Seniorenbeirat: Altersarmut im Kreis Heinsberg bekämpfen

Beschäftigung : Seniorenbeirat will Altersarmut im Kreis Heinsberg bekämpfen

Wie kann man Frauen, die einen 450 Euro-Job ausüben, vor der Altersarmut schützen? An dieser Aufgabe scheitern die auf höchster Ebene politisch Verantwortlichen vermutlich gerade mal wieder und auch dem Beirat für Generationenfragen des Kreises Heinsberg dürfte es nicht gelingen, dieses Problem zu lösen.

Doch Beiratsmitglied Hans-Peter Benetreu hatte zumindest einen kleinen Lösungsansatz parat. Man solle doch am besten einmal vor der eigenen Haustür kehren und schauen, wie es mit den Beschäftigungsverhältnissen in der Kreisverwaltung bestellt sei; ob etwa die Reinigungskräfte von der Kreisverwaltung oder über ein Unternehmen beschäftigt würden, das auch ordentlich bezahle.

Niedrige Frauenerwerbsquote

Das Thema „Frauenerwerbsquote und -tätigkeit“ hatte auf der Tagesordnung der aktuellen Beiratssitzung gestanden und Benetreus Anregungen veranlasst. Beiratsmitglied Mali Berger hatte zuvor ein gut recherchiertes Referat gehalten. Berger hatte sich auf Anfrage von Wilhelm Schulze, Leiter der Stabsstelle Demografischer Wandel und Sozialplanung beim Kreis Heinsberg, mit der Erwerbstätigkeit von Frauen im Kreis Heinsberg auseinandergesetzt und alle Quellen angezapft, derer sie habhaft werden konnte.

Die Strukturdaten des Arbeitsmarktmonitorings der Bundesanstalt für Arbeit hatten gezeigt, dass die Frauenbeschäftigungsquote im Kreis Heinsberg zu den niedrigsten in NRW gehört. Die Frauenbeschäftigungsquote im Kreis Heinsberg habe sich aber, so Mali Berger, nach telefonischer Auskunft einer Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums Frau und Beruf der Region Aachen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Sie läge heute im Kreis Heinsberg bei 50,1 Prozent gegenüber 52,2 Prozent in NRW. 2008 hatte noch eine weitaus größere Lücke geklafft, damals lagen die Werte bei 37,1 Prozent im Kreis Heinsberg.

Berger führte anhand der für den Zeitraum 2002 bis 2012 vorliegenden Zahlen aus, dass bei der Beschäftigungsquote von Frauen ein besonders hoher Anteil auf Teilzeitbeschäftigung und geringfügige Beschäftigung entfalle. Aus einer Befragung von 714 Frauen, die das Kompetenzzentrum Frau und Beruf der Region Aachen durchgeführt hatte, hatte Mali Berger die Ursachen der niedrigen Frauenerwerbstätigkeit im Kreis Heinsberg herausgearbeitet. Berger nannte als eine Ursache das kulturelle Erbe. Viele Frauen hätten früher in Zulieferbetrieben des Bergbaus, in der Landwirtschaft oder der Textilindustrie gearbeitet.

Kinderbetreuung als Problem

Die ungesicherte Kinderbetreuung und die unzureichenden Teilzeitangebote sowie die schlechte Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes würden vielen Frauen heute die Teilnahme am Arbeitsleben erschweren. Zudem seien manche aufgrund der Kinderbetreuung zu lange aus dem Beruf, um über das nötige Know-how zu verfügen. Die ungesicherte Kinderbetreuung sei mit 52,6 Prozent der am häufigsten genannte Grund. Eine familienfreundliche Arbeitswelt, familienfreundliche gesellschaftliche Rahmenbedingungen sowie eine familienfreundliche Geschlechtergerechtigkeit müssten geschaffen werden, um Frauen die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Gelinge dies nicht, bliebe vielen Frauen nur der 450 Euro-Job.

Der Minijob stelle aber für viele eine Falle dar, so Mali Berger, denn er biete den Frauen weder die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln, noch sorge er für eine Altersrente. Viele Frauen würden in diesen Minijobs unter ihrer Qualifikation arbeiten. Neben dem traditionellen Frauenbild, Allein-Versorger-Ehe ohne eigenständige Altersversorgung und Zuverdienst im Minijob, entwickle sich aber auch das Modell der gut ausgebildeten Frau, die ein selbstbestimmtes Leben durchaus mit Familie führen wolle.

Zwischen diesen beiden Modellen spiele sich Familie und Frauenerwerbstätigkeit heute ab, stellte Mali Berger abschließend fest.

Das zweite Modell setze einen Wandel im Beziehungs- und Rollenverständnis, qualifizierte Wiedereinstiegsmodelle und außerhäusliche Kinderbetreuungseinrichtungen voraus. Sozialdezernentin Daniela Ritzerfeld nahm den Ball von Heinz-Peter Benetreu, erst einmal im eigenen Hause zu schauen, was machbar ist, sofort auf und verwies darauf, dass bei Ausschreibungen der Kreisverwaltung stets auch eine Versicherung abgefragt werde, dass der Arbeitgeber Tariflöhne zahle.

Zuspruch fand die Anregung des  Seniorenbeauftragten des Kreises Heinsberg, Jürgen Köllmann, das Thema Frauenerwerbstätigkeit mit jungen Menschen an den  Berufskollegs und Schulen noch einmal  zu vertiefen.