Tagebau Garzweiler: Streit um Umsiedlung

Tagebau Garzweiler: Streit um Umsiedlung

Eine DIW-Studie kommt zu dem Schluss, dass sowohl Tagebau-Randdörfer als auch der Hambacher Forst zu retten sind. RWE hält dies für „Augenwischerei“ und übt massive Kritik.

Der Energiekonzern RWE hat massive Kritik an einem Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Zukunft des Rheinischen Reviers geübt. Dem Gutachten zufolge soll es möglich sein, sowohl die noch von der Umsiedlung bedrohten Orte an den Tagebauen Hambach und Garzweiler zu erhalten als auch den Hambacher Forst. Auf Anfrage unserer Zeitung warf RWE dem Gutachten „schwere fachliche Fehler“, „Augenwischerei“ und „völlig unrealistische Annahmen“ vor. Allerdings war ein Gutachten des Freiburger Öko-Institus im Auftrag der Umweltschutzorganisation BUND vergangenen Herbst zu ähnlichen Ergebnissen wie das DIW gelangt.

Auf dem DIW-Gutachten gründen die Hoffnungen Hunderter Menschen in mehreren Erkelenzer Stadtteilen am Tagebau Garzweiler, deren Orte zwar zur Umsiedlung vorgesehen, die aber teilweise noch bewohnt sind. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert und drei Kollegen nehmen in ihrer Studie an, dass bis 2022 acht von 15 noch aktiven Kraftwerksblöcken im Rheinischen Revier endgültig abgeschaltet werden, die über eine Leistung von insgesamt 3,6 Gigawatt verfügen.

Dadurch könnten die Tagebaue Garzweiler und Hambach so verkleinert werden, dass einerseits Dörfer und Forst erhalten bleiben könnten und andererseits mehr als genug Braunkohle förderbar bliebe, um „das Gesamtsystem“ Rheinisches Revier „bis 2035“ weiterbetreiben zu können. Deswegen sei es auch möglich, „den in den Berechnungen angenommenen gesetzlichen Mindestabstand zu bewohnten Gebäuden deutlich zu erhöhen“.

RWE hält es hingegen für „völlig illusorisch“, dass „bis Ende 2022 (…) 3,6 Gigawatt stillgelegt werden“. Das vom DIW angenommene Szenario, in dem die Tagebaue Garzweiler und Hambach „allein zur Versorgung von drei Kraftwerksblöcken betrieben werden, ist ökonomisch unsinnig“, wie RWE in einer Stellungnahme für unsere Zeitung schreibt. Das Gutachten blende aus, „dass die Umsiedlungen bereits laufen und die Bewohner zum Teil schon an neuen Orten leben. Diesen Prozess zu stoppen, wäre für die betroffenen Menschen fatal“, heißt es  weiter.

RWE geht schon deswegen nicht von einem Erhalt des Forsts aus, weil in dem DIW-Papier „völlig offen bleibt, wo die Erdmassen herkommen sollen“, um die derzeit „viel zu steile Böschung“ am Rand des Forsts dauerhaft abstützen zu können.

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