Erkelenz-Immerath: Stolpersteine poliert: Der Verfolgten und Ermordeten gedenken

Erkelenz-Immerath : Stolpersteine poliert: Der Verfolgten und Ermordeten gedenken

Pfadfinderinnen der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) aus Immerath in Kückhoven haben gemeinsam mit ihren Leiterinnen die Stolpersteine in der Erkelenzer Innenstadt poliert. Die Gedenksteine waren mit der Zeit nicht mehr goldglänzend, die Messingplatten waren zum Großteil dunkelbraun angelaufen. Nun stechen sie wieder aus der Pflasterung hervor.

An zehn Stellen wird in der Innenstadt mit den Stolpersteinen der jüdischen Bewohner gedacht, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, verschleppt und ermordet worden sind — darunter Familiennamen wie Strauß, Harf, Rubens, Leyens, Moll, Hes, Metzger, Hirsch, Marcus und Weinberg. Die Steine, die vor den ehemaligen Wohnhäusern der Verfolgten liegen, sind Teil eines Projektes des Künstlers Gunter Demnig. In 1099 Orten Deutschlands und zwanzig Ländern Europas hat er die Steine verlegt.

Das Schicksal dieser Menschen und das Anliegen der Stolpersteinaktion war den Sechs- bis 16-Jährigen, darunter kleine Wichtel, also Pfadfinder im Grundschulalter, Pfadis, Caras und Rover gut zu vermitteln, so die Organisatoren. Zuerst lasen sie die Namen auf den Stolpersteinen vor, dann wurde mit dem Polieren begonnen. Währenddessen wurden die Leidensgeschichten aus dem Faltblatt des Heimatvereines Erkelenz vorgelesen. Zum Abschluss gab es eine Schweigeminute. Einige Passanten wurden auf die Pfadfinderinnen mit ihrer hellblauen Tracht und ihrem Banner aufmerksam. An der Wilhelmstraße halfen sogar Anwohner mit einem neuen Scheuerschwamm aus.

Gründer der Pfadfinder

Ins Leben gerufen wurde die Polier-Aktion mit Blick auf den „Thinking Day“, der den Gründer der weltweiten Pfadfinderbewegung, Lord Robert Baden-Powell, und seine Frau, Lady Olave, ehrt. Sie initiierte damals die Pfadfinderinnenbewegung. An dem gemeinsamen Geburtstag des Paares, am 22. Februar, ehren seit 1932 alle Pfadfinder weltweit das Paar.

Verantwortung übernehmen

Auch die Grundsätze des Pfadfinderstamms waren bei dem Projekt von Bedeutung. Einer beschäftigt sich mit der Auseinandersetzung mit der (Um-)Welt. Dazu zählen sie auch die deutsche Geschichte und die Verantwortung, die daraus in der Gegenwart erwächst. „Oder kann man mit dem Blick zurück und in die Gegenwart zu einer anderen Erkenntnis kommen? Nicht als Pfadfinder, der allzeit bereits sein will, das Glück auf der Welt zu vermehren“, so die Verantwortlichen der PSG.