Spielplatzübergabe vermiest die Laune 

Opposition auf den Barrikaden : Spielplatzübergabe vermiest die Laune

Auch wenn Spielplätze gemeinhin eher dem Zweck dienen, sich mit jeder Menge Spaß beim Spielen vor allem körperlich auszutoben, zeigt sich in Heinsberg, dass sie sich bisweilen zudem prächtig zu politischen Ränkespielen eignen.

Im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung sollte jetzt in Kempen der neue Spielplatz, den die Stadt für 25.000 Euro errichtet hat, der Bevölkerung übergeben werden. Der Wortlaut des Einladungsschreibens löste allerdings bei SPD, Grünen und Freien Wählern Empörung aus.

„Der Ortsvorsteher Guido Peters und der CDU Ortsverband Kempen laden hiermit alle Kempenerinnen und Kempener – vor allem natürlich die Kinder – und alle weiteren Interessierten zur Übergabe des Kinderspielplatzes im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung ein . . . Wir werden den Kinderspielplatz seiner Bestimmung übergeben . . .“ Nicht die Stadt Heinsberg, sondern die Kempener CDU sprach also die Einladung aus. „Ich unterstelle keine böse Absicht, aber wir können das aus parteipolitischer Sicht so nicht stehen lassen, wenn hier der Anschein erweckt wird, dass der CDU Ortsverband Kempen den Spielplatz an die Kempener Bevölkerung übergibt im Rahmen einer parteipolitischen Veranstaltung“, sagt Jochen Lintzen, der stellvertretende Fraktionschef der SPD. „Der saubere Weg wäre eine Einladung durch die Stadt gewesen oder eine separate Veranstaltung.“

„Ein Geschmäckle“

Auch Willi Mispelbaum, der Sprecher der Grünen, teilt diese Sicht der Dinge. „Ich finde es nicht in Ordnung, was hier geschehen ist. Es sind städtische Gelder, und damit hat sich die CDU nicht zu schmücken. Es hat für mich das Geschmäckle, die CDU hat hier wieder einmal für alles Mögliche gesorgt.“

Der Spielplatz in Lieck soll unter Einbeziehung des dahinter liegenden alten Sportplatzes bald zu einem riesigen Multifunktionsspielplatz für alle Altersgruppen und auch behinderte Menschen werden. Foto: Rainer Herwartz

Ortsvorsteher Guido Peters ist von der Wucht der Reaktion auf sein Einladungsschreiben überrascht. „Zunächst einmal habe ich als Ortsvorsteher eingeladen und der vertritt ja auch die Stadt.“ Vor zwei Jahren sei der Wunsch nach einem Kinderspielplatz aus einer Bürgerversammlung hervorgegangen.

„Es war sicherlich unglücklich formuliert“, räumt er ein. „Ich hätte allein als Ortsvorsteher einladen sollen. Für uns war aber klar, wir machen den Termin nur, wenn auch der Bürgermeister dabei ist.“ War er auch, aber Wolfgang Dieder sah sich an diesem Vormittag auch nur als Gast. „Ich habe zu Fragen, die Kempen betreffen, Stellung genommen. Eine Übergabe des Spielplatzes hat es übrigens gar nicht gegeben, die Kinder spielten ja schon an den Geräten.“

Dass der Bürgermeister bei der Veranstaltung zugegen war, macht es für Walter Leo Schreinemacher offenbar noch schlimmer: „Der Bürgermeister hat völlig versagt und sich die Federführung aus der Hand nehmen lassen. Ich schließe da eine Dienstaufsichtsbeschwerde nicht aus“, holt der Fraktionschef der Freien Wähler in gewohnt kerniger Manier den Knüppel aus dem Sack und watscht die Christdemokraten gleich in einem Atemzug noch mit ab: „Es ist die typische Arroganz, die wir hier von der CDU in Heinsberg erleben, sich einfach einen fraktionskonformen Ratsbeschluss auf die eigenen Fahnen zu schreiben. Die Einstellung des Fraktionsvorsitzenden der CDU zu mehr Transparenz und abstimmender Arbeit wird wieder einmal konterkariert.“

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