Selfkantbahn: Alte Diesellok aus Afrika heimgekehrt

Schrottreif in Togo gefunden : Historische Geilenkirchener Diesellok ist aus Afrika zurück

Die Selfkantbahn ist nicht nur den Freunden der Dampflokfahrten bekannt. Beliebt sind auch die jährlichen Spargel- und Nikolausfahrten. Dass in diesem Jahr aber auch ein langjähriges Projekt zu einem guten Ende gebracht werden soll, ist nur wenigen bekannt und ähnelt in seinem Ablauf einem spannenden Abenteuer.

Wie vieles, was mit der Selfkantbahn zu tun hat, beginnt auch diese Geschichte in den 1950er Jahren. In einem Gespräch berichten die stellvertretende Vorsitzende der Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr e. V. (IHS), Maike Würdig und der Projektleiter für die Wiederherstellung der Diesellok V11, Thomas Paustenbach, von der Odyssee eben dieser Lokomotive.

Gebaut wurde die Diesellok im Jahr 1955 vom Hersteller Klöckner-Humboldt-Deutz in Köln. Dieser Typ löste die alten Dampflokomotiven bei der Geilenkirchener Kreisbahn (GKB) ab, weil sie unwirtschaftlich geworden waren. Vom ehemaligen Bahnbetrieb der GKB auf der Gesamtstrecke Alsdorf-Tüddern war schon 1949 der Abschnitt Gangelt-Tüddern aufgrund der niederländischen Verwaltung des Selfkants außer Betrieb gegangen. Der Personenverkehr wurde 1953 eingestellt und es blieb nur der Güterverkehr auf den verbliebenen Strecken. Der Betrieb der GKB endete 1973 und die V11 wurde verkauft und in einem Bauprojekt im westafrikanischen Land Togo eingesetzt.

Die V11 kam danach für wenige Jahre auch noch bei der Staatsbahn Togos (CFT) zum Einsatz und wurde 1985 quasi aufs Abstellgleis gestellt. „Im Jahr 1999 fand ein Mitarbeiter der Selfkantbahn, der sich beruflich in Togo aufhielt, das Wrack der Lok V11“, erzählt Maike Würdig von dem denkwürdigen Augenblick. „Alles, was nicht niet- und nagelfest war, hatte man schon abgebaut“, beschreibt Thomas Paustenbach den damaligen Zustand der V11. Für die Selfkantbahn-Mitglieder war schnell klar: die Lok muss wieder zurück und auf der alten Strecke fahren, erzählen die beiden. Zum hundertjährigen Bestehen im Jahr 2000 konnte dann ein Kaufvertrag mit der CFT abgeschlossen werden. „Für rund 500 Euro konnten wir die alte Lok zurückkaufen“, lächelt Würdig verschmitzt. Am 11. Januar 2001 sei die Odyssee der V11 mit der Rückführung in die alte Heimat zum vorläufigen Ende gekommen.

So kam sie in Schierwaldenrath an, die alte V11 – im schrottreifen Zustand, noch mit Aufschriften der Staatsbahn Togos. Foto: Markus Kaiser

Ab 2003 habe man mit der Restauration begonnen. Auch wenn die Kenntnisse für die notwendigen Reparaturen beim Personal vorhanden seien, würden dennoch alle Arbeiten ehrenamtlich ausgeübt, betont Paustenbach. Und genau dies sei der wesentliche Grund, warum die Restaurationsarbeiten bis 2019 angedauert hätten.

„Was wir vorfanden, war nur noch ein Gerüst. Es fehlten alle Türen, Scheiben und Abdeckungen. Und fast alle Schrauben waren verschwunden“, beschreibt er den Zustand zum Beginn der Wiederherstellung. Zunächst habe man die Lok komplett zerlegt. So wurde schnell klar, dass der Dieselmotor nicht mehr nutzbar war und verschrottet werden musste. Original erhalten war der Rahmen. Erneuert werden mussten: die Elektrik, das Druckluftsystem und Teile des Aufbaus. Die Zug- und Stoßvorrichtungen wurden angepasst und teilweise in der Werkstatt selber hergestellt. Als Ersatzteillager dienten zwei gleiche Loks. Aus diesen wurden der Motor und das Getriebe genommen und aufbereitet eingebaut. Auch die Achsen wurden ersetzt.

Der im Kern gut erhaltene Rahmen der V11 zu Beginn der Restaurierungsarbeiten und nach dem Zerlegen. Foto: Markus Kaiser

Nah am urspünglichen Zustand

„Unser Ziel ist, die Lok wieder möglichst nah am ursprünglichen Zustand, wie sie bis 1973 im Dienst der GKB war, zu restaurieren. Dazu gehören die Beschriftungen ebenso wie die Lackierung in den Farben von damals“, betonen beide unisono. Bald werde die Lok soweit sein, dass sie im Probebetrieb getestet werden könne, erläutert Paustenbach den aktuellen Stand.

Die V11 in der Endphase der Restaurierung mit neu eingebautem und überholtem Motor, Getriebe, Aufbauten und Lackierungen. Foto: Johannes Bindels/JWB

„Wir haben neben den Dampflokfreunden auch eine große Gemeinschaft an Diesellok-Freunden“, erzählt Maike Würdig. Diesen wolle man mit der Inbetriebnahme der V11 ein weiteres Angebot machen können. So bleibe das Ziel, die erste Fahrt mit der Lok im Herbst anbieten zu können. Dieser Premiere fiebern alle bei der Selfkantbahn schon entgegen.

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