Schulhistorie in Randerath mit vielen Kuriositäten

485 Jahre zurückgeblickt : Schulhistorie mit vielen Kuriositäten

Der Randerather Heinz Franken durchforstet das Bildungswesen seines Heimatortes vom Jahr 1533 bis in die heutige Zeit hinein. Dabei stößt er auf spannende, ulkig anmutende, aber auch traurige Begebenheiten im Laufe der Jahrhunderte.

Welch eine Idylle: Jungen und Mädchen spielen in trauter Eintracht auf dem Schulhof miteinander, und die Pausenaufsicht aus dem Lehrerkollegium lächelt wohlwollend und zufrieden ob des stressfreien Treibens. Was heutzutage den Lehrern eher Tränen der Rührung in die Augen treibt, hätte sie vor 200 Jahren noch den Rohrstock zücken lassen. Denn wie ein Strafkatalog aus dem Jahr 1818 zeigt, gab es für ein derlei unerlaubtes zweigeschlechtliches Miteinander vier satte Schläge aufs Gesäß. Von langen Fingernägeln wäre den Damen seinerzeit auch dringend abzuraten gewesen, denn diese wurden ebenfalls mit immerhin zwei Hieben geahndet. Dass in alter Zeit also beileibe nicht alles besser war, wie so oft romantisch verklärt wird, ist in Heinz Frankens neuestem Werk eindrucksvoll nachzulesen. „Die Geschichten der Randerather Schulen von 1533 bis 2018“ lautet der Titel des spannenden Büchleins, das auf über 180 Seiten Rückschau hält auf 485 Jahre Schulleben mit zahlreichen Kuriositäten.

„Als ich vor zwei Jahren mit den Vorarbeiten begonnen habe, war es eher ein Zufall, dass es 485 Jahre wurden, weil im Jahr 1533 erstmals Schulen in Randerath erwähnt wurden“, sagt Heinz Franken. „Im auslaufenden Mittelalter gab es hier sechs Schulen.“ Damals seien Randerath, Heinsberg und Geilenkirchen nach Einwohnerzahlen noch etwa gleichgroße Städte gewesen mit 2300 bis 2800 Menschen. Als er mit der Recherche für sein mittlerweile 14. Buch über Randerath begann, „wusste ich nicht, ob das Thema genug hergeben würde, um darüber überhaupt ein Buch zu schreiben“, meint Heinz Franken. Doch diese Zweifel zerstreuten sich schnell.

Heinz Franken mit seinem neuesten Werk über 485 Jahre Schulgeschichte in Randerath. Foto: Rainer Herwartz

„Wenn man das Schulwesen über Jahrhunderte zurück betrachtet, war das Lernen vielfach mühsam und mitunter recht bitter“, stellte Heinz Franken fest. „In den Anfängen war eine schulische Ausbildung vorwiegend den Kindern wohlhabender Eltern vorbehalten, denn nur sie konnten ihren finanziellen Beitrag zur Entlohnung der Lehrer aufbringen. Häufig erfolgte die Bezahlung auch mit Naturalien. Auf der anderen Seite standen anfangs nur wenig entsprechend ausgebildete Lehrer zur Verfügung. Vielfach unterrichteten die Ortspfarrer die Schüler. Die ersten Schulräume befanden sich in Privathäusern und in provisorisch hergestellten Behausungen.“

Die Entwicklungsphasen von der Frühgeschichte der Schulen unter Beachtung mittelalterlicher Verordnungen im Herzogtum Jülich und das Lernverhalten der Kinder sowie die Ausstattung der Klassenräume nehmen in dem Buch einen breiten Raum ein. Nur so am Rande: zu den Verordnungen des Herzogtums gehörte auch diese, dass sich Schüler nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf den Straßen sehen lassen durften. Naja, Discotheken gehörten damals ja auch noch nicht zu den beliebten Freizeitarenen der Jugend.

Heinz Franken ist es gelungen, bei seinen aufwendigen Recherchen die Namen sämtlicher Lehrer und Lehrerinnen und die Dauer ihrer Tätigkeit in Randerath von 1533 bis zum heutigen Zeitpunkt zu erfassen. Insgesamt waren es 120 Lehrkräfte in ehemals bis zu sechs Schulen — einer katholischen, einer evangelischen, einer jüdischen, der staatlichen, der Internatsschule des Franziskanerordens und einer Höheren Schule als wissenschaftlicher Privatschule. „Heute haben wir nur noch drei“, sagt der achtzigjährige ehemalige Ortsvorsteher und lacht: „Eine Grundschule, eine Fahrschule und eine Genussschule.“

Die Bronzetafel an dem im Barockstil erbauten Schulgebäude aus dem 17. Jahrhundert zeigt seine bewegte Geschichte. Foto: Rainer Herwartz

Das rund 200 Seiten umfassende Buch mit zahlreichen Farbaufnahmen und der ISBN-Nr: 978-3-937675-23-7 ist erhältlich in der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg und in Randerath bei der Raiffeisenbank, bei der Bäckerei Bremer am Markt sowie beim Autor selbst.

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