Sozialarbeiterin in Heinsberger Kitas schon am Limit

Jugendhilfe : Sozialarbeiterin in Kitas schon am Limit

Erst ein Jahr ist die neue Kita-Sozialarbeiterin in Heinsberg im Amt und schon haben sich die zu betreuenden Fälle von 34 im Jahr 2017 auf 71 im Jahr 2018 mehr als verdoppelt. Damit hat sich die innovative Entscheidung des Jugendamtes, eine solche Stelle zu schaffen, offenbar jetzt schon als richtig erwiesen.

Bernd Kleinjans, der Leiter des Heinsberger Jugendamtes, und sein Stellvertreter Peter Maaßen waren vor einem Jahr noch überrascht. Beide hatten nicht geglaubt, dass ihre Idee, eine Sozialarbeiterin für die elf Kindertagesstätten der Stadt Heinsberg einzusetzen, in der Region bis weit über den Kreis Heinsberg hinaus offenbar ein Novum war. „Das nächste Jugendamt, das dies praktiziert, liegt unseres Wissens nach in Bochum“, hatte Kleinjans seinerzeit gegenüber unserer Zeitung erklärt.

Wie groß der Bedarf tatsächlich ist, stellte Sozialarbeiterin Saskia Schlebusch jetzt vor dem Jugendhilfeausschuss der Stadt eindrucksvoll dar. „Aktuell bin ich mit meinen Kapazitäten ausgelastet“, erkärte die 25-Jährige. Kein Wunder angesichts der rasanten Nachfrageentwicklung im letzten Jahr. „Aufgrund der hohen Fallzahlen ist es mir nicht möglich, wöchentlich alle Kitas zu besuchen.“ In den elf städtischen Kitas befinden sich derzeit 43 Gruppen, eine mehr als im letzten Jahr. Die Zahl der Kinder stieg von 874 auf 904 an.

Die Kitas seien es, die die Sozialarbeiterin immer dann anforderten, wenn sie bei einem Kind ein Defizit oder Verhaltensauffälligkeiten erkennen, bei dem die Sozialarbeiterin helfen kann. Die Palette der Tätigkeit von Saskia Schlebusch, die sich mittlerweile auch zur Kinderschutzfachkraft und in sozialpädagogischer Diagnostik weitergebildet hat, reicht von Hausbesuchen über die Begleitung der Familien, Facharztbesuchen zur Installation von Integrationsfachkräften in den Kitas für das betroffene Kind bis hin zu ganz normalen Arztbesuchen. Meistens betroffen seien Kinder von Alleinerziehenden Elternteilen, von Eltern mit geringem Einkommen oder von solchen, bei denen die Muttersprache nicht Deutsch ist. Häufig kommt es auch zu einer Verschmelzung dieser Faktoren.

Kindertagesstätten-Sozialarbeiterin Saskia Schlebusch sieht sich in nur einem Jahr einer Verdoppelung der Betreuungsfallzahlen gegenüber. Foto: Rainer Herwartz

Saskia Schlebusch zieht ein durchweg positives Fazit ihrer Arbeit: „Die Kita-Sozialarbeit wird in der Breite angenommen“, sagt sie. „Das Angebot ist in der Stadt bekannt und etabliert.“ Doch die Kita-Sozialarbeit dürfe sich nicht nur auf die Förderung auffälliger Kinder beschränken, sondern müsse die familiäre Situation einbeziehen. „Begleitende, niedrigschwellige familiäre Hilfen sind die Basis für Vertrauensaufbau, sichern unterstützende und fördernde Maßnahmen für das Kind. Kita-Sozialarbeit baut Schwellenängste ab und öffnet Türen.“ Eine enge Kooperation mit dem Allgemeinen sozialen Dienst sei Standard und der Netzwerkaufbau eine Grundvoraussetzung.

Wie wichtig Prävention und das frühe Eingreifen in die kindliche Entwicklung sein können, belegt auch eine Entwicklung, die Bernd Kleinjans bei der Vorberatung der Haushaltsansätze der Jugendhilfe für das Jahr 2019 kurz skizzierte. Danach werden laut Planungsansatz soziale Leistungen an junge Volljährige außerhalb betreuender Einrichtungen von 1000 auf 130.000 Euro steigen. Bei jungen Volljährigen, die stationär untergebracht sind, wird eine Steigerung der Kosten von 650.000 Euro auf 1.100.000 Euro erwartet. „Der Trend der psychisch Erkrankten geht eindeutig nach oben“, sagt Bernd Kleinjans. Neurosen oder Psychosen seien keine Seltenheit. „Bei den drei- bis vierjährigen Kindern ist oft noch nicht feststellbar, was dahinter steckt..“ Generell sei es schwer zu ergründen, was die Ursache für die meisten seelischen Erkrankungen sei. „ Man kann nur Wellen feststellen.“ So sei zum Beispiel nach gehäuften ADHS-Fällen derzeit ein verstärktes Auftreten von Asperger-Fällen zu beobachten.

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