Waldfeucht-Braunsrath: Theresia Hegermann wird neue Äbtissin im Kloster Maria Lind

Waldfeucht-Braunsrath: Theresia Hegermann wird neue Äbtissin im Kloster Maria Lind

Seit 1985 gibt es das Klarissenkloster Maria Lind in Braunsrath, und seitdem hatte es immer dieselbe Äbtissin: Mutter Felizitas. Im März vergangenen Jahres entschied sie allerdings, die Verantwortung in jüngere Hände zu legen. So wählten die derzeit zehn Schwestern im Kloster Schwester Theresia, bisher Vikarin, zu ihrer Nachfolgerin. Unterstützt wird sie jetzt von Schwester Gabriel als Vikarin und von Ratsschwester Ancilla.

Schwester Theresia Hegermann, die auf den Namen Barbara getauft wurde, ist 54 Jahre alt und stammt aus Oberhausen-Sterkrade. Nach ihrem Abitur wollte sie zunächst Gemeindereferentin werden, schloss die Ausbildung auch ab, trat dann aber 1980 in den Orden der Klarissen in Erftstadt-Liblar ein. 1998 wechselte sie nach Braunsrath.

Weihbischof Karl Borsch mit Mutter Felizitas (l.) und der Äbtissin Theresia (r.). Foto: Anna Petra Thomas

Damit gerechnet, zur Äbtissin gewählt zu werden, hatte sie „eigentlich nicht“, sagt sie. Und doch freut sie sich über die Wahl. Die Äbtissin wird auch weiterhin die für sie gewohnten Aufgaben im Kloster übernehmen. So ist sie zum Beispiel zuständig für die Einkäufe oder erledigt die Korrespondenz, an die sie schon vorher als Vikarin gewohnt war. Und sie übernimmt auch ihren Part im Haushalt. „Eigentlich ist alles geblieben“, bleibt sie bescheiden.

Imitieren werde sie ihre Vorgängerin im Amt nicht, räumt sie ein. „Jeder hat halt seinen eigenen Stil. Mutter Felizitas war eher temperamentvoll, ich bin eher der ruhige Typ.“ Allerdings mische sich Schwester Felizitas auch nicht in ihre Amtsführung ein. „Sie lässt mich machen. Und wenn ich sie um Rat frage, ist sie da. Alles andere fände ich auch nicht so gut“, so Schwester Theresia.

Dass ein Kloster wie das der Klarissen, die sich vor allem dem Gebet widmen, in der heutigen Gesellschaft noch seine Daseinsberechtigung hat, dessen ist sich die neue Äbtissin ganz sicher. „Ich habe den Eindruck, dass verstärkt Menschen zu uns kommen, die eigentlich nichts mehr mit der Kirche zu tun haben, dann in einem besonderen Anliegen aber doch die gesunde Anonymität unseres Wallfahrtsortes suchen“, erklärt sie. „Auch ihnen Raum zu gewähren, sehe ich als unsere Aufgabe“. Der frühere Aachener Bischof Klaus Hemmerle habe sie als Klarissen gerade dafür nach Braunsrath geholt, um die Pilger der Region im Gebet zu unterstützen.

Was die schriftlichen Bitten um ein Gebet betrifft, seien es vor allem Angehörige, die diese aufschreiben würden. Meist seien Lebenskrisen, die Gesundheit oder etwa der Verlust des Arbeitsplatzes die Themen. Jeden Morgen lesen die Schwestern die Anliegen gemeinsam. „Wir nehmen diese Ängste und Nöte der Menschen mit in unser Gebet.“ Das Gebet steht im Mittelpunkt des Klosterlebens, in dem ansonsten nur wenig gesprochen wird. „Bis auf eine Stunde am Mittag. Da unterhalten wir uns“, sagt die Äbtissin.

Der Erfolg ihres Gebets für die Menschen außerhalb der Klostermauern? „Den sehen wir natürlich nicht“, erklärt sie. Hin und wieder finde sich zwar ein geschriebenes Dankeswort im Briefkasten. „Aber man muss ja auch nicht immer alles erklären können. Irgendwo hören Worte ja auch auf… Ich glaube einfach, dass Gott uns auf diesen Weg gerufen hat.“