Seltene Rasse in Heinsberg: Ein Hengst, der gerne auf zwei Beinen läuft

Seltene Rasse in Heinsberg : Ein Hengst, der gerne auf zwei Beinen läuft

Schon ganz gut kann Calitx sein zweibeiniges, Deutsch sprechendes Gegenüber auf dem Laffelder Kapellenhof verstehen. Und das, obwohl der tiefschwarze, mit Spanisch sprechenden Menschen aufgewachsene Rappe erst seit gut einem Jahr hier lebt.

An die klimatischen Verhältnisse des Heinsberger Landes hat sich der menorquinische Hengst inzwischen ebenfalls gewöhnt. „Nur beim ersten Schnee hat er ganz große Augen gemacht“, erzählt Judith Israel, die das neue Familienmitglied gemeinsam mit ihrem Mann Friedel im vorigen Jahr von der Insel Menorca nach Deutschland geholt hat.

Bei einem Urlaub vor zwei Jahren hatten die beiden Unterbrucher bei einer der berühmten Pferdeshows auf der Insel diese seltene Pferderasse, die „Pura Raza Menorquina“ kennengelernt und sich gleich in sie verliebt. Besonderes Merkmal dieser Tiere ist, dass sie ganz selbstverständlich auf ihren beiden Hinterbeinen laufen, „und die Menschen, die sie dann bei den großen Straßenfesten auf Menorca berühren, an ihr Glück glauben“, weiß Friedel Israel. Schnell war für die beiden klar, dass sie solch ein tolles Pferd mit nach Deutschland nehmen wollten.

Dabei kam ihre Liebe zum Pferd nicht von ungefähr. Schon als Jugendliche hätten sie sich beim Reiten kennengelernt, erzählt Friedel Israel. „Mein Pferd steht immer noch hier. Es ist mittlerweile 28 Jahre alt. Das Pferd meiner Frau ist vor acht Jahren gestorben.“ Jetzt, wo die eigenen Kinder größer würden, sei wieder Zeit für ein eigenes Pferd, zumal Judith Israel auch als Berufsschullehrerin immer engen Kontakt zum Kapellenhof gehalten hat, hier auch weiterhin die Pferde der Besitzer reitet und im Stall mithilft.

Gesagt, getan. Nach der ersten großen Liebe zu den vierbeinigen Menorquinern in den Sommerferien kehrte Judith Israel schon im Herbst 2017 für zwei Wochen nach Menorca zurück und lernte, ein solches Pferd zu reiten. „Es kennt nämlich nicht nur die auch bei uns bekannte englische Reitweise in der Dressur, sondern hat die spanische sozusagen als Zusatzqualifikation“, erklärt Friedel Israel. Obwohl er seiner Frau zusätzlich „aufgegeben hatte“, sich noch nicht zu sehr auf ein Pferd zu konzentrieren, wie er sagt, hatte sie sich doch sehr schnell in einen Hengst namens Anton verliebt.

Friedel und Judith Israel (von links) freuen sich zusammen mit Pferde-Tierarzt Ben Horsmans über ihr neues Familienmitglied, den menorquinischen Hengst Calitx. Foto: Anna Petra Thomas

Röntgenbilder vor Ort

Um herauszufinden, ob dieses Tier auch ganz gesund war, hatte Friedel Israel die Idee, hier vor Ort Röntgenbilder vom Selfkänter Pferdetierarzt Ben Horsmans auswerten zu lassen. Dieser machte sich dann jedoch vorsichtshalber doch selbst auf den Weg nach Menorca, um Anton genauer zu untersuchen und stellte eine Arthrose fest. „Da wollten wir eigentlich schon aufgeben“, erinnert sich Friedel Israel. Dann habe sich jedoch mit der auf Mallorca lebenden Österreicherin Lizz Handschmann eine Expertin bei ihnen gemeldet und ihnen bei der Suche nach einem Pferd der Rasse geholfen, von der es weltweit nur noch knapp 4000 Tiere gibt, die meisten natürlich auf der Insel selbst.

Schließlich war, wieder mit Hilfe von Ben Horsmans, Calitx gefunden. Und umgekehrt wurde der Pferdetierarzt aus dem Selfkant gleich auf der Insel berühmt, wo er einen Vortrag zur Pferdegesundheit hielt, über den sogar das menorquinische Fernsehen berichtete. Während es dann für die Zweibeiner mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland ging, reiste der Hengst über zwei Wochen mit Fähre und Spezialtransport über die Straße in seine neue Heimat. Er ist einer von nur knapp 50 Tieren dieser Rasse in Deutschland und inzwischen einer von nur zwölf Hengsten weltweit, die vom menorquinischen Pferdezuchtverband für die Nachzucht mittels künstlicher Befruchtung zugelassen sind.

Wenn er auch ein Hengst sei, habe er doch ein eher zierliches, elegantes Wesen, weiß Friedel Israel. „Er ist immer zurückhaltend, sehr zugewandt.“ Dennoch sei er nicht nur über den Schnee, sondern auch über die Stuten im Stall des Kapellenhofs zunächst ein bisschen verwundert gewesen, schmunzelt er. „Auf Menorca stehen nämlich nur die Hengste im Stall, die Stuten immer auf der Weide.“

Auf dem CHIO für Furore gesorgt

Einem größeren Publikum in der hiesigen Region wurde Calitx gerade erst bekannt, als er mit Judith Israel auch den Besuchern des diesjährigen CHIO sein Können auf zwei Beinen vorführen durfte. Standesgemäß hat er natürlich auch einen original menorquinischen Sattel, der auf der Insel traditionell von Hand gefertigt wurde, so ganz anders aussieht als ein deutscher Sattel und hinten sogar das Wappen der Familie Israel trägt.

Bei ihrem nächsten Besuch auf Menorca will Judith Israel für sich nun auch eine Original-Reitertracht fertigen lassen und mit Calitx neben seinen Aufgaben, die er in der Zucht dieser seltenen Pferderasse übernehmen soll, in der Zukunft noch ganz viele weitere Showauftritte absolvieren.