Auftakt zur Interkulturellen Woche: Schüler machen sich für Kejsi Argo stark

Auftakt zur Interkulturellen Woche : Schüler machen sich für Kejsi Argo stark

„Wenn sie jetzt abgeschoben wird, das ist sehr —“, dann überlegte Aurélie Staecker kurz und wählte das Wort: „dreist.“ Ihre Schulfreundin Theepiga Hemakanthan pflichtet ihr bei. Die beiden Schülerinnen des Gymnasiums Hückelhoven meinten die Abschiebung ihrer Mitschülerin Kejsi Argo.

Dass Kejsi, obwohl sie und ihre Familie sich sehr gut integriert haben, der weitere Aufenthalt in Deutschland versagt werden soll, dafür bringen die beiden jungen Frauen kein Verständnis auf.

Im Gymnasium Hückelhoven fand die Auftaktveranstaltung der Interkulturellen Woche 2018 statt. Textbeiträge von Schülern gestalteten den Ablauf der Veranstaltung. Fotos (3): Dettmar Fischer. Foto: Dettmar Fischer

Aurélie Staecker, Theepiga Hemakanthan und Kejsi Argo haben die Auftaktveranstaltung zur Interkulturellen Woche 2018 mitgestaltet. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Vielfalt verbindet“ und fand im Beisein von knapp 50 Besuchern im Gymnasium Hückelhoven statt. Landrat Stephan Pusch (CDU) hatte die Schirmherrschaft der Interkulturellen Woche übernommen. Er war zum Abschluss seines Wortbeitrages auch auf das Schicksal von Kejsi Argo und ihrer Familie eingegangen. Kejsi Argo, ihr Bruder und ihre Mutter sind von der Abschiebung bedroht, während ihr Vater in Deutschland bleiben könnte. Die Familie würde zerrissen.

Kejsi Argo (l.) beteiligte sich zusammen mit einigen Mitschülern des Gymnasiums Hückelhoven an der Auftaktveranstaltung zur Interkulturellen Woche.

Im Gespräch hatten Aurélie Staecker und Theepiga Hemakanthan erklärt, dass die Auftaktveranstaltung zur Interkulturellen Woche auch eine gute Möglichkeit für ihre Schule sei, sich einzubringen, zu zeigen, wie wichtig Integration sei. Egal welchen Migrationshintergrund die Menschen hätten, egal welche sexuellen Vorlieben sie hätten oder welche Unterschiede auch immer zwischen den Menschen bestünden, wichtig sei, dass jeder akzeptiert werde, so wie er ist. Es sei eine menschliche Pflicht, denen zu helfen, die in Not sind.

Schade sei nur, meinte Aurélie Staecker, dass so wenige junge Menschen zur Auftaktveranstaltung gekommen seien. Auf die Frage, ob man denn mit solch einer Veranstaltung etwas verändern könne, befand Theepiga Hemakanthan: „Den Versuch ist es wert.“

Achim Kück, Flüchtlingsseelsorger des Bistums Aachen, nahm auch an der Auftaktveranstaltung teil, und er hatte mit offenen Ohren den Worten des Landrates gelauscht, der angekündigt hatte, er werde sich zusammen mit Birgit Fluhr-Leithoff um die Familie Argo und deren weiteres Schicksal kümmern.

Umfangreiches Programm

Birgit Fluhr-Leithoff vom Arbeitskreis Interkulturelle Woche hatte das umfangreiche Programm der Auftaktveranstaltung vorbereitet. Den musikalischen Rahmen hatte unter anderem Anna Schmitz mit einem schönen Klarinetten- und einem noch schöneren Gesangsbeitrag gestaltet. Drei Ausstellungen waren in Klassenräumen zu besichtigen. Eine beschäftigte sich mit einem Inklusionsprojekt, eine zweite zeigte Eindrücke aus einem Zisternenprojekt in Brasilien, und die dritte Ausstellung trug den Titel „Gegen das Vergessen!“. Diese Fotoaktion erinnert an die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und plädiert für ein friedliches Miteinander. Die Fotografien zeigen Bürger der Region, die für diese Gedanken einstehen und ein rotes Schild mit dem Schriftzug „Gegen Vergessen“ in die Kamera halten.

Vielfältig waren die Aspekte, die Schüler in Redebeiträgen zum Themenfeld Beziehungen zwischen den Kulturen darstellten. Von rechtspopulistischen Strömungen, über einen Besuch der Schülervertretung im Anne-Frank-Haus in Amsterdam und die intensiven Erfahrungen der Besucher an diesem besonderen Ort, bis zur Seenotrettung von Flüchtlingen reichten die Beiträge. Auch ein Kooperationsprojekt mit dem Lokalen Teilhabekreis Hückelhoven wurde vorgestellt.

Landrat Stephan Pusch verwies in seiner Rede als Schirmherr darauf, dass Europa sich auf seine Werte besinnen und diese nicht wirtschaftlichen Interessen unterordnen dürfe. Es könne nicht angehen, dass sich Europa abschotte und für diese Abschottung Diktaturen wie Ägypten und Libyen Geld gebe, das diese sicherlich nicht in unserem Sinne einsetzen würden.

Zum Programm gehörte auch ein Interview, das Sabine Pelzer mit Kejsi Argo führte. Nach ihren Wünschen für die Zukunft gefragt, sagte Kejsi: „Ich möchte so gerne hier bleiben und Abitur machen.“ Dann würde sie Jura studieren und Anwältin oder Richterin werden. Kejsi: „Das ist aber noch Zukunft.“