Plan der Effelder Initiative IGEL: Sieben bis acht Ladenlokale in einem Dorfzentrum

Plan der Effelder Initiative IGEL : Sieben bis acht Ladenlokale in einem Dorfzentrum

Die Effelder Initiative IGEL plant ein Dorfzentrum für die Nahversorgung im Ort. Dafür wäre ehrenamtliches Engagement nötig. Geeignete Gebäude dafür gibt es womöglich schon.

„Wir wollen für ein Brötchen nicht mehr vier Kilometer fahren!“ Mit einem deutlichen Beispiel schilderte Ewald Schmitz als Vertreter der neuen Effelder Initiative namens IGEL (Interessengemeinschaft Effelder Leben), was ihn und einige andere Effelder derzeit bewegt. Effeld sei landschaftlich schön, touristisch sowie gastronomisch bekannt, und doch würden dort einige Dinge fehlen, fuhr er in seiner Begrüßung fort. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren seien Banken, Lebensmittelgeschäfte, Metzgereien und Bäckerei verschwunden. „In Effeld kann man gut essen und trinken, aber kaufen kann man nix“, so sein nüchternes Fazit.

Genau daran will IGEL jetzt etwas ändern und wieder eine Nahversorgung im Ort realisieren. Im Frühjahr 2018 hätten sich erste Gleichgesinnte getroffen, berichtete Schmitz zur Entstehungsgeschichte des Projekts. Im Oktober hätten dann rund 20 Bürger die Initiative gegründet, die derzeit noch eine Arbeitsgruppe des Vereins Naturfreunde Effeld sei. Auch ein erster finanzieller Grundstock für die weitere Arbeit sei damals gesammelt worden.

In der Folgezeit habe man sich Projekte in verschiedenen Orten angeschaut. Dabei kam die Gruppe auch mit Heinz Frey von der Initiative DORV (Dienstleistung und Ortsnahe Rundum-Versorgung) in Jülich-Barmen ins Gespräch. Vor etwa 20 Jahren stand der damalige Lehrer in seiner Heimat vor dem gleichen Problem wie die Effelder heute. Er entwickelte die Idee für den DORV-Laden in Barmen. Die Bürgerschaft ist hier über Anteilsscheine Träger der Einrichtung und deren Kundschaft zugleich.

Nicht nur Lebensmittel und frisches Fleisch können die Barmener in ihrem Laden kaufen. Hier gibt es auch einen Postservice, einen Bankautomaten, ein Café und vieles andere mehr. Frey spricht in diesem Zusammenhang von seinem „Fünf-Säulen-Modell“, in dem es neben Lebensmitteln und Dienstleistungen auch die Möglichkeit zur Kommunikation gibt, darüber hinaus eine sozial-medizinische Versorgung und nicht zuletzt ein Kulturangebot.

Menschen zusammenbringen

So etwas wünschen sich die IGEL-Vertreter auch für Effeld. Und da Frey inzwischen mit großem Erfolg Konzepte für mehr als 40 Dorfzentren in ganz Deutschland realisiert hat, haben sie ihn um Unterstützung gebeten. Das Ergebnis seiner Analyse für Effeld: Ein betriebswirtschaftlich eigenständiges Zentrum sei für den Ort nur bedingt möglich, so sein Fazit. „Zur nachhaltigen Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität in Effeld ist deshalb ein solches Zentrum als bürgerschaftliches Modell mit ehrenamtlicher Unterstützung zu empfehlen“, erklärte er.

Als Beispiel für die Ergänzung durch Ehrenamt nannte er die Organisation einer Buchausstellung. „Die bringt Menschen ins Zentrum, und dann wird konsumiert.“ Wichtig sei zudem, dass ein solches Zentrum in der Ortsmitte eingerichtet werde. „Da geht man hin, und da ist die Lösung!“, laute die Erfahrung, die alle Bürger des Ortes machen müssten.

Und die Lösung gehe bis hin zur Vermittlung von Seniorenpaten oder auch Handwerkerdiensten. „Hier werden sieben bis acht Ladenlokale quasi in eines hineingepackt, weil sie sich gegenseitig ergänzen und Frequenz bringen.“ Später könne man ein solches Zentrum dann dank moderner Technik noch weiter ausbauen, etwa mit einer Pick-up-Station für online bestellte Lebensmittel oder mit einem Elektroauto, das Waren vom Hofladen ebenso wie Menschen ins Zentrum hole und bestellte Produkte ausliefere, blickte Frey in die Zukunft.

Wo ein solches Zentrum in Effeld seinen Platz haben könnte, darüber diskutieren auch die Mitglieder von IGEL derzeit. So gebe es ein leerstehendes Gebäude in der Nähe der Kirche, das sich eventuell eigne, heißt es. Ferner sei der Initiative gerade ein Gebäude zu diesem Zweck angeboten worden. Weitere Ideen gehen bis hin zum Neubau eines solchen Dorfzentrums in Kombination mit seniorengerechten Wohnungen.

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