Uhu-Familie wohnt jetzt im Selfkantdom in Heinsberg

Aus dem Nest gefallen : Uhu-Familie wohnt jetzt im Selfkantdom

Eine Vogelart, die vor einigen Jahrzehnten in Deutschland fast ausgestorben wäre, hat jetzt auch hoch oben im Turm des Selfkantdoms eine neue Heimat gefunden. Die Uhu-Mama wählte für sich und ihre Jungen ihr Zuhause dort, wo Naturschützer vor zehn Jahren ein Nest für Wanderfalken geschaffen hatten.

„Das ist eine Überraschung!“, freut sich Bernd Bäumer, Hobby-Ornithologe aus Effeld, der sich nicht nur im Nabu, sondern auch in der in Bad Münstereifel ansässigen Gesellschaft zur Rettung der Eulen engagiert.

Erste Bekanntschaft mit Menschen machten die neuen, gefiederten Heinsberger, als einer der jungen Uhus aus dem Nest fiel und am Rand des Kupferdachs in der Regenrinne landete. Ein Vermessungsingenieur, der gerade oben auf dem Kirchberg zu tun hatte, informierte Propst Markus Bruns, dieser wiederum suchte Rat bei Alexander Reiners, Leiter des Heinsberger Ordnungsamts. Schnell machten sich dann Wilfried Oidtmann und Daniel Florack, beide hauptamtliche Mitarbeiter der Heinsberger Feuerwache, mit der Drehleiter auf den Weg zur Kirche, die damit zum ersten Mal dort oben im richtigen Einsatz zu sehen war.

Oidtmann selbst barg in rund 20 Meter Höhe den jungen Uhu, der schon eine ganz schöne Flügelspannweite aufwies. An die Hühnerhaltung bei seinen Eltern habe er sich erinnert, erzählt Oidtmann, so auch die langen Flügel des jungen Uhus gehalten und ihn durch den Turm der Kirche wieder in sein Nest getragen. Eigentlich würden junge Uhus von ihrer Mutter auch weiter gefüttert, wenn sie aus dem Nest gefallen seien, weiß auch er. Zu gefährlich erschien es ihm jedoch für den jungen Vogel, ihn dort in der Regenrinne zu belassen, denn ein Sturz hätte ihn rund 20 Meter in die Tiefe befördert.

Mithilfe der Feuerwehr-Drehleiter hat Wilfried Oidtmann den jungen Uhu vom Dach geholt. Foto: Markus Bruns

Inzwischen hat auch Bäumer die junge Familie im Kirchturm besucht und sich davon überzeugt, dass es der Mama und den zwei jungen Uhus, die bei ihr im Nest sind, gut geht. 2009 habe man dieses 50 Zentimeter breite und 1,20 Meter lange Nest als sogenannten Falkenkasten in einer vorhandenen Nische des Mauerwerks geschaffen, erzählt er. Mit einer Klappe wurde die Nische von hinten verschlossen, vorne kam ein Anfluggitter für die Vögel davor. Von da an sei sie kontinuierlich von Turmfalken genutzt worden, 2017 einmalig auch von einem Wanderfalken.

Das Rurtal sei in früheren Jahrzehnten eigentlich keine Brutstätte für Uhus gewesen, weiß Bäumer weiter zu berichten. Die Voreifel war eher ihr Revier. Um den Uhu dort wieder ansässig zu machen, hätten zoologische Gärten aus ganz Europa, „von Stockholm bis Rom“ in den 1970er- und 1980er-Jahren ihren Nachwuchs zur Verfügung gestellt. Diesen habe man hauptsächlich in der Eifel ausgesetzt. Heute komme der Uhu jedoch auch im Kreis Heinsberg vor, in etwa zehn bis 15 Revieren, „zum Beispiel in der Teverner Heide, eigentlich in jedem Gemeindegebiet“, sagt er.

Ganz skeptisch beäugen die beiden jungen Uhus ihren Betrachter, der sich durch den Kirchturm auf den Weg zu ihrem Nest gemacht hat. Foto: Bernd Bäumer

Anders als bei vielen Tierarten hätten Uhu-Weibchen kein Problem damit, ein Jungtier wieder anzunehmen, wenn es von einem Menschen angefasst worden sei, erklärt Bäumer weiter. Auch wenn das Uhu-Junge von seiner Mütter draußen auf dem Dach weiter gefüttert worden sei, lobt er die Rettungsaktion von Oidtmann und seinem Kollegen. „Es ist doch gut, wenn Leute sich kümmern. Da sind wir immer ganz froh!“, betont er.

Das neue Vorkommen von Uhus auch in der hiesigen Natur bewertet er ebenfalls positiv. „Uhus sind ein ganz wichtiger Regulator in unserer Natur“, erklärt er. „Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass die Krähen nicht überhand nehmen.“ Ihre Hauptbeute seien zudem Ratten. Manchmal falle ihnen auch ein Igel zum Opfer, „aber so ist halt die Natur. Es ist am besten, wenn die Natur das regelt.“ Vor allem hofft Bäumer, dass sich der Uhu in seiner neuen Kirchturm-Heimat wohlfühlt. „Er bleibt, so lange er Nahrung hat“, sagt Bäumer.

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