Softball-Projekt von Wassenberg Squirrels und JVA Heinsberg

JVA : Mit Softball sozialen Halt schaffen

Bereits seit mehr als zwei Jahren trainiert der Baseballverein Wassenberg Squirrels eine Gruppe junger Inhaftierter der JVA Heinsberg in der Sportart Softball, der Hobbyvariante des besser bekannten Baseball.

Wie gut solch eine Kooperation zwischen einem regionalen Verein und dem Sportbereich einer Justizvollzugsanstalt funktionieren kann, davon wollte sich jetzt eine internationale Delegation persönlich überzeugen. Die Delegierten kamen aus der Türkei, Griechenland, Italien und Österreich.

Nach einer kurzen Vorstellung bei der Anstaltsleitung wurde den Teilnehmern die JVA gezeigt, insbesondere die Möglichkeiten an schulischer Bildung und beruflicher Ausbildung interessierten die Delegation. Viele kommen aus den Bereichen der Berufsbildung oder aus Sozialeinrichtungen und Schulen, speziell für Schüler mit besonderem Förderbedarf oder aus sozial kritischem Umfeld. Im Anschluss konnten die Gäste hautnah eine Trainingseinheit, wie immer souverän geleitet durch eine Auswahl der aktiven Spieler des BSV Wassenberg, erleben. Nur durch ein Fangnetz getrennt, wurden wenige Meter entfernt von den Delegierten und der Anstaltsleitung die Bälle mit hoher Geschwindigkeit und dem metallenen Geräusch des Schlägers in das Fangnetz geschlagen.

Die Absicht des Trainings beschränkt sich dabei nicht auf den Zeitvertreib hinter Gittern, sondern setzt tiefgreifender an. „Durch das intensive Erleben einer technisch anspruchsvollen Sportart wie Baseball und Softball entsteht bei so manchen Gefangenen der Wunsch, diesen Sport auch nach der Entlassung in einem der rund 60 Baseballvereine in Nordrhein-Westfalen treiben zu können. Dadurch gelangen die ehemaligen Inhaftierten in ein neues soziales Umfeld, das sie bei ihrer Integration in die Gesellschaft unterstützen kann“, erklärt Leif Herfs, einer der zuständigen Sportbeamten in der JVA Heinsberg, weshalb auch die Haftanstalt das Konzept unterstützt.

Erste Erfolge sind zu verzeichnen. Ehemalige Strafgefangene haben über die Squirrels Zugang zu NRW-Vereinen bekommen und spielen auch heute noch Baseball und Softball. Die umfassenden Erfahrungen, die die Baseballer mit der Sportgruppe in der JVA Heinsberg erzielen, stoßen auch bei anderen Sportvereinen, beim Kreissportbund Heinsberg, bei Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung und natürlich auch in der Bevölkerung auf ein sehr breites Interesse. „Die ausnahmslos positiven Rückmeldungen, die wir zu unserer Kooperation mit der JVA bekommen, bestärken uns in unserer Auffassung, dass diese Sportgruppe einen kleinen Beitrag zur Resozialisierung Strafgefangener leisten kann“, beschreibt der 1. Vorsitzende der Squirrels, Peter Dohmen, die Motivation des Vereins.

Diese Rückmeldungen haben den Vereinsvorstand im vergangenen Jahr auf die Idee gebracht, dass es auch für Organisationen im europäischen Ausland von Interesse sein könnte, sich über außergewöhnliche, erfolgreiche Konzepte, die zur Resozialisierung und Integration Jugendlicher beitragen können, auszutauschen. Eine geeignete Plattform für diese Art des Erfahrungsaustauschs bietet das Programm Erasmus+, das auf Grundlage eines Förderantrags unter anderem EU-Fördermittel zum Zwecke des Erfahrungsaustauschs bereitstellen kann.

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