Kreis Heinsberg: Tierheim ertrinkt beinahe in Katzenflut

Kreis Heinsberg : Tierheim ertrinkt beinahe in Katzenflut

Ach, Babys sind einfach süß anzuschauen. Und das gilt nicht nur für Menschenkinder, sondern auch für tapsige Hundewelpen oder flauschige Kitten, die neugierig ihre Welt erkunden. Im Tierheim für den Kreis Heinsberg in Kirchhoven ist das nicht anders. Doch hat das hübsche Bild, das sich dem unbefangenen Beobachter im Katzenhaus bietet, leider einen Haken.

Denn wer genau hinschaut, hat schnell das Gefühl, dass es vielleicht doch ein paar Samtpfoten zu viel sein könnten, die sich hier tummeln. Und dieser Eindruck täuscht nicht. Der Katzenbestand ist in den letzten Wochen geradezu explodiert und stellt das Pflegeteam vor arge Probleme.

„Derzeit haben wir rund 110 Katzen, das kann man sich nicht vorstellen“, sagt Bettina Kinckartz, die als stellvertretende Tierheimleiterin in Kirchhoven auch für die Katzenbetreuung verantwortlich ist. Wieso das die Vorstellungskraft so strapazieren könnte, ergibt sich aus der Tatsache, dass im Normalfall gerade mal rund 65 Katzen im Tierheim zu versorgen sind. Etwa 50 der 110 Katzen seien Kitten, also Katzenwelpen, sagt Bettina Kinckartz. „Die meisten werden draußen gefunden und sind krank. Sie leiden unter Katzenschnupfen, Pilzbefall, Katzenseuche oder Giardien.“ Bei Katzenseuche handele es sich um einen blutigen Durchfall, an dem die Tiere häufig sterben. Auch Giardien seien im Darm der Tiere beheimatet und verursachten einen Durchfall. Um eine Ausbreitung der Giardien zu verhindern, müssten diese mit Hitze bekämpft werden. Die Tiere selbst erhielten entsprechende Medikamente.

Aber auch die bloße Überbevölkerung im Katzenhaus bleibt nicht ohne Folgen, wie Tierärztin Dr. Katrin Heipertz erklärt. „Durch den daraus entstehenden Stress nimmt der Infektionsdruck zu und das Immunsystem ist geschwächt.“

Erst Ende Mai, Juni habe die Zahl der Katzenabgaben im Tierheim dramatisch zugenommen, sagt Tierheimleiterin Sina Braun. „Im Frühjahr war geradezu eine Katzenebbe mit nur rund 30 Tieren im Bestand.“ Jetzt hingegen sei durchaus vorgekommen, dass noch säugende Katzenmütter schon wieder neuen Nachwuchs in sich getragen hätten. „Wir haben im letzten Jahr gedacht, dass die Kastrationsprojekte schon greifen, aber jetzt haben wir daran Zweifel“, sagt Bettina Kinckartz.

Zum Glück ist die Vermittlungsdauer der Tiere in der Regel nicht sehr hoch. Meist seien es rund vier Wochen von der Aufnahme bis zur Vermittlung. In dieser Zeit, so Sina Braun, würden die Tiere gechippt, kastriert, geimpft und entwurmt. Leider seien jedoch rund 50 Prozent der Katzen krank, was den Zeitraum bis zur Vermittlung durchschnittlich auf bis zu einem halben Jahr verlängern könne, erläutert Katrin Heipertz. „Wir versuchen, nur gesunde Katzen zu vermitteln, aber man hat nie eine hundertprozentige Sicherheit, dass es nicht zu einem Rückfall kommt. Dann gibt es zwei Sorten von Neubesitzern. Die einen, die dem Tierarzt Unfähigkeit und den Tierpflegern Boshaftigkeit unterstellen und die anderen, die sehr verständnisvoll reagieren und wissen, dass der Umzug eines Tieres in ein neues Zuhause Stress verursacht, der solche Folgen haben kann.“ Niemand werde aber mit seinem neuen Familienmitglied alleingelassen, sagt Katrin Heipertz. „Es besteht immer die Möglichkeit, die Tiere zusammen mit uns wieder gesund zu pflegen.“