Steht der Kreismusikverband vor dem Aus?

Spielmannszüge und Orchester: Steht der Kreismusikverband vor dem Aus?

Rolf Brock blickt mit einer Mischung aus Angst und Hoffnung dem 23. März entgegen. Für diesen Tag hat der Vorsitzende des Kreismusikverbands Heinsberg die Jahreshauptversammlung einberufen. Und an diesem Tage geht es um nicht weniger als um das Weiterbestehen des Dachverbandes, dem rund 3500 Musiker und 73 Vereine im Kreis Heinsberg angeschlossen sind.

Der Kreismusikverband Heinsberg ist ein Fachverband für Blas- und Spielleutemusik, der sich bereits seit 25 Jahren der Förderung von Amateurmusik im Kreis Heinsberg und darüber hinaus verschreibt. „In der musikalischen Kultur des Kreises Heinsberg haben Blasorchester und Spielmannszüge eine besonders lange Tradition, die zu bewahren es sich der Kreismusikverband zum Ziel gemacht hat“, sagt Rolf Brock. Kerngeschäft des Verbands sei jedoch vor allem die Bläserausbildung über die eigene Musikschule Dacapo.

Doch jetzt steht der gesamte Verband vor einer Zerreißprobe – und womöglich vor dem Aus. „Wir kämpfen an drei Fronten ums Überleben“, sagt Brock. Da sei zum einen die finanzielle Situation des Vereins. In der Vergangenheit wurde nicht optimal gewirtschaftet und der Verband musste die Rücklagen anzapfen. „Um wieder auf finanziell gesunden Füßen zu stehen, müssten die Mitgliedsbeträge für die Vereine angehoben werden“, so Brock. In genau dieser Situation hat auch der Volksmusikerbund NRW, dem auf höherer Ebene der Kreismusikverband Heinsberg angeschlossen ist, eine Erhöhung der Beträge angekündigt. Beides in Kombination stieß bei vielen Mitgliedsvereinen auf große Verärgerung. „In der Folge forderten viele Mitglieder, aus dem Volksmusikerbund auszutreten – doch ohne einen Dachverband sind für uns als Kreismusikverband viele Dinge nicht mehr leistbar“, sagt Brock. Er appelliert an die Vereinsmitglieder, die Folgen zu bedenken. „Die einzelnen Vereine machen sich die Auswirkungen gar nicht so deutlich bewusst. Fest steht jedoch: Ohne Dachverband fallen beim Kreismusikverband auch die Landeszuschussmittel weg“, erklärt Brock und betont: „Insgesamt ist der Nutzen einer Mitgliedschaft im Volksmusikerbund deutlich höher als die Kosten.“

Sorge bereitet ihm auch die Ankündigung einiger Vereine, bei einer Beitragserhöhung des Kreismusikverbands Heinsberg aus diesem auszutreten. „Denn fallen wir unter 3000 Mitglieder, dann ist am Ende das Finanzkonzept doch wieder unstimmig – die Solidareinheit würde zusammenbrechen und eine neuerliche Beitragserhöhung wäre die Folge.“

Nicht weniger verärgert als über die angekündigte Beitragserhöhung zeigten sich einige Mitglieder über das Ausscheiden zweier Orchester aus dem Kreismusikverband. „Dieser Alleingang der beiden Orchester hat die gespannte Stimmung noch einmal angeheizt und die Probleme im Kreismusikverband verschärft“, räumt Brock ein.

Und noch ein drittes Problem, das es zu lösen gilt, bereitet Rolf Brock Kopfzerbrechen: Verschiedene Ämter im Vorstand sind vakant, die Posten von Stefan van Koert (Fachleiter Blasmusik), Bernhard Knoben (Beisitzer), Janina Corsten (Jugendleiterin) müssen neu besetzt werden – Kandidaten, die sich in die Thematik dieses Ehrenamts einarbeiten möchten, sind bislang nicht in Sicht.

Will Sanierungskonzept vorlegen: Rolf Brock, Vorsitzender des Kreismusikverbandes. Foto: ZVA/Nicola Gottfroh

Bei der Jahreshauptversammlung am 23. März, 15 Uhr in der Gaststätte Windelen in Hilfarth, legt er den Delegierten der Vereine ein Sanierungskonzept vor. Er hat klare Ziele für diesen Tag: Ein Abnicken der Pläne seitens der Delegierten, die Wahl eines Vorstands und damit die Möglichkeit, Zeit zu gewinnen. „Es muss uns gelingen, den Vorstand geschäftsfähig zu machen. Damit hätten wir noch einmal zwei Jahre lang die Möglichkeit, einen neuen Kurs einzuschlagen, damit die Musikschule Dacapo nicht geschlossen werden muss“, macht Brock deutlich. Er wünscht sich, dass die Vereine geeignete Kandidaten vorstellen – womöglich sogar Musiker zwischen 30 und 55, die die kommenden Jahre mit neuem Enthusiasmus gestalten und den Verband womöglich noch einmal umkrempeln. „Wenn wir keinen Vorstand finden, werden wir den Kreismusikverband als Verein wohl abwickeln müssen“, so der Vorsitzende.

Die Delegierten der Vereine sind es, die die Weichen stellen für die weitere Zukunft oder das baldige Aus des Kreismusikverbandes. „Es geht bei dieser Versammlung um die kulturelle Weiterentwicklung des Musikwesens im Kreis Heinsberg und die Nachwuchsförderung und -ausbildung, ohne die es eines Tages keine Vereine mehr geben wird“, erklärt Rolf Brock, der auf viele anwesende Delegierte bei der Versammlung hofft.

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