Erkelenz: Stolpersteine fürs Ohr: Lebensdaten in Endlosschleife

Erkelenz : Stolpersteine fürs Ohr: Lebensdaten in Endlosschleife

Vor 73 Jahren, am 27. Januar 1945, befreite die Rote Armee die letzten Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Seit acht Jahren gestaltet die Arbeitsgruppe „Gegen das Vergessen“ am 27. Januar das Gedenken an die jüdischen Mitbürger in Form eines „akustischen Stolpersteins“.

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang werden in einer Endlosschleife am Alten Rathaus die Namen und Lebensdaten von rund 120 Erkelenzer Bürgern verlesen, die wegen ihres jüdischen Glaubens in den Vernichtungslagern der Nazis landeten. Ihre letzten Stationen sind zumeist die Ghettos und Vernichtungslager im Osten, „ermordet“ und „vermisst“ die letzten Erkenntnisse über ihren Verbleib.

Mit Informationstafeln und Broschüren erinnerten die Mitglieder des Arbeitskreises an die ehemaligen Mitbürger, deren Schicksal heute allzu oft in Vergessenheit gerät. Hubert Rütten und Silvia Stolzenberger von der Arbeitsgruppe waren vor Ort und standen Rede und Antwort.

Akustisch und real

Neben dem akustischen gibt es in Erkelenz auch die ganz realen Stolpersteine. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt diese Steine europaweit in Zusammenarbeit mit örtlichen Initiativen oder Schulen. Man findet sie in der ganzen Stadt vor Wohnhäusern, in denen einst Juden gelebt haben. Die Pflastersteine aus Messing tragen die Namen und Lebensdaten der ehemaligen Bewohner.

Hubert Rütten von der Arbeitsgruppe „Gegen das Vergessen“ berichtet von überwiegend positiven Reaktionen. „Immer wieder kommen Leute und wollen mehr wissen über das Thema“, sagt er. Dafür verweist er auch auf die Broschüren zur „Route gegen das Vergessen“, auf der man die Spuren jüdischen Lebens in Erkelenz erkunden kann.