Hückelhoven: Soziales Training bei jungen Straftätern überaus erfolgreich

Hückelhoven: Soziales Training bei jungen Straftätern überaus erfolgreich

Beim Jugendhilfeausschuss standen auf der letzten Sitzung die Ergebnisse des „Sozialen Trainings“ im Rahmen der Jugendgerichtshilfe auf der Tagesordnung.

Das Training kann vom Richter bei Verstößen Jugendlicher angeordnet werden, um sie sozial zu stärken und neue Straftaten zu verhindern. Ziel ist es, Strukturen und Stabilität zu schaffen, um eigenverantwortlich und vor allem straffrei leben zu können.

In Hückelhoven werden die Trainings seit 2005 von dem Sozialpädagogen und „Coolness-Coach“ Thomas Meuter von der evangelischen Kirchengemeinde angeboten. Dabei arbeitet er eng mit Kerstin Rappsilber zusammen, die beim Jugendamt den Bereich der Jugendgerichtshilfe bearbeitet. „Im Jugendstrafrecht geht es um Erziehung und Verhaltensänderung“, erklärte Rappsilber bei der Vorstellung ihrer Arbeit im Ausschuss.

Das Jugendstrafrecht sei pädagogisch geprägt und stelle den Ausnahmefall dar. Seine Anwendung hängt auch davon ab, wie seitens der Jugendgerichtshilfe der Reifegrad des Jugendlichen persönlich bewertet wird. Zu den Aufgaben gehöre auch, die straffälligen Jugendlichen über den Ablauf und die möglichen Konsequenzen einer Verhandlung zu informieren und bei der Findung eines geeigneten Strafmaßes zu helfen.

Mit den Taten auseinandersetzen

Dabei stehe auch im Mittelpunkt, dass sich die Jugendlichen mit ihren Taten auseinandersetzen und sich bewusst machen, was sie getan haben. Dazu bleibe im Gericht kaum Zeit, da die Verhandlungen oftmals nur wenige Minuten dauerten. Auch die Kontrolle der Einhaltung von bewährungs- oder Verhaltensauflagen erfolgt durch die Jugendgerichtshilfe.

Zu diesen Auflagen kann auch das Soziale Training im evangelischen Jugendtreff Rainbow gehören und damit kommt Meuter ins Spiel. Von 2005 bis 2012 nahmen 146 Teilnehmer an den 15 praxisorientierten gruppenpädagogischen Seminaren teil. 103 absolvierten sie erfolgreich, 30 wurden wegen Fehlzeiten und wiederholter Unpünktlichkeit rausgeworfen, sechs Jugendliche landeten nach dem Abbruch der Maßnahme in Haft.

Die Gruppen sind alters- und geschlechtsgemischt, derzeit sind es drei Mädchen und sechs Jungs von 14 bis 19 Jahren. Zum Training gehören neben den gruppentreffen auch erlebnisorientierte Maßnahmen und ein Besuch der JVA Willich, wo die „schweren Jungs“ einsitzen. Die Regeln im Training sind streng. Wer zweimal zu spät kommt, ist draußen.

Nur 24 ausländische Straftäter

Trotzdem ist eine Erfolgsquote von rund 70 Prozent nicht von der Hand zu weisen. Im vergangenen Jahr sei es in Hückelhoven zu 301 Straftaten gekommen, die von 160 Tätern verübt wurden, betonte Rappsilber. Nur 24 davon waren ausländischer Abstammung. Der durchschnittliche junge Straftäter ist 17,5 Jahre alt und männlich. Die Delikte reichen von Körperverletzung und Diebstahl bis hin zu Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

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