Erkelenz: Tagebau inspiriert zu drastischen Arbeiten

Erkelenz: Tagebau inspiriert zu drastischen Arbeiten

„Im Laufe der Zeit“ ist bei dem Erkelenzer Künstler Karl-Heinz Laufs eine Menge zusammengekommen. Trotzdem sei die Ausstellung im Haus Spiess, die nun eröffnet wurde, nicht als Retrospektive auf das Schaffen des Mannes zu betrachten, wie der Geschäftsführer der Kultur GmbH, Christoph Stolzenberger, hervorhob. Vielmehr sei es ein Querschnitt seines Schaffens, bei dem der Fokus aber auch auf den aktuellen Arbeiten liegt.

Seine Bilder, Skulpturen, Fotografien und Objekte befassen sich auch mit „der Sünde an Natur und Heimat“, wobei sein Augenmerk auf den Auswirkungen von Garzweiler II auf die Heimat liegt. Mit dem „Ausstellungskünstler Laufs“, der seine Arbeiten auch in der Ausstellung zu inszenieren weiß und in den Räumen besondere Stimmungen und Atmosphären schafft, sei der Stadt als Veranstalter ein „wahrer Glücksgriff“ gelungen.

Ein ganzes Zimmer im ersten Stock ist dem Thema des Heimatverlusts durch den Braunkohletagebau gewidmet. „Pesch gehabt“ erinnert an den ersten Erkelenzer Ort, der dem Bagger zum Opfer fiel. Schon im Mai 2010 hatte Laufs mit einem Transparent und Aktionen in der Erkelenzer Innenstadt auf den Verlust des Ortes aufmerksam gemacht.

Das Thema Tagebau zieht sich durch sein Schaffen und spiegelt seine Einstellung zu dem Thema in drastischen und kreativen Darstellungen wider. Die Arbeiten sind melancholisch und poetisch - wie das Foto einer vernagelten Eingangstür, über der noch die Hausnummer 13 zu erkennen ist. Auf der Türschwelle sitzt wie zurückgelassen und vergessen ein großer Teddybär, der auf die Bewohner des aufgegebenen Hauses zu warten scheint.

Ein Stück weiter steht eine Tür aus einem der Abbaudörfer leicht verschoben, denn sie wird durch einen Barren Gold verrückt. Einige Feldbrandziegel haben Räder bekommen und sind bereit zur Abfahrt. Sie stammen aus dem Tagebaugebiet und beeindrucken vor allem durch ihre Oberflächen, die die Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte widerspiegeln, die einmal Teil eines Hauses oder eines Stalls waren. „Jeder der Steine erzählt eine Geschichte“, erklärte Laufs. „Sie endet nicht mit dem Abriss des Hauses.“

Bedrückend sind die Bildkollagen und -montagen, die Laufs in den Vernichtungslagern der Nazis gemacht hat. Sie zeigen die Verladerampe, an der die Züge mit den Deportierten ankamen, das Krematorium, in dem man sich ihrer Überreste entledigte und die Straßen des ehemaligen Warschauer Ghettos. Man merkt schnell, dass Laufs Themen nicht einfach und nur schön sind. Bewusst konfrontiert er den Betrachter mit dem Vergänglichen und dem Vergangenen.

„Laufs fordert zur Auseinandersetzung auf und gibt Impulse“, betonte die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Honold-Ziegahn in ihrer Laudatio an den Künstler, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag gefeiert hat.

(hewi)