Spielen Verbände Problem mit Mähunfällen herunter?

Tote Rehkitze : Spielen Verbände Problem mit Mähunfällen herunter?

Caecilia Hecker fordert, dass Bauern stärker auf Rehkitze achten, bevor sie Wiesen mähen. Das Thema ist vermehrt in der Öffentlichkeit präsent.

Caecilia Hecker erinnert sich noch genau an diesen Tag. Es war der 16. Mai, ein Donnerstag. Die Theberatherin spazierte abends entlang einer großen Wiese an der Kempener Straße. Da sah sie das Reh wieder, das sie schon Stunden zuvor beobachtet hatte. „Morgens habe ich gesehen, wie die Ricke ein Junges abgesetzt hat“, sagt Hecker. Über Tag wurde die Wiese, in der das Kitz lag, dann gemäht. „Abends hat die Ricke das abgemähte Feld abgesucht“, sagt Hecker. Ihr Junges fand sie jedoch nicht wieder.

Über das vermutlich wenige Tage alte Rehkitz, oder besser gesagt die Überreste des Tieres, machten sich da schon die Krähen und Elstern her. Caecilia Hecker, die selbst mit 21 Jahren den Jagdschein gemacht hat, regt sich sehr darüber auf, dass so etwas passiert. Sie kann von drei toten Rehkitzen innerhalb einiger Tage berichten. Ein anderer Jäger, der seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht in der Zeitung lesen will, geht davon aus, dass die Zahl der Deutschen Wildtierstiftung, die davon ausgeht, dass jährlich 50.000 bis 100.000 Rehe „den Mähtod sterben“, realistisch ist. Dr. Heiner Breickmann, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Heinsberg, und die Kreisbauernschaft Heinsberg gehen hingegen von niedrigen Zahlen aus.

Das sei eine Beschönigung, findet Hecker. „Die spielen das herunter“, sagt sie. Sie beobachte immer wieder, dass Wiesen nicht wie vorgeschrieben von innen nach außen gemäht werden, um den Tieren die Flucht zu ermöglichen. Außerdem führen die Landwirte oft mit hohem Tempo über die Wiese oder mähten spät abends. „Das größte Problem ist, dass die Wiesen vorher nicht abgegangen werden“, sagt Hecker. Dabei reiche es doch, wenn der Landwirt dem Jagdpächter kurz vorher Bescheid gebe. Dann übernähmen die Jäger diese Aufgabe gern. Aber an solchen Absprachen mangele es, sagt der Jäger, der anonym bleiben möchte.

Trotzdem werden solche Fälle nur selten zur Anzeige gebracht. So wie Jäger Markus Mester es getan hat: Er zeigte den Landwirt an, der in seinem Hilfarther Revier ein Rehkitz mit dem Mähwerk überfahren hatte. „Viele Jäger haben Angst, dass sie die Jagd nicht mehr bekommen, wenn sie sich mit den Bauern anlegen“, sagt der Jäger, der sich an unsere Zeitung gewandt hat und anonym über die Mähunfälle spricht. Meist gehören den Landwirten die Grundstücke, die die Jäger dann pachten.

Caecilia Hecker findet es gut, dass das Thema in diesem Frühjahr in der Öffentlichkeit präsent war. Überregionale Medien und auch unsere Zeitung beschäftigten sich zuletzt damit. Denn sie glaubt, dass es sich um ein recht großes Problem handelt, das zu lasch angegangen wird. Darüber zu reden, sei jedoch wichtig, denn vielen Landwirten sei „nicht bewusst, dass sie sich strafbar machen“, wenn sie beim Mähen ein Kitz überfahren, sagt Hecker.

Für dieses Jahr dürfte sich das Problem aber erst einmal erledigt haben, denn mit der Geburt von Rehkitzen ist von Ende März bis Mitte Juni zu rechnen.

(ger)