Wassenberg: Stellplatz, Steinzeit, Splittersiedlung: Wie in Wassenberg gebaut werden soll

Wassenberg : Stellplatz, Steinzeit, Splittersiedlung: Wie in Wassenberg gebaut werden soll

Wer in Wassenberg baut, soll künftig für jede Wohneinheit nicht mehr nur einen, sondern zwei Pkw-Stellplätze einrichten müssen. So sehen es jedenfalls die Pläne vor, die der Planungs- und Umweltausschuss der Stadt auf den Weg gebracht hat, auf gemeinsamen Antrag der Fraktionen von FDP und WFW.

„Die zunehmende Verkehrsdichte und der nicht ausreichend vorhandene Parkraum innerhalb der Stadt Wassenberg veranlassen uns, diesen Antrag zu stellen“, hatten Dr. Susanne Beckers für die FDP und Horst Vaßen für die WFW an den Rat geschrieben. „Auch jetzt schon entwickeln sich immer wieder gefährliche Situationen aufgrund von dicht aneinander geparkten Fahrzeugen in den verschiedenen Ortsteilen.“ Fußgänger oder Kinder würden zu spät gesehen oder Rettungskräfte könnten mit ihren Großfahrzeugen nicht ungehindert zu ihrem Einsatzort gelangen, nannten sie Beispiele. „Diesen Zustand gilt es nicht noch weiter zu verschärfen.“

Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung, eine entsprechende Satzung zu entwerfen, die im Regelfall zwei Stellplätze für Pkw pro Wohneinheit festschreiben soll. Ausnahmen soll es geben, zum Beispiel beim Bau von Sozialwohnungen. Kämmerer Willibert Darius machte deutlich, dass diese Regelung bei der Aufstellung neuer Bebauungspläne bereits gelte.

Wenn es eine entsprechende Satzung gebe, müsse dann zum Beispiel auch derjenige, der bei einem Umbau einer bestehenden Immobilie eine zweite Wohneinheit schaffe, künftig bei einer derartigen Maßnahme pro Wohneinheit je zwei Stellplätze nachweisen. Der Anregung von Hermann Thissen (SPD), dass dann auch nachträglich weitere Stellplätze geschaffen werden müssten, weil die Regelung sonst nicht schlüssig sei, widersprach Darius: „Es gibt immer eine Stichtagsregelung“, betonte er.

Verödete Vorgärten

Abgelehnt hat der Ausschuss mehrheitlich den Verwaltungsvorschlag, Vorgärten auf „mindestens 30 Prozent ihrer Fläche wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen, zu begrünen, zu bepflanzen und so zu unterhalten“. Dieser war entstanden aufgrund eines Antrags von Bündnis 90/Die Grünen unter dem Motto „Steinzeit in den Vorgärten beenden“. In Wassenberg mache sich ein „unübersehbarer Trend“ breit, immer mehr Hecken und Grünflächen durch „ökologisch wertlose Kiesflächen“ zu ersetzen.

„Nicht nur Vögel haben das Nachsehen, auch Schmetterlinge, Marienkäfer, Bienen und Hummeln sucht man in den verödeten Gärten vergeblich“, hieß es in dem Antrag. „Nicht zuletzt ist auch der Mensch betroffen: Kiesflächen heizen sich in der Sonne wesentlich stärker auf als von Pflanzen beschatteter Erdboden.“ CDU-Fraktionsvorsitzender Marcel Maurer argumentierte dagegen, dass man einem Eigentümer nicht auferlegen könne, wie er seinen Vorgarten gestalten solle. „Bauchschmerzen“ hatte er folglich auch mit dem 30-Prozent-Vorschlag der Verwaltung.

Ebenfalls abgelehnt wurde ein Antrag der SPD-Fraktion auf Erlass einer Außenbereichssatzung im Bereich Entenpfuhl mit dem Ziel, in dieser sogenannten Splittersiedlung Baulücken zu schließen. Der Kreis sehe dafür eine Möglichkeit, hatte Thissen dargelegt, und für den Schluss von Baulücken gebe es ein öffentliches Interesse. Darius argumentierte dagegen mit den Bestimmungen des Regionalplans. Bei diesem Bereich handele es sich um „schützenswerten Freiraum im Regionalplan“, betonte er.

Zudem könnten bei einem Ausbau in einem solchen Bereich keine Beiträge von den Anwohnern erhoben werden. Die interessierten Eigentümer könnten bezüglich notwendiger Gutachten gerne in Vorkasse gegen, aber die Erfolgsaussichten seien gleich null, erklärte er. Es gebe kein öffentliches Interesse, sondern es gehe alleine um die Interessen der Grundstückseigentümer. „Warum sollte die Stadt da ins Risiko gehen?“

Bebauungsplan

Was die Bebauung des Grundstücks an der Ratheimer Straße 101 in Orsbeck betrifft, soll der Architekt die Pläne in der nächsten Ausschusssitzung zunächst vorstellen, so ein weiterer Beschluss.

Zustimmung fand der Antrag, einen Bebauungsplan für ein städtisches Gelände an der St.-Johannes-Straße in Myhl aufzustellen. Daraus könnten maximal drei Grundstücke für den Bau von Eigenheimen entstehen, so Darius.

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