Sinfonia Rotterdam zu Gast in der Erkelenzer Stadthalle

Drittes Meisterkonzert : Überschäumende Heiterkeit und politische Dimensionen bei Sinfonia Rotterdam

Werke von Johann Strauss, Gabriel Fauré, Peter Tschaikowsky und Ludwig van Beethoven standen auf dem Programm des 3. Meisterkonzertes der laufenden Saison der VHS des Kreises Heinsberg in der Stadthalle Erkelenz. Es musizierte die Sinfonia Rotterdam mit ihrem Dirigenten Conrad van Alphen und der Cellistin Meehae Ryo.

Die Sinfonia wurde eingeladen als Ersatz für ein ursprünglich vorgesehenes polnisches Orchester mit Chor. Aber von Ersatz konnte überhaupt keine Rede sein: Die Niederländer mit ihren drei Dutzend meist jugendlichen Musikerinnen und Musikern überzeugten in allen Bereichen und rissen das Publikum zu wahren Beifallsstürmen hin. Und man konnte verstehen, dass dieses Orchester, eines der bekanntesten der Niederlande, auf seinen Tourneen durch die ganze Welt überall begeistert gehört wurde. Das lag auch am aus Südafrika stammenden Dirigenten, der mit vollem Körpereinsatz zeigte, „wo’s lang ging“, und der sein Orchester zu Höchstleistungen inspirierte. Zu diesen Höchstleistungen trug auch entscheidend die aus den Niederlanden stammende Cellisten bei (sie hätte übrigens auch das Modell für einen Engel sein können), die mit ihrem brillanten Spiel auch die schwierigsten Passagen in den beiden Stücken meisterte.

Das Konzert begann furios mit der „Ouvertüre aus `Die Fledermaus`“ von Johann Strauss dem Jüngeren, bekannt als Walzerkönig und einer der erfolgreichsten Komponisten seiner Zeit. In der Eröffnungsmusik zur der Operette, zunächst als „kleine Oper“ nicht so sehr angesehen, verbindet Strauss verschiedene Themen des Bühnenstücks mit ihren Leitmotiven zu einem abwechslungsreichen und verschlungenen Gesamtwerk, das in seiner Einzigartigkeit so nicht mehr erreicht wurde.

Es folgte von Tschaikowsky „Rokoko-Variationen für Violoncello und Orchester A-Dur“. Das Werk ist unter anderem eine Huldigung an Mozart, den der Komponist sehr verehrte. In den sieben sehr unterschiedlichen Variationen, in denen einzelnen Instrumenten oft eine Art Führung zugewiesen wird und von der Cellistin Außergewöhnliches verlangt wird, sind diese durch verwandte Zwischenspiele verbunden und drücken das Lebensgefühl des Rokoko aus: Liebenswürdigkeit und Empfindsamkeit.

Danach von Fauré „Elegie für Cello und Orchester c-Moll op. 24“. Wie schon der Titel sagt, ist das Werk von viel Wehmut durchzogen, ohne dabei einen traurigen Gesamteindruck zu hinterlassen. Vielmehr ist diese romantische Musik von viel Poesie bestimmt und trifft den erlesenen und feinen Geschmack der damaligen gehobenen Bürgerschicht in der Pariser Salonkultur.

Nach der Pause dann „die Sinfonie Nr. 7 A-Dur“ von Beethoven, die geradezu von Freude überquillt und so gar nicht zum unglückseligen Leben des Komponisten zu passen scheint. Auch die tragischen Töne bestimmen nicht den Gesamtcharakter des Werkes, in dem eine doch überschäumende Heiterkeit im Vordergrund steht. Vielleicht kann man sogar sagen, dass das Werk auch eine politische Dimension hat, insofern es einen Optimismus ausstrahlt, der etwa nach den Wirren der französischen Revolution und der Völkerschlacht bei Leipzig so nicht zu erwarten war.

Blumen am Ende für die Cellistin und trotz des großen Beifalls keine Zugabe, die das Publikum erklatschen wollte.

(ulla)
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