Hückelhoven: Traum von Veranstaltungsarena in Hückelhoven geplatzt

Hückelhoven : Traum von Veranstaltungsarena in Hückelhoven geplatzt

Die Enttäuschung bei Bernd Jansen saß so tief, dass er fast sarkastisch wurde: „Nehmen wir‘s sportlich: Mund abwischen — und weiter geht’s !“ Was Hückelhovens Bürgermeister und ganz offenbar auch die Stadtverordneten quer durch die Fraktionsbänke so stark berührte, war ein Schreiben von Andreas Pinkwart (FDP), dem nordrhein-westfälischen Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie.

Der hatte den Hückelhovenern darin mitgeteilt, dass er für das Projekt einer Arena für 2500 bis 3000 Menschen unter dem Förderturm an Schacht 3 die Fördergelder des Landes gestrichen hat. Damit ist das Prestigeprojekt, mit dem die Stadt die zweite Phase der Umstrukturierung nach der Schließung der Zeche Sophia-Jacoba 1997 einläuten wollte, gestorben. „Es wird keine Zuschüsse des Landes geben und damit ist klar, dass wir die Veranstaltungsarena nach vorliegendem Ratsbeschluss, der an diese Bewilligung geknüpft war, nicht bauen werden“, erklärte Bernd Jansen im Hauptausschuss unter dem Tagesordnungspunkt „Mitteilungen“.

Schmerzender Rückschlag

Hückelhoven hat offenbar kein Glück mit Ministern der FDP: Der frühere Bundeswirtschaftsminister Jürgen W. Möllemann spielte eine unrühmliche Rolle bei der Zechenschließung Ende des vergangenen Jahrhunderts; und jetzt ist es mit Andreas Pinkwart wieder ein Freidemokrat, der als Minister für Digitalisierung die ehemalige Kohlestadt im Regen stehen lässt.

„Wir haben in den 20 Jahren des Strukturwandels hier bisher viel in eigener Verantwortung und selbstständig geleistet und in überzeugender Weise gezeigt, was wir können, wenn wir gewaltige Herausforderungen zu bewältigen haben“, sagte Bernd Jansen am Mittwochabend im Ausschuss. „Umso mehr schmerzt jetzt dieser Rückschlag.“

Die Hälfte des rund 16 Hektar großen Zechengeländes ist seit der Schließung von Sophia-Jacoba 1997 erfolgreich revitalisiert worden, für die künftige Nutzung der verbleibenden restlichen acht Hektar rund um den Förderturm an Schacht 3 wurde 2010 ein Masterplan entworfen. „Ein zentrales Projekt dabei war die Arena. Dafür hat man uns sowohl von der Landes- als auch von der Bezirksregierung noch bis zum vorigen Jahr verlässlich zunächst 80 Prozent Zuschüsse aus der Tourismusförderung in Aussicht gestellt. “, sagte Jansen.

In den darauffolgenden zwei Jahren gab es einige Termine zwischen Bezirksregierung, Ministerium und der Stadt, bei denen die Stadt Unterlagen, Stellungnahmen und Gutachten ergänzend zum Förderantrag beibringen musste, „immer in der klaren Erkenntnis und in der Beteuerung der Mitarbeiter des Landes, dass unsere Arena förderfähig sei“, erklärte Jansen.

Ein entscheidender Termin fand am 27. September 2016 in Düsseldorf statt. Inzwischen war die Förderzusage des Landes von 80 auf 40 Prozent gesunken. Es wurde folgende Kostenteilung vereinbart: Zwei Millionen Zuschuss des Landes, 2,7 Millionen Euro sollte die Stadt als Eigenanteil aufbringen. „Das war für uns seinerzeit kaum darstellbar, weil es andere Prioritäten für Hückelhoven gab“, so Jansen weiter, „dennoch haben Rat und Verwaltung die Chance ergriffen, einen Förderantrag gestellt und diesen, wie vom Ministerium gefordert, mit einem Ratsbeschluss unter Beteiligung der Öffentlichkeit untermauert“.

Man habe die geforderten Gutachten erstellen lassen; die Verwaltungsspitze habe sich in ganz Deutschland ähnliche Projekte angeschaut, die möglicherweise als Vorbild für die Arena unter dem Förderturm hätten dienen können; man habe konkrete Pläne ausarbeiten lassen; es wurden die Mittel, die die Stadt aufbringen sollte, in die Etats eingeplant; man habe, so der Bürgermeister, „alle geforderten Informationen stets zeitnah beigebracht“.

Kurz: „Nach dieser Vorgeschichte war dieses Schreiben für mich auch persönlich enttäuschend, denn wir haben viel Herzblut und Arbeit in dieses Projekt gesteckt. Unsere Arena ist das erste größere touristische und kulturelle Projekt, das sich unsere Stadt nach der Zechenschließung leistet“, so Jansen. Verwaltung und die politischen Gremien der Stadt hätten demnach alles versucht, um mit der Veranstaltungsarena neues Leben auf das Restgelände des alten Steinkohleschachtes zu bringen.

Bürgermeister Bernd Jansen zog nun als Fazit: „Wenn man einen Förderantrag stellt, muss man damit rechnen, dass dieser auch abgelehnt werden kann. Auch wenn wir länger als drei Jahre für das Projekt ,Arena‘ gekämpft haben, sollte aus Sicht der Verwaltung ohne Zuschuss durch das Land mit dem Bau der Arena zurzeit nicht begonnen werden. Vielleicht ergibt sich in späteren Jahren noch einmal die Gelegenheit, das Projekt umzusetzen.“ Jansen schloss seine „Mitteilung“ dann schon fast trotzig: „Es geht weiter.“

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