Erkelenz-Kückhoven: Umwelt-Aktivisten haben ihre Zelte aufgeschlagen

Erkelenz-Kückhoven: Umwelt-Aktivisten haben ihre Zelte aufgeschlagen

Eigentlich sollte das Klimacamp stilecht in Borschemich (alt) stattfinden. Letztendlich musste man aber auf den städtischen Bolzplatz am Laheypark ausweichen.

Doch ein Erfolg war es nach dem zähen Ringen trotzdem für die Organisatoren — einem Bündnis aus BUND-Jugend NRW, Attac, der Gruppe „ausgeCO2lt“ und der Wanloer Initiative „Das gelbe Band“. Lange hatte man nach einem Veranstaltungsort gesucht — und war oft in letzter Minute abgewiesen worden. Ob das Netzwerk des Energieunternehmens RWE Power eingesetzt wurde, möchte Alfred Emilio Weinberg von der Kölner Attac-Gruppe nicht spekulieren.

Auf den Bolzplatz sei man schließlich gekommen, nachdem das Camp als politische Versammlung bei der Kreispolizeibehörde angemeldet und dem Antrag am Dienstag stattgegeben worden war. Allerdings betraf dies nur die Versammlungs- und Gemeinschaftszelte. Die Genehmigung musste bei der Stadt Erkelenz als Grundstückseigentümer eingeholt werden, da „die Schlaf-Frage nicht veranstaltungsrelevant“ sei, wie Weinberg betont. Die Stadt wertete das Versammlungsrecht jedoch als hohes Gut und entschied pragmatisch nach dem Motto „Wenn sie da sind, dann sind sie da“.

Beim Ortstermin am Samstag waren schon rund hundert Teilnehmer da. „Von Gesamtzahlen zu sprechen ist schwierig, da immer wieder Leute kommen und gehen“, hieß es von einem der Organisatoren. Mit von der Partie war zum Beispiel „Tim“, der seinen wahren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Tim ist zum Camp in Erkelenz mit dem Shuttle-Service gereist, der zwischen dem Hambacher Forst und dem Klimacamp am Erkelenzer Bolzplatz eingerichtet worden ist. Seit rund einem Jahr wohnt Tim im Hambacher Forst in einem Baum — mit einer kleinen Unterbrechung im März, als der Forst von der Polizei geräumt worden war. Doch mittlerweile sei er wieder „im Baum“, betont der junge Mann. Ihm sei der aktive Widerstand wichtig, betonte er im Gespräch. Das Thema Braunkohle hat er vor rund einem Jahr entdeckt. Es passe in das Gesamtkonstrukt, unterstrich er. Denn auch der Wandel sei nur gesamtgesellschaftlich zu erreichen. Dafür hat er seinen Job im Karosseriebau an den Nagel gehängt und lebt jetzt im Baum.

Die Klimacamp-Teilnehmer stammen aus ganz Europa und sogar aus Korea. Alle eint das Engagement gegen den Klimawandel und den CO2-Ausstoß.

Auf dem Klimacamp, das bis Anfang August immer wieder zu neuen Aktionen und Workshops einlädt, wird einiges los sein. Am Mittwoch werden die Klimacamper die Teilnehmer der Tour de Natur zu Gast haben. Die sind bis Mitte August in NRW unterwegs, um für ein Umdenken im Umgang mit Energie werben. Aber auch ganz „praktische“ Übungen werden angeboten. In einem Flyer der Gruppe „Kohleausstieg ist Handarbeit — Klimabewegung in Aktion“ wird angekündigt, man wolle am Freitag, 1. August, die Infrastruktur im Rheinischen Braunkohlerevier „mit gemeinschaftlichen Sitzblockaden oder in Kleingruppen“ blockieren. Dieser Aktionstag werde allerdings nicht vom Klimacamp organisiert, betonte Weinberg.

Antikohle-Bewegung aufbauen

Man wolle dazu beitragen, eine Antikohle-Bewegung aufzubauen, erläuterte Dorothee Häußmann am Samstag bei einem Ortstermin. Die ehemalige Lehrerin engagiert sich heute als Umweltpädagogin in der Erwachsenenbildung. „Kohle boomt, Deutschland hat steigende Emissionswerte“, lautet ihr Fazit der angeblichen Energiewende.

Es liegt also noch ein weiter Weg vor der neuen Antikohle-Bewegung, die sich nach Ansicht der Aktivisten gerade erst im Anfangsstadium befindet. Schon wird vom „nächsten Wendland“ geträumt. Und das nicht nur in der eigens ausgewiesenen „Drug free zone“. Man darf gespannt sein.