Unfallstatistik im Kreis Heinsberg: So wenig Verletzte wie nie zuvor

Unfallstatistik im Kreis Heinsberg : So wenig Verletzte wie nie zuvor

Die Zahl der Verkehrsunfälle ist im Kreis Heinsberg zwar gestiegen, doch sind dabei weniger Menschen verletzt worden. Radfahrer sollen künftig stärker in den Fokus der Polizei rücken.

Deutlich mehr Unfälle, die aber mit weniger Verletzten – das ist die Essenz der Verkehrsunfallstatistik für den Kreis Heinsberg, die die Kreispolizeibehörde am Mittwoch vorgestellt hat.

Die erfreulichste Entwicklung, die sich in dem Zahlenwerk versteckte, verkündete Heinrich Kaumanns, Leiter der Direktion Verkehr, gleich zu Beginn. „Noch nie ist die Zahl der Schwerverletzten mit 143 bei Verkehrsunfällen so niedrig gewesen wie 2018.“ Man habe verglichen  – und bis in die 70er Jahre hinein keinen so niedrigen Wert gefunden. 820 Unfälle mit Personenschaden ereigneten sich 2018. Das sind noch einmal 26 weniger als im Vorjahr. „Wir führen das auf unsere präventive Arbeit, die Verkehrserziehung an Schulen und Kitas und den erhöhten Kontrolldruck zurück“, betonte Andreas Bollenbach, Leiter der Abteilung Polizei.

Doch wo Licht ist, findet sich bekanntlich auch eine Schattenseite. Wie in den vergangenen Jahren haben auch 2018 bei Verkehrsunfällen insgesamt 13 Menschen auf den Straßen des Kreises ihr Leben gelassen: In sieben Fällen wurden die Insassen eines Autos getötet, zudem kamen drei Motorradfahrer, ein Fußgänger, ein Radfahrer und der Fahrer eines Pedelecs ums Leben. Auch die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent von 7049 auf 7442. „Der Anstieg ist auf 374 Unfälle mit Sachschaden zurückzuführen“, versuchte Kaumanns zu relativieren.

Für den erkennbaren Anstieg der Unfälle gibt’s Gründe. Einige davon sind ganz klar messbar: Geschwindigkeit und Alkoholeinfluss. Zu schnelles Fahren und das Rasen über die Straßen der Region sind immer noch Hauptursache für Verkehrsunfälle – 2018 führte überhöhte Geschwindigkeit zu 198 Unfällen, immerhin 20 weniger als im Vorjahr.

Durch Drogen und Alkohol am Steuer wurden 55 Unfälle verursacht, das ist ein Anstieg um vier Fälle. Eine weitere Unfallursache, weniger gut messbar, dafür nicht weniger real, ist das Telefonieren, WhatApp-Tippen und Mails lesen während der Fahrt. „Das sind vermeidbare Ursachen“, sagt Heinrich Kaumanns. Deshalb setzt die Behörde weiterhin auf eine Mischung aus Prävention auf der einen Seite und Repression insbesondere durch Geschwindigkeitsmessungen auf der anderen.

Beim genaueren Blick in die Kommunen des Kreises Heinsberg zeigt sich, dass die vier größten Städte die meisten Verkehrsunfälle aufweisen. In Erkelenz verzeichneten die Beamten eine Steigerung um 32,3 Prozent. Sichere Erklärungen dafür gebe es nicht, erklärte Kaumanns, denn ein Unfallschwerpunkt sei nicht auszumachen. Vielmehr vermute man veränderte Verkehrsströme durch diverse Baustellen und die Großbaustelle Wanlo, die zu einem erhöhten Unfallaufkommen führten.

Einen Höchststand der letzten fünf Jahre markieren auch die 1790 registrierten Fälle von Unfallflucht. Das sind 76 mehr als im Vorjahr. „Die Aufklärungsquote lag dabei bei 43 Prozent – wenn Personen verletzt wurden, konnten immerhin 71,4 Prozent der Taten geklärt werden“, so Kaumanns.

„Unfälle passieren nicht, sie werden verursacht“, erklärte Kaumanns und verwies darauf, dass in jedem vierten der 820 Unfälle mit Personenschaden auch Radfahrer involviert waren  – und in vielen Fällen sogar Verursacher waren. Die sollen künftig stärker in den Fokus von Kontrollaktionen rücken. „Fehlverhalten muss auch bei Radfahrern mehr Konsequenzen haben“, sagte Kaumanns und kündigte schärfere Kontrollen an.

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