Tag des offenen Denkmals: Im Kreis Heinsberg stehen Türen offen

Tag des offenen Denkmals : Im Kreis stehen neun Türen offen

Am Sonntag, 8. September, findet der Tag des offenen Denkmals statt. Ein bisschen Spurensuche, ein bisschen Geschichte: Tausende Denkmale öffnen deutschlandweit ihre Türen und laden ein, sonst manchmal Verschlossenes oder Unbekanntes zu besuchen.

Die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz (DSD), die den Aktionstag bundesweit koordiniert, veröffentlicht jetzt das Programm für den Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September.

Rund 8000 historische Baudenkmale, Parks und archäologische Stätten sind Teil von Deutschlands größter Kulturveranstaltung – davon allein rund 1200 in Nordrhein-Westfalen. Anlässlich des 100-jährigen Bauhausjubiläums steht der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto: „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Vielerorts stehen revolutionäre Ideen oder der technische Fortschritt, die ein Denkmal ausmachen, im Fokus. Denn was heute als alt erscheint, war nicht immer alt: „Viele Denkmale, die uns heute selbstverständlich erscheinen, waren zu ihrer Entstehungszeit modern und revolutionär. Ihre Spuren möchten wir gemeinsam am Tag des offenen Denkmals entdecken“, sagt Steffen Skudelny, Vorstand der Stiftung.

Im Kreis Heinsberg gibt es neun Veranstaltungen an altehrwürdigen Orten. In Erkelenz-Lövenich öffnet die Evangelische Hofkirche ihre Türen. Das Haus wurde 1682 bis 84 in reformierter Tradition errichtet. Im Innenraum finden sich eine Kanzel und der Abendmahlstisch, auf den bei Bedarf eine Taufschale gestellt werden konnte, sowie der Armenstock an der Tür für Abgaben und Kollekten. Es fehlt bis heute ein Kreuz. Vor der Kirche liegt eine kleine Hofanlage.

Kirch und Braunkohle: Die Kapelle Beverath ist im Rahmen einer Führung zu sehen. Foto: Stefan Klassen

Auch die Themen Braunkohle um Umsiedlung spielt an diesem Sonntag eine Rolle: In Erkelenz-Kuckum findet eine Führung von Michael Zobel zum Thema bedrohte Denkmäler am Tagebau Garzweiler statt. Bei der Ortsführung werden denkmalgeschütze Gebäude von der Straße aus besichtigt. Die Führung erstreckt sich fußläufig in einem Rundgang über die Orte Kuckum, Berverath, Unterwestrich und Keyenberg.

In Gangelt-Breberen hat die Museumswindmühle für alle geöffnet. Der Kellerholländer aus dem Jahr 1842 ist mit Backsteinen erbaut worden und besitzt Bilau-Metallflügel. Ein zweiter Kellerholländer kann in Waldfeucht-Haaren besichtigt werden. Ebenfalls 1842 wurde diese Windmühle als Getreide- und Ölmühle erbaut. 1940 ist sie bis auf die Turmhülle abgebrannt, jedoch mit Teilen einer Mühle aus dem niederländischen Alkmaar von 1730 wieder neu bestückt worden.

Wassenberger Wahrzeichen: Der Bergfreid ist am Denkmaltag geöffnet. Foto: Daniel Gerhards

In Wassenberg hat der Bergfried Tag der offenen Tür. Burg, Bergfried und Stadtmauern stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert. Der Bergfried ist viergeschossig, auf einem steil abfallenden Hügel mit etwa quadratischem Grundriss. Im Jahr 2014 fand die Eröffnung des Bergfrieds nach einem Ausbau statt. Die Aussichtsplattform gewähren Sicht über Wassenberg und das Rurtal.

Zwei Mühlen können alle Interessierten in Wegberg besichtigen: Die Schrofmühle in Wegberg-Rickelrath, zum anderen die Tüschenbroicher Mühle in Wegberg-Tüschenbroich. Erstere ist eine unterschlächtige Wassermühle in geschlossener fränkischer Hofanlage des 19. Jahrhunderts, mit vorgelagertem Stauweiher. 1558 wurde sie das erste Mal urkundlich erwähnt, das Mahlwerk ist von 1771. Es handelt sich um eine Getreidemühle mit Sackaufzug und zwei Mahlgängen sowie um eine Ölmühle mit Kollergang, Rührwerk und Ölpresse. In Tüschenbroich wurde um 1640 für die Kornmühle ein stattlicher, zweigeschossiger Fachwerkbau errichtet, in dessen Erdgeschoss man rund 200 Jahre später zusätzlich eine Schankwirtschaft eröffnete. Das Fachwerk des damals bereits reparaturbedürftigen Gebäudes wurde überputzt und das Innere mit abgehängten Decken, neuen Wandfassungen und Fenstern der veränderten Nutzung angepasst. Schon bald erhielt die florierende Waldschenke als Anbau ein Restaurant, die heutige Tüschenbroicher Mühle.

In Übach-Palenberg gibt es die alte katholische Pfarrkirche zu besichtigen: Ein weiß geschlämmter einschiffiger Bau in Bruchstein und Backstein mit Westturm und Choranbau. Der mittlere Teil des Langhauses ist spätgotisch, Westteil und Turm aus dem 18. Jahrhundert. Die Ostpartie stammt aus dem 19. Jahrhundert, und der Friedhof wurde circa ab dem 17. Jahrhundert genutzt.

Ebenfalls in Übach-Palenberg gibt es zum Tag des offenen Denkmals eine Führung über die Via Belgica, die römische Heerstraße. Die römische Via Belgica führte von Köln nach Tongern und Bavai. Ein fünf Kilometer langes Teilstück verlief über das heutige Stadtgebiet. Am Ostufer der Wurm liegt die ehemalige römische Siedlungsstelle am Flussübergang. Geplant ist ein Rundgang mit Matthias Zavratak vom Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz.

In dem aktuellen Programm zum Tag des offenen Denkmals lassen sich Denkmale nach Regionen, Gattungen oder auch nach barrierefreien Zugängen suchen und filtern.

Der Tag des offenen Denkmals ist die größte Kulturveranstaltung Deutschlands. Seit 1993 wird sie von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert. Die Stiftung ist für das Konzept des Aktionstags verantwortlich. Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days. Mit diesem Tag möchte die private Denkmalschutzstiftung Aufmerksamkeit für die Denkmalpflege in Deutschland schaffen. Vor Ort gestaltet wird der Tag von Denkmaleigentümern, Vereinen und Initiativen bis hin zu hauptamtlichen Denkmalpflegern. Mehr Infos unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.

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