Wassenberg: Theater als Inspiration für Workshop gegen Rassismus

Wassenberg : Theater als Inspiration für Workshop gegen Rassismus

Alles begann mit zwei Aufführungen des Theaterstückes „ÜBERdasLEBEN oder meine Geburtstage mit dem Führer“ von Beate Albrecht, das die Schüler der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg kurz vor Weihnachten sehen konnten.

Das Stück thematisiert den Alltagswiderstand vor dem Hintergrund der Gräuel der NS-Zeit. Für 20 Schüler des neunten Jahrgangs fand der Theaterbesuch jetzt noch eine besondere Fortsetzung. Unter Leitung von Beate Albrecht und zwei Schauspielern konzipierten sie in einem vierstündigen Workshop ein eigenes Stück zum Thema „Rassismus“.

„Zunächst haben wir Ideen gesammelt und ein Thema für unser Stück gesucht“, erklärt Schüler Ian Maranke. Im Mittelpunkt stand eine Familie, die für einen tragischen Unfall eine Flüchtlingsfamilie verantwortlich macht, danach in die rechte Szene abdriftet und sich an Überfällen auf ein Flüchtlingsheim beteiligt. Als die wahre Unfallursache geklärt ist, setzt bei der Familie ein Lernprozess ein, der in eine versöhnliche Szene mündet.

„Toll dabei war, dass wir unsere eigenen Vorstellungen einbringen konnten und alles selbst bestimmt haben“, blickt Schülerin Evelyn Nevolin zurück. Ihr Mitschüler Jonas Lübben ergänzt: „Die Profis haben uns immer wieder Tipps gegeben, wie wir unsere Ideen noch besser umsetzen können.“ Auch die Bilanz von Sozialarbeiterin Julia Nußbaum, die als Vertreterin der Schule den Workshop begleitet hat, fällt sehr positiv aus. „Beate Albrecht und ihr Team haben es geschafft, in kurzer Zeit die Schüler auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören. Die eigene kreative Auseinandersetzung mit dem Problem des Rassismus stellt eine äußerst gelungene Form der Präventionsarbeit dar.“

Damit knüpfte der Workshop sehr gut an das Theaterstück an, das die Schüler im vergangenen Jahr gesehen hatten. Dessen Inhalt: Zu Hitlers Machtübernahme 1933 ist Anni neun Jahre. Sie, ihre Freunde und ihre Eltern geraten mehr und mehr in den Strudel der damaligen Ereignisse. Einige von ihnen werden Anhänger der NS-Diktatur und marschieren mit, andere versuchen, sich der alles beherrschenden Ideologie zu verweigern oder dem Terror zu entfliehen.

Anni schließt sich einer Gruppe von Jugendlichen an, die auf den Drill der Hitlerjugend keine Lust hat. Anfangs noch in Auflehnung gegen die Gleichmacherei, tritt die Gruppe mehr und mehr in den aktiven Widerstand. Als Anni jedoch gefangen genommen wird, entwickelt sich ihr Kampf um ein gerechtes Leben zu einem Kampf um ihr eigenes Überleben. Anni hat am gleichen Tag Geburtstag wie Hitler, am 20. April. Die Geburtstage treiben das Geschehen im Theaterstück voran und zeigen gleichzeitig das Leben und „ÜBERLEBEN“ der Protagonisten.

Natürlich wisse sie als Betty-Reis-Schülerin schon sehr viel über den Nationalsozialismus, doch betonte Leonie Schlösser in der abschließenden Gesprächsrunde mit den Schauspielern die hohe Qualität der inszenierten Darstellung: „Die Geschichte ist uns so noch einmal viel deutlicher gemacht worden.“

„Es war schon eine echt brutale Zeit. Das wurde insgesamt sehr deutlich“, so Schüler Felix Peters. Hierfür verantwortlich war auch das authentische und einprägsame Spiel der drei Schauspieler auf der Bühne. Die drei Akteure wurden unterstützt von einem Tänzer und einem Musiker. Großes Lob gab es auch für das Bühnenbild, bei dem eine Vielzahl von Koffern in wechselnden Funktionen benutzt wurden und gewollte Assoziationen zu einer Wohnung, Möbeln oder KZ-Mauern hergerufen werden sollten.

Auch die musikalische Gestaltung, die den Inhalt und die entsprechende Stimmung betonte, fand regen Zuspruch. Dr. Ludger Herrmann, der didaktische Leiter der Betty-Reis-Schule, dankte nach der Aufführung insbesondere Brigitte Hocks vom Kreisjugendamt für das finanzielle Engagement, das ermöglichte, dass ein kompletter Jahrgang das Stück kostenlos besuchen konnte.