Im Begas-Haus: Susanna Jochims und Christoph Esser begeistern das Publikum

Im Begas-Haus : Susanna Jochims und Christoph Esser begeistern das Publikum

Nicht von Herz, Schmerz und Schmalz, wohl aber von der Liebe in ihrer dramatischen und schicksalhaften Form erzählten singend beim Liederabend „Liebe – Drama – Schicksalsschlag“ Susanna Jochims und Christoph Esser ihrer großen Fangemeinde im Begas Haus in Heinsberg.

In bester Bänkelsänger-Tradition erfolgte als Benefiz-Konzert für den Verein „Wir für Ruanda“ eine musikalische Reise durch die Jahrhunderte der Liedermacher.

Breite Gefühlspalette

Stilvoll mit selbstgemalten Bildertafeln und mit Requisiten - vom Blumenkranz auf dem Haar bis zum Zylinder – ausgestattet, führte die Vertonung von Eichendorffs Gedicht als bekanntes Lied „In einem kühlen Grunde“ in das Thema des Abends ein, gefolgt von „Müde kehrt ein Wandersmann zurück“. Für Ausgewogenheit in der Gefühlspalette hatten die beiden Musiker mit ihrer Auswahl gesorgt.

Auf den ersten Liedern, die eher die romantisch-sentimentale Seite berührten, folgte ein die Liebe genießendes und bejahendes Beispiel mit Walther von der Vogelweides „Unter den Linden“. Es sei ein durch und durch fröhliches, sogar erotisches Lied erläuterte Christoph Esser und rezitierte: „Unter den Linden hat uns mein Liebster ein Bett aus Blumen bereitet. Was hat er mich geküsst, was hat er mich beglückt! Was er mit mir gemacht hat? Here, Frouwe, Gottesmutter – Tandaradei! Gott sei Dank hat’s niemand gesehen – außer ein kleines Vöglein – und das wird es für sich behalten.“

Bernd Bierbaum vom Verein „Wir für Ruanda“ informiert das Publikum über das Jubliäumsjahr 2019. Foto: Johannes Bindels/Johannes Bindesl

Dass ihr Instrumentarium auf Ukulele, Gitarre, Flöte und Gesang beschränkt sei, werde dem Bänkelgesang prinzipiell nicht gerecht. „Die Lieder müssen damit leben, dass wir sie stutzten, ergänzten und passend machten“, wurde dem Publikum erklärt.

Und so kam in der Tat ein sehr persönliches, musikalisches Profil der beiden zum Tragen, das vergleichbar ist mit dem Beispiel in der bildenden Kunst: Eigenständigkeit zeigt sich auch dort, dass keine Abbilder produziert werden, sondern Bilder! In diesem Fall eigenständige musikalische Bilder von „Lili Marleen“, „Bei mir bist du scheen“, „Und der Haifisch, der hat Zähne“, „Ich brauch Tapetenwechsel“, „Über den Berg ist mein Liebster gezogen“, „Du kannst zaubere“, „Riecke näht auf die Maschine“, jeweils als gelungener Remix mit höchst persönlicher Note und Interpretation.

Vom Volkslied über Klezmermusik, vom Jazzstyle bis zur Oper reichte die musikalische Reise. Am Ende schloss sich der Kreis mit „Dat Du min Leevsten büst“ und Erich Kästners „Sachliche Romanze“. Hilf- und lehrreich fürs Publikum waren die im Wechsel vorgetragenen Erläuterungen zu den vorgetragenen Liedbeiträgen.

Ein Abend in bester Liedermacher-Tradition, den das Duo auch mit der Motivation gestaltet hatte, dem Verein „Wir für Ruanda“ mit einer Benefizveranstaltung zu unterstützen. Einem Verein, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiere, wie Dr. med. Bernd Bierbaum erläuterte. „Vom 16. bis 18. August veranstalten wir unser 13. Ruanda-Fest auf dem Gelände der RS-Oberbruch und am 8. November werden wir bei einem Festakt in der Oberbrucher Festhalle einen Rechenschaftsbericht über 25 Jahre Arbeit vorstellen“, kündigte Bierbaum an.

Zuvor hatte der Vorsitzende und Gründer des Vereins im Gespräch mitgeteilt, dass er sein Projekt noch zu einem guten Ende bringen und die organisatorische und rechtliche Leitung in Ruanda in neue Hände legen wolle.

Die Übernahme der Geschäftsführung vor Ort in Ruanda durch den dortigen Caritas-Verband sei nicht gelungen. Dafür läge aber eine schriftliche Zusage der Pallottiner-Gemeinschaft vor, die auch in Ruanda aktiv sei und für eine nachhaltige Fortführung seines Projektes sorgen könne. Er wolle sich weiterhin für die finanzielle Unterstützung einsetzen, jedoch die Leitung vor Ort in Ruanda abgeben.

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