Katholiken-Präsident: „Schreckliche Dinge“: Thomas Sternberg äußert sich zu Missbrauchsfällen

Katholiken-Präsident: „Schreckliche Dinge“ : Thomas Sternberg äußert sich zu Missbrauchsfällen

Auf Einladung des CDU-Kreisverbandes hat Professor Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), im Haus Lennartz in Heinsberg an der Hochstraße zum Thema „Christen in einer veränderten Gesellschaft“ referiert.

In seinem Vortrag nahm er Stellung zu den Positionen der Kirche bei aktuellen gesellschaftlichen Problemen, zu notwendigen Veränderungen innerhalb der Kirchen und zur Aufarbeitung von Skandalen wie dem Missbrauch durch Priester.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg bei seinem Vortrag zum Thema „Christen in einer veränderten Gesellschaft“ im Haus Lennartz in Heinsberg vor einem interessierten Publikum. Foto: Bindels

Unter den Augen von Bürgermeister Wolfgang Dieder und des stellvertretenden Landrates Wilhelm Paffen sowie des CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneter Bernd Krückel trug sich der Gast in das Goldene Buch der Stadt Heinsberg ein. Sternberg, geboren in Elspe, war nach einer Bäckerlehre und dem Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Theologie unter anderem als Direktor einer katholisch-sozialen Akademie in Münster tätig. Von 2005 bis 2017 gehörte er als CDU-Abgeordneter dem nordrhein-westfälischen Landtag an. 2015 war er an die Spitze des Zentralkomitees gewählt worden.

Thomas Sternberg begann seinen Vortrag in Heinsberg mit dem Bild, dass Haus Lennartz, zwischen Markt und Kirche liegend, symbolisch die Aufgabe des Zentralkomitees widerspiegele, zwischen den Teilen der Gesellschaft zu vermitteln. Dazu gehöre, die Entwicklungen im gesellschaftlichen, staatlichen und kirchlichen Leben zu beobachten und die Anliegen der Katholiken in der Öffentlichkeit zu vertreten.

Zum aktuellen Zeitpunkt umfassten alle christlichen Konfessionen zusammen nur noch 58,2 Prozent der deutschen Bevölkerung. Es sei jedoch zu befürchten, dass die Christen in Zukunft nicht mehr die Mehrheit in der Bevölkerung ausmachten. Dem gegenüber stehe aber eine hohe Präsenz und hohe Beteiligung von kirchlichen Einrichtungen — wie Kindertagesstätten oder Krankenhäuser — in der Wahrnehmung sozialer Aufgaben in der Gesellschaft. Dies müsse innerhalb des gesellschaftlichen Diskurses mehr transportiert werden.

Wer heute Christ und Mitglied der Kirche sei, habe dies freiwillig und selbst entschieden und dies in Zeiten der Religionspluralität und des ausgeweiteten Atheismus. Christen müssten so argumentieren und leben, dass andere Menschen das christliche Weltbild nachvollziehen könnten.

Priestermangel ein großes Problem

Ein großes Problem sei der Priestermangel. Die aufgedeckten Missbrauchsfälle seien da nicht förderlich. „Es ist unglaublich beschämend, welche schrecklichen Dinge herausgekommen sind.“ Nur mit Transparenz komme man weiter. Vergehen dürften nicht weiter innerkirchlich gelöst werden, sondern seien den strafrechtlichen Verfahren eines Rechtsstaates zu unterstellen. Zudem müsse der Blick mehr auf die Betroffenen und Opfer gelenkt werden, um ihre Leidensgeschichte zu würdigen.

Jesus habe es vorgelebt und habe eine Vorstellung von Menschenwürde vermittelt. Das Grundgesetz spiegele dieses Weltbild wider mit dem Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, betonte Sternberg und ergänzte: „Egal welcher Herkunft.“ Jedoch verwies er auch darauf, dass Missbrauch kein allein kirchliches Problem darstelle. Ebenso habe eine Studie belegt, dass kein unmittelbarer Zusammenhang mit dem Zölibat bestehe.

Beunruhigt über Rechtsruck

Sternberg zeigte sich beunruhigt über den Rechtsruck. Auch im Sprachgebrauch erkannte er Parallelen zu den Jahren 1928 bis 1933. Sätze wie „Hass ist keine Straftat“ oder das Dritte Reich sei ein „Vogelschiss“ in der Geschichte Deutschlands ­seien unverantwortliche Aussagen insbesondere des AfD-Führungspersonals. Für Christen gelte es, immer dort entgegenzutreten, wo Humanität verletzt werde und sprachliche Verwilderung feststellbar sei. Ausgrenzen und nationales Einmauern seien keine Lösungen. Menschen in Not sei mit internationalen Lösungen zu helfen, damit sie in ihren Heimatländern menschenwürdig leben könnten.

Sternberg formulierte für ein modernes christliches Engagement als Handlungsanleitung, Christen sollten nicht besserwisserisch agieren, nicht auftrumpfen, sondern überzeugen und nicht die Moralkeule schwingen, wenn sie als gesellschaftlicher Partner in der Gestaltung von Lebensentwürfen tätig werden wollten.

(jwb)