter Vergewaltigung und Körperverletzung.

Am Ende fiel das Urteil für Helmut D. alles andere als günstig aus: Zu drei Jahren Haft und 2250 Euro Schmerzensgeld, zu zahlen an seine Ehefrau, verurteilte das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Thomas Schönig den Angeklagten und hielt sich dabei exakt an die Forderung der Staatsanwältin. Diese sah bei dem Angeklagten eine „stark frauenfeindliche Tendenz“ und einen „Hang zur Gewalt.“

Nach der Überzeugung des Gerichts waren folgende Handlungen des Angeklagten als erwiesen abzuurteilen:

Helmut D. hatte seinem damaligen minderjährigen Schwager Alexander D. zweimal Amphetamine zum eigenen Verbrauch in geringen Mengen überlassen. Dieser wurde dadurch aber keineswegs an den Drogenkonsum herangeführt, sondern betrieb diesen bereits regelmäßig. Das Gericht nahm daher einen minder schweren Fall an.

Im August 2008 schlug Helmut D. seiner späteren Ehefrau Patricia D. bei einer Eifersuchtsszene ein „Veilchen.“ In einem ähnlich gelagerten Fall einer Auseinandersetzung hat der Angeklagte im Jahre 2011 seiner im siebten Monat schwangeren Frau in den Bauch getreten. Das Gericht unterstellte dabei keine Schädigungsabsicht, hatte aber den Umstand der fortgeschrittenen Schwangerschaft als erschwerend bewertet.

Als die bereits getrennt lebenden Eheleute im selben Jahr erneut in einen Eifersuchtsstreit gerieten, würgte Helmut D. sein Opfer so lange, bis es ohnmächtig wurde und er es wiederbeleben musste. Dessen Einlassung, er sei vorher minutenlang von Patricia D. geschlagen worden und habe erst rot gesehen, als diese drohte, er sähe seinen Sohn nicht wieder, verwarf das Gericht als nicht glaubhaft. „Sowas habe ich überhaupt noch nie gehört“, äußerte sich Richter Thomas Schönig dazu.

Widerstand des Opfers brechen

Neben diesen Taten sah das Gericht auch als erwiesen an, dass Helmut D. im Januar 2012 in die Wohnung von Patricia D. eindrang, die Tür verschloss, den Schlüssel abbrach und versuchte, seine Noch-Ehefrau zu vergewaltigen. Dazu kam es nur nicht, weil er keine Erektion bekam. Aber es verblieb der gleich zu bestrafende Tatbestand der „Sexuellen Nötigung.“

Hierzu setzte der Angeklagte nach Überzeugung des Gerichts ganze drei Mal an. Um den Widerstand seines Opfers zu brechen, überstreckte er zusätzlich dessen Arme über die Sofakante hinaus und biss ihm ins Gesicht.

Noch während das Ermittlungsverfahren wegen der vorgeschilderten Taten lief, hat Helmut D. — so ist sich das Gericht sicher — gegenüber der Zeugin Nadine F. im Januar 2013 äußerst ähnlich gelagerte Taten begangen. Bei einem Übernachtungsbesuch der Zeugin kam es zu einem Streit, in dessen Verlauf der Angeklagte in Wut geriet, Nadine F. auf das Bett warf und sich auf deren Oberschenkel setzte. Er schlug ihr ins Gesicht, so dass sie eine Hals-, und Nackenprellung erlitt. Nadine F. verbiss sich in Helmut D.‘s Unterarm, bis sie Blut schmeckte und rief um Hilfe. Daraufhin würgte der Angeklagte auch dieses Opfer zur Ohnmacht.

In Handschellen zurück in die Haft

Hier merkte das Gericht in der Urteilsbegründung an, dass es nach Schilderung der Zeugen ein in seinen Augen besonders verabscheuungswürdiges „Nachtatverhalten“ des Angeklagten gegeben habe. Dieser ließ zwar von Nadine F. ab und ließ sie die Wohnung verlassen, habe sich aber, statt Reue zu empfinden, mit einer Freundin über die Umstände des Geschehens lustig gemacht.

Helmut D. wurde nach der Urteilsverkündung wieder in Handschellen zurück in Haft verbracht. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Claus Wallrafen aus Heinsberg, gab an, er werde das Urteil intensiv prüfen, sobald es in Schriftform vorliege, könne sich aber gut vorstellen, dass hier Berufungsgründe vorlägen.

Eine Berufung kann sich auch alleine gegen die Höhe der Strafe richten, ohne dass die vorgeworfenen Taten an sich bestritten werden. Sein Verteidiger hatte für Helmut D. um eine Bewährungsstrafe gebeten — die ist jedoch von einem Strafmaß von zwei Jahren Freiheitsentzug an nicht mehr möglich.

(Rei)
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